Postbank-Chef erwartet Entscheidung über Zukunft der Bank im Herbst

Dennoch hoffe er, dass er nicht den Jahrestag der seit Herbst 2007 laufenden Diskussion «feiern» werde. Die Post prüft derzeit für ihre Banktochter alle Optionen – inklusive eines Verkaufs. Bereits seit einigen Wochen erhöht die Postbank den Druck auf ihre Mutter, schnell zu einer Entscheidung zu kommen, da die aktuelle Situation strategische Entscheidungen behindere. Ein Verkauf ist noch nicht beschlossen, aber alle deutschen Grossbanken haben bereits Interesse signalisiert. Allein die Aussicht auf eine Veräusserung treibt die Aktie der Postbank seit Wochen an, am Montag startete das Papier mit kräftigen Gewinnen und lag zuletzt noch leicht im Plus bei 62,40 Euro. Marktteilnehmer rechnen damit, dass das starke Interesse aus der Branche den Prozess beschleunigt.


Post-Chef Appel: Kein Anlass zur Eile
Post-Chef Frank Appel will sich dagegen bei der Entscheidung über die Zukunft der Postbank nicht unter Druck setzen lassen. Er wiederholte am Montag in Leipzig, es sei noch keine Entscheidung gefallen. Er sehe auch keinen Anlass zur Eile. Nach Informationen des «Handelsblatts» sondiert die Post, die 50 Prozent plus eine Aktie an der Postbank hält, derzeit bereits den Markt. «In den nächsten Wochen» sollten Interessenten unverbindliche Angebote abgeben, schreibt die Zeitung unter Berufung auf mit dem Sachverhalt vertraute Personen. Der formale Verkaufsprozess werde aber erst im Juni anlaufen.


Interessenten stehen Schlange
Potenzielle Käufer für die Postbank stehen schon jetzt Schlange. Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben bereits Interesse angemeldet – eine Übernahme der grössten Filialbank wäre eine der seltenen Gelegenheiten, im deutschen Privatkundengeschäft auf einen Schlag kräftig Marktanteile zu gewinnen. Spekuliert wird auch über ein mögliches gemeinsames Gebot von Allianz und Commerzbank, um mit einem Dreierbündnis aus Dresdner Bank, Commerzbank und Postbank eine zweite Grossbank hinter der Deutschen Bank zu schaffen. Klein wollte sich auf die Diskussion verschiedener Modelle nicht einlassen: «Im Rahmen des Assessments werden sicherlich verschiedene Möglichkeiten durchgespielt – und zwar nicht nur unter Gesichtspunkten von Kostensynergien», sagte er dem «Handelsblatt».


Europäischer Partner nicht ausgeschlossen
Aber auch ein ausländischer Partner ist für den Postbank-Chef, der nach eigener Aussage «ausreichend» Mitspracherecht in dem Prozess hat, weiterhin nicht ausgeschlossen. «Wir leben in Europa, wir leben im Euroraum. Da ist es aus meiner Sicht völlig normal, sich auch mit der Frage nach einem europäischen Partner zu beschäftigen», wiederholte Klein frühere Aussagen. Sollte es zu einem Verkauf kommen, gehe er aber davon aus, dass sein Institut als Marke erhalten bleibt. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass man eine der stärksten Marken, die es im deutschen Privatkundengeschäft gibt, opfert», sagte Klein. (awp/mc/ps)

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