René Probst, Country Manager Adobe Systems (Schweiz) GmbH

Von Helmuth Fuchs


Moneycab: Herr Probst, bald ist die erste Hälfte des Jahres vorbei. Welches Fazit ziehen Sie, wie stark hat die Wirtschaftskrise den Geschäftsgang der Adobe beeinflusst, wo werden Sie am Ende des Jahres 2009 bezüglich Umsatz und Anzahl Mitarbeiter stehen?


René Probst: Klar, die Wirtschaftskrise hat Adobe beeinflusst, wie so ziemlich jedes Unternehmen. Wir haben jedoch einen sehr stabilen Kundenstamm im Bereich der Kreativsoftware sowie noch viel erschliessbares Potential im Enterprise-Bereich. So ist uns das Geschäft nicht weggebrochen.



«Für Pictet wurde ein vollständig automatisiertes Management-Tool für die administrativen Abläufe geschaffen. Dieses ersetzt sämtliche Papierformulare – auch Ausdrucke von Lotus Notes – durch elektronische Formulare. Gleichzeitig wurde eine bessere Nachverfolgbarkeit von Dokumenten und verbesserte Abläufe in einem sicheren Umfeld erreicht.» René Probst, Country Manager Adobe Systems (Schweiz) GmbH


Der Finanzsektor ist auch bei Adobe Schweiz einer der wichtigsten Abnehmer. Wie wirken sich die Schwierigkeiten der Grossbanken auf Ihre Projektsituation aus? Kann Adobe in Zeiten erhöhten Kostendrucks durch Effizienzsteigerung und neue Lizenzierungsmodelle (Software as a Service) neue Projekte generieren?


Wir haben zurzeit viele Anfragen von Kleinbanken, die nun plötzlich viel mehr Kunden betreuen. Sie möchten ihre Prozesse neu aufsetzen und automatisieren, um an Effizienz zu gewinnen. Diesem Bedürfnis können wir mit Adobe LiveCycle und intelligenten Formularen begegnen. Mit unseren Produkten können Partnerunternehmen «Software as a Service»-Angebote entwickeln und anbieten. So hat beispielsweise Absolute Development einen gehosteten Formularservice ( www.formservice.biz ) auf Basis von Adobe LiveCycle entwickelt, mit dem einfache Formulare zu einem Fixpreis von CHF 500.- pro Formular erstellt und abgewickelt werden können. Dieser Service ermöglicht es auch kleinen Unternehmen von den Effizienzgewinnen mit intelligenten Formularen zu profitieren.


Da Kosten- und Zeitersparnis sowie ein schneller «Return on investment» (ROI) momentan zum Standard-Argumentarium bei neuen Projekten im Finanzsektor gehören, können Sie uns aus diesem Bereich einige Beispiele von gelungenen Projekten nennen?


Für Pictet wurde ein vollständig automatisiertes Management-Tool für die administrativen Abläufe geschaffen. Dieses ersetzt sämtliche Papierformulare – auch Ausdrucke von Lotus Notes – durch elektronische Formulare. Gleichzeitig wurde eine bessere Nachverfolgbarkeit von Dokumenten und verbesserte Abläufe in einem sicheren Umfeld erreicht.


Für eine Schweizer Grossbank hat der Adobe-Partner BSG-Group eine Lösung auf Basis von Adobe LiveCycle entwickelt, um die Medienbrüche bei der Hedge-Fund-Abwicklung zu eliminieren. Damit wird der gesamte Ablauf viel schneller und es werden viele Fehlerquellen vermieden. Die Lösung hatte einen «Return on Investment» von 3 Monaten.


Wie Sie sehen, gibt es gerade im Finanzsektor sehr viele Prozesse, die man automatisieren oder in die man die Kunden stärker einbinden könnte um die Effizienz zu erhöhen. Wenn Kunden so eingebunden werden, dass sie selber einen Nutzen daraus ziehen, arbeiten sie gerne mit. Wenn Sie beispielsweise einen Kreditkartenantrag machen wollen, füllen Sie heute ein Papier-Formular aus. Dieses wird danach eingescannt und archiviert. Jemand in der Bank tippt es ab und die Daten durchlaufen die internen Prozesse. Statt dessen könnte die Bank direkt auf der Webseite ein intelligentes Formular für Kreditkartenanträge bereitstellen. Dieses liesse sich elektronisch ausfüllen, die Daten validieren, es liesse sich auf dem Computer abspeichern und elektronisch an die Bank übermitteln. Die Bank kann die Daten direkt in ihre internen Systeme übernehmen. Der Prozess wird schneller, die Fehlerquote verringert sich und der Kunde erhält seine Kreditkarte schneller.



«Gerade in der aktuell wirtschaftlich schwierigen Zeit nimmt die Nachfrage nach Webkonferenzlösungen zu. Es können damit nicht nur Kosten gespart, sondern auch Sitzungen unabhängig von der Wettersituation oder Reisemöglichkeiten abgehalten werden.»


