Postbank hat sich bei CIT tüchtig verspekuliert

Die Börsianer nahmen der Bonner Bank, an der die Deutsche Bank und die Deutsche Post beteiligt sind, den teuren Patzer krumm: Die Aktie fiel am Morgen um mehr als 3 Prozent. Vor Steuern schrieb das eigentlich auf Privatkunden spezialisierte Institut im dritten Quartal einen Verlust von 59 Millionen Euro. Ohne das risikoreiche Engagement in Übersee hätte die Postbank erstmals seit fünf Quartalen operativ wieder Geld verdient. «Wir haben nur in kleinem Umfang direkt in CIT investiert», erläuterte ein Sprecher. Die Postbank hatte einige Anleihen der Amerikaner gekauft. Die grössten Verluste entstanden dagegen über die in Verruf geratenen, weil undurchsichtigen Derivate. Das sind Papiere, die über Umwege auf die Entwicklung von Unternehmen setzen.


Postbank erholt sich langsam
Vor einem Jahr, als die Finanzkrise hochkochte, hatte der Vorsteuerverlust mit 448 Millionen allerdings noch deutlich höher gelegen und nahm seitdem kontinuierlich ab. Dieser Trend werde anhalten, versicherte Postbank-Chef Stefan Jütte. Die Belastungen aus der Finanzkrise dürften ihren Höhepunkt erreicht haben und im weiteren Jahresverlauf schwinden. Jütte bestätigte das Ziel, mittelfristig eine Eigenkapitalrendite von 13 bis 15 Prozent nach Steuern zu erreichen. Noch liegt der Wert deutlich darunter. Dank Steuereffekten schafften die Bonner unterm Strich zum zweiten Mal in diesem Jahr schwarze Zahlen. Sie verdienten 42 Millionen Euro nach einem Verlust von 349 Millionen Euro. «Wir haben ein gleiches Potenzial im nächsten Quartal», sagte Finanzchef Hess. Die Kernkapitalquote verharrte bei 8,0 Prozent. «Wir gehören zu den wenigen Banken, die keine Staatshilfe gebraucht haben.»


Immer mehr Kreditausfälle
Die Vorsorge für faule Kredite stieg im dritten Quartal zwar weiter an, jedoch nicht so stark wie von Experten befürchtet. In der Wirtschaftskrise können immer mehr Schuldner ihre Raten nicht zahlen. Die Postbank-Kunden kamen ihren Verpflichtungen dabei noch vergleichsweise pünktlich nach. Finanzchef Hess begründete dies mit dem starken Geschäft in der Heimat. Anders als etwa in Grossbritannien oder den USA war der Häusermarkt hierzulande relativ stabil geblieben. Entsprechend stottern die Deutschen ihre Hypotheken pflichtbewusst ab. Von den risikoreichen gewerblichen Immobilienfinanzierungen will die Postbank künftig weitgehend die Finger lassen. Alte Verträge könnten die Bonner aber einholen. Auch die Postbank hatte Kredite in die Problemländer USA und Grossbritannien vergeben.


Marktanteil steigt
Ihren Marktanteil im Privatkunden-Geschäft konnte die Postbank weiter ausbauen: Die Einlagen kletterten im dritten Quartal auf ein Rekordniveau. Das Wertpapier-Geschäft zog erstmals seit längerer Zeit wieder an. Bei den Baufinanzierungen taten sich die Kundenberater mit neuen Abschlüssen indes schwer. Jüngst waren die Bonner ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil externe Berater auf die Girokonten von Postbank-Kunden blicken konnten. «Wir profitieren von der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank», sagte Finanzchef Hess. Die Institute verkaufen wechselseitig Produkte und versuchen, beim gemeinsamen Einkauf günstiger wegzukommen. Der Frankfurter Branchenprimus hält seit vergangenem Jahr mehr als ein Viertel an den Bonnern und wird spätestens in drei Jahren zum Mehrheitseigner. So sehen es die Verträge mit der früheren Postbank-Mutter Deutsche Post , die aktuell ebenfalls noch beteiligt ist, vor. Börsianer spekulieren seit Monaten, dass die Deutsche Bank schon früher zuschlagen könnte. (awp/mc/ps/16)

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