Rekord-Ölpreise heizen Diskussion um alternative Autoantriebe an

«Ich glaube langfristig an Wasserstoff», sagt BMW-Finanzvorstand Stefan Krause. «Es wird aber noch eine ganze Zeit vergehen, bis die Zeit in eine Wasserstoff-Ökonomie übergeht.»


Nicht auf das falsche Pferd setzen
Die deutschen Hersteller müssen schauen, dass sie in der Übergangszeit nicht auf das falsche Pferd setzen. Gerade beim Hybrid – eine Kombination aus Verbrennungsmotor und Elektroantrieb – haben Hersteller wie Toyota die Nase vorn. Bei den Hybrid-Verkäufen hinke Europa den USA und Japan hinterher, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der FH Gelsenkirchen. «Der Grund liegt zum einen in der starken Verbreitung des Dieselmotors, der in USA und Japan so gut wie nicht im Pkw-Markt vorzufinden ist.» Zudem gebe es keine A ngebote europäischer Hersteller.


«Zug verpasst»
Auch Autoanalyst Eric Heymann von der Deutschen Bank ist mit Blick auf die Hybrid-Technologie überzeugt: «Diesen Zug haben die Deutschen verpasst, der Vorsprung von Toyota ist immens.» Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) setzte erst vor kurzem in einem Ökoranking den Mittelklassewagen Toyota Prius mit Hybrid-Antrieb auf Platz eins. «Die deutschen Hersteller drohen den Anschluss bei Umwelttechnik zu verlieren», sagte VCD-Chef Hermann-Josef Vogt.


«Hybrid wird in Europa Nische bleiben»
Die deutschen Hersteller weisen die Kritik einmütig zurück. Sie verweisen unter anderem auf sinkende Flottenverbräuche in den vergangenen Jahren und auf ihre starke Position beim Thema Diesel. Der Hybrid habe nur in sehr speziellen Fahrsituationen Vorteile gegenüber einem modernen Diesel, sagt ein Volkswagen-Sprecher. «Der Hybrid wird in Europa Nische bleiben.» Volkswagen habe das Thema Hybrid sehr intensiv begleitet. «Wir wissen, warum wir ihn noch nicht eingeführt haben.» Falls sich die Technologie- oder die Marktlage aber ändere, könne der Konzern schnell reagieren. VW sehe mittelfristig aber eher Chancen für synthetisch hergestellte Kraftstoffe aus Biomasse. Auch BMW-Vorstand Krause betont mit Blick auf den Hybrid, derzeit gehe es im Vergleich zum gesamten Weltmarkt um sehr kleine Volumina. «Aber der Wettbewerb wird eines Tages da sein und dann werden auch wir dabei sein.»


Kraftstoff wird auch in den USA teurer
Anders als in Europa sieht die Lage in den USA aus, wo der Hybrid nicht gegen den Diesel antreten muss. Der Toyota Prius gilt gerade in Kalifornien als In-Fahrzeug. «Bereits im Jahr 2010 werden in den USA über 1,2 Millionen Hybrid-Fahrzeuge pro Jahr verkauft werden», ist Dudenhöffer überzeugt. Klar führend bei dieser Technologie ist auch nach seiner Einschätzung Toyota. Im Vergangenen Jahr verkaufte Toyota mehr als 50.000 Hybrid-Autos in den USA, auch Honda war stark vertreten. Die deutschen Hersteller hoffen aber weiterhin, dass der Diesel mit seinem im Vergleich zum Benziner niedrigeren Verbrauch noch eine Chance in den USA bekommt. «Auch die US-Amerikaner stellen fest, dass Kraftstoffe teurer werden», sagte der VW-Sprecher.


Zukunft gehört dem Wasserstoff
Langfristig dürfte die Zukunft dem Wasserstoff gehören, auch wenn heute noch unklar ist, wie dieser gewonnen werden wird und welche Technologie sich durchsetzt. «Das wird sicher noch 20 Jahre auf sich warten lassen», sagt der VW-Sprecher. Volkswagen setzt mit einem Touran HyMotion auf die Wasserstoff-Technologie in Verbindung mit einer Brennstoffzelle. Mercedes verweist auf 180 angemeldete Patente auf dem Gebiet der Brennstoffzellen -Technologie und hat Fahrzeuge weltweit im Einsatz. BMW ist dagegen mit seinem Forschungsfahrzeug H2R mit einem wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotor unterwegs. Opel wiederum sieht sich unter ander em stark bei Erdgas-Fahrzeugen. Entscheidend bei allen Herstellern wird sein, welche Angebote die Kunden annehmen. So hat der VCD kritisiert, dass VW den Drei-Liter- Lupo nicht mehr anbietet. Dazu heisst es bei dem Wolfsburger Autobauer, der Ruf nach dem Drei-Liter-Auto sei immer gross gewesen, die Nachfrage bei den Kunden aber klein. (awp/mc/gh)

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