Im Massenmarkt bieten Sie mit Acrobat.com eine Webplattform zum kostenlosen Erstellen und abspeichern von PDF-Dokumenten. Wie beurteilen Sie den Bedarf dafür, wenn Microsoft und OpenOffice für Ihre Suiten die PDF Erstellung schon integriert haben und Microsoft mit Windows Live einen ganzen Workspace kostenlos zur Verfügung stellt?


Acrobat.com kann viel mehr als das: Acrobat.com beinhaltet mit Buzzword ein Textverarbeitungs- Programm, eine Funktion für Live-Meetings, einen PDF-Generator und Acrobat.com ist auch eine Plattform um Dokumente abzuspeichern, auszutauschen und freizugeben. Das ganze über das Internet und sehr benutzerfreundlich.


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Mit der Plattform Acrobat Connect Pro bieten Sie eine umfassende Lösung für Webkonferenzen an, inklusive Video, Chat und Whiteboard. Auch dies eine hervorragende Möglichkeit Kosten zu sparen (Reisekosten, Raummiete?). Weshalb hat man von diesem Angebot bisher noch sehr wenig gehört und wie schätzen Sie die Akzeptanz von Webkonferenzen im Schweizer Markt ein?


Gerade in der aktuell wirtschaftlich schwierigen Zeit nimmt die Nachfrage nach Webkonferenzlösungen zu. Es können damit nicht nur Kosten gespart, sondern auch Sitzungen unabhängig von der Wettersituation oder Reisemöglichkeiten abgehalten werden. In der Schweiz sind aufgrund der Kleinräumigkeit der persönliche Kontakt und der Händedruck noch sehr wichtig. Doch die Nachfrage nach Webkonferenzlösungen steigt auch hier stetig.


Den Kern der neuen Lösungen wie ConnectPro und Buzzwords bildet Adobe Flash. Gemäss Angaben von Adobe hat Flash mittlerweile eine Marktdurchdringung von 98 Prozent. Ab wann dürfen sich auch die iPhone Benutzer über Flash Unterstützung von Apple freuen?


Eine iPhone-Version von Flash zu machen liegt nicht nur in unserer Hand, sondern bedarf auch der Mitarbeit von Apple, um sie auf dem iPhone lauffähig zu machen.


Ein riesiges Potential zur Vereinfachung und Beschleunigung von Arbeitsabläufen liegt darin, vorhandene Formulare elektronisch mit interaktiven Elementen anzureichern. Vor allem Behörden und Staatsstellen könnten in der Kommunikation mit den Bürgern hier eine Vorreiterrolle spielen. Wie weit sind wir hier in der Schweiz und welche konkreten Projekte hat Adobe hier schon umsetzen können?


Im Bereich der Behörden und Verwaltungen liegt noch ein riesiges Potential. Leider gibt es noch sehr wenig Behörden, die einen echten virtuellen Schalter haben, und ihren Bürgern damit einen Mehrwert bieten. Doch es gibt auch in der Schweiz innovative Projekte. So erstellt das Departement Bildung, Kultur und Sport des Kanton Aargau neu seine Zeugnisse auf Basis intelligenter PDFs, die ohne Schulungsaufwand in einer äusserst heterogenen Systemumgebung genutzt werden. Und der Kanton Luzern hat sich entschieden die Baugesuche in Zukunft mittels unserer Workflow Lösung LiveCycle elektronisch zu bearbeiten.


Eine Kernfrage im elektronischen Verkehr ist diejenige der Sicherheit? Welche Konzepte bietet Adobe an, um eine möglichst hohe Sicherheit im Austausch von Dokumenten und Informationen zu gewährleisten?


Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten. Ein PDF Dokument, erstellt mit Acrobat, kann elektronisch mit einem Passwort vor Zugriff gesichert werden und lässt sich auch komplett verschlüsseln. Zertifikate bieten zusätzlich eine weitere Sicherheitsstufe. Schliesslich kann mit Hilfe des Rights Management von LiveCycle auch der Zugriff und die Validität des Dokuments überprüft und sogar gesteuert werden, so dass beispielsweise auch bereits verteilte Dokumente nachträglich gesperrt werden können, wenn das notwendig sein sollte. Oder sie können ein «Verfallsdatum» für ein Dokument anlegen, so dass es sich nach einem Stichtag nicht mehr öffnen lässt.



«Die Schweiz ist für Adobe ein besonders interessanter Markt, da sie ein Hightech-Land ist. Wir haben eine sehr hohe Quote an Dienstleistungsbetrieben und die sind IT-intensiv.»


Nebst der Sicherheit ist bei rechtlichen Dokumenten auch die Frage der Verbindlichkeit entscheidend. Wo stehen wir in der Schweiz bezüglich der Rechtsgültigkeit von elektronischen Unterschriften?


Am 1. Januar 2005 trat das schweizerischen Bundesgesetzes über die elektronische Signatur in Kraft. Damit werden unter bestimmten Bedingungen die elektronische Signatur und die handschriftliche Unterschrift als gleichwertig betrachtet. Swisscom Solutions, die Schweizerische Post und auch QuoVadis bieten  die qualifizierte elektronische Signatur für Privatanwender an. Es handelt sich um eine beglaubigte, elektronische Unterschrift, die auf der Basis einer Public Key Infrastructure (PKI) funktioniert. Der Empfänger der elektronisch signierten Datei kennt dadurch die Identität des Absenders, auch werden nachträgliche Änderungen am Dokument erkannt. Leider ist der Prozess noch verhältnismässig aufwändig, so dass sich die elektronische Unterschrift noch nicht in der breiten Masse durchgesetzt hat. Mit dem Adobe Reader besteht jedoch bereits jetzt die Möglichkeit ein Dokument elektronisch zu signieren, dies ist jedoch nur bedingt rechtsverbindlich. Für die Rechtsverbindlichkeit wird eine SmartCard und ein externer Card Reader benötigt.


Im Bereich der Automatisierung und Verbesserung von Arbeitsabläufen spielt das Internet mit einfachen Webapplikationen eine immer grössere Rolle. Wo liegen die signifikanten Unterschiede von einfachen, selbst entwickelten Webapplikationen und Formular-Anwendungen von Adobe?


Bei Webapplikationen ist die Abbruchrate oft leider sehr hoch. Zudem lässt sich das Eingegebene nicht speichern und nicht offline verfügbar machen. Haben Sie einmal alles eingegeben und müssen dann unterbrechen, verlieren Sie bei vielen Anwendungen alle bereits eingegeben Daten. Dies birgt hohes Frustrationspotential. Intelligente Formulare können auch offline verfügbar gemacht, gespeichert, eingesendet und archiviert werden. Für das Unternehmen bieten sich die Vorteile der Validierung der Daten sowie der Anbindung an interne Prozesse. Ausserdem können die PDF-Formulare rechtssicher archiviert werden.


Gemessen an Umsatz dürfte die Schweiz innerhalb des Adobe-Konzerns zu den kleineren Ländern gehören. Wie sieht es hinsichtlich des Einsatzes neuer Technologien und Lösungen aus, gibt es Bereiche, in denen die Schweiz eine Vorreiter-Rolle spielen kann?


Die Schweiz ist für Adobe ein besonders interessanter Markt, da sie ein Hightech-Land ist. Wir haben eine sehr hohe Quote an Dienstleistungsbetrieben und die sind IT-intensiv. Gerade im Enterprise-Bereich hat Adobe in der Schweiz noch hohes Wachstumspotential.


Sie konnten bei der Microsoft Schweiz auf die Infrastruktur und Leistungen eines Marktführers zählen. Was hat Sie gereizt, bei Adobe in einem viel kleineren Unternehmen die Verantwortung zu übernehmen?


Bei Bill Gates leuchteten jeweils die Augen, wenn es um Usability ging, bei mir ist das auch so. Adobe macht vor, wie man zwischen dem Benutzer und internen Systemen eine Brücke schlägt. Das ist was Adobe so spannend macht. Ich liebe Technologie und möchte helfen die Informatik den Menschen zu erklären und näher zu bringen.


Zum Schluss des Interviews haben Sie noch zwei Wünsche frei. Wie sehen diese aus?


Dass wir trotz der allgegenwärtigen Krise unsere Werte nicht vernachlässigen und dass wir als Bewohner eines «Diensleitungslandes» die neuen innovativen Technologien zu unserem Nutzen einsetzen.






Über René Probst
René Probst (51) ist Geschäftsführer der Adobe Systems (Schweiz) GmbH. Er treibt dort vor allem den Bereich des Enterprise-Business voran.
Der erfahrene IT-Manager und diplomierte Elektro- und Betriebsingenieur war davor bei Oracle, wo er als Director der Technology Sales Business Unit das Datenbank- und Middleware Business sowie bei Microsoft, wo er die zentralen Bereiche des Grosskundengeschäfts, die Zusammenarbeit mit den Schweizer Handelspartnern sowie die Betreuung der Kunden im Industrie- und Handelssegment verantwortete.


Über Adobe Systems
Adobe revolutioniert unseren Umgang mit Ideen und Informationen – zu jeder Zeit, an jedem Ort und durch unterschiedliche Medien. In der Schweiz ist die Adobe Systems (Schweiz) GmbH in Zürich für Vertrieb, Marketing und Kundenbetreuung zuständig. Weitere Informationen sind unter www.adobe.ch abrufbar.

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