Richard Fritschi CEO Ypsomed Holding AG

Radovan Milanovic


Moneycab: Der Geschäftsbericht 2007/2008 beweist, dass Sie den Turnaround geschafft haben. Wohl nahm der Nettoerlös nur um 3.6%, doch die Steigerung des Bruttogewinns um 40.4% auf 90.2 Millionen Franken und eine Verbesserung der EBIT-Marge auf 10.8% sprechen eine klare Sprache. Trotz dem glänzenden Resultat haben Sie Ihre Forschungsausgaben um 22.8% auf über 31.2 Millionen Franken steigern können. Kann der Anleger auch in diesem Jahr mit ähnlichen Vorgaben rechnen?


Richard Fritschi: Wir erwarten für das Geschäftsjahr 2008/09 – auf Grund rückläufiger Bestellmengen von Sanofi-Aventis bei den bestehenden Pen-Systemen OptiPen Pro, OptiSet und OptiClik – einen Umsatz leicht über dem Vorjahresniveau und auf Stufe Betriebsgewinn ebenfalls eine leichte Verbesserung der EBIT-Marge, abhängig vom Produkte-Mix und der Höhe der Lizenzeinnahmen. Gleichzeitig werden wir weiterhin hohe Beträge in die Forschung und Entwicklung investieren, u.a. auch für den strategisch wichtigen Langzeitinjektor.


Was ist Ihre Strategie für die nächsten Jahre?


Wir sind wir in zahlreichen Wachstumsmärkten tätig, denn die weltweite demografische Entwicklung und der gesellschaftliche Wandel in Bezug auf unsere Lebensweise führt zu einer steigenden Zahl von Patienten, deren Lebensqualität wir durch unsere Produkte entscheidend verbessern können. Der technologische Fortschritt ermöglicht die effektive Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten, verlangt aber nach kostengünstigen Verabreichungsformen, was wiederum den Trend zur Selbstmedikation begünstigt. Der Diabetesmarkt wird in den kommenden Jahren stark wachsen und bietet damit ein grosses Potential. Ypsomed verfolgt eine klare Strategie und ist die weltweit führende, unabhängige Anbieter von Injektionssystemen und die drittgrösste Herstellerin von Pen-Nadeln. Ypsomed ist zudem im Diabetes Direktgeschäft in Deutschland aktiv und will in Zukunft ihre Position als wichtiger Anbieter von Diabetesbedarf weiter ausbauen.


Ihre Forschungsausgaben sind, gemessen am Umsatz, auf hohem Niveau. Wie dürften Ihre Produkte der Injektionssysteme in Zukunft aussehen?


Ypsomed wird auch künftig eigen entwickelte Technologieplattformen gezielt zur Marktreife bringen und selbst oder mit Partnern vermarkten. Zudem sind wir daran unseren Langzeitinjektor weiter zu entwickeln. Ein Langzeitinjektor wird am Körper getragen und gibt kontinuierlich Insulin ab. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass eine frühzeitige Behandlung mit Insulin und eine möglichst bedarfsgerechte Dosierung deutlich bessere Therapieresultate bringen und dabei schwerwiegende Langzeitschäden wie Blindheit, Nierenschäden oder Herzkrankheiten vermieden werden können. Mit dem Langzeitinjektor arbeitet Ypsomed genau hier an einem neuen Verabreichungsgerät.


Welche Vorteile hat der Langzeitinjektor im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten, zum Beispiel jene von Disetronic, beziehungsweise Roche?


Die Herausforderung ist, ein preiswertes System zu entwickeln, das einfach zu bedienen ist, sonst machen die Krankenkassen nicht mit. Die heutigen Insulinpumpen richten sich an Typ 1 Diabetiker und sind sehr teuer und kompliziert in der Anwendung, so dass ein hohes Mass an Schulung notwendig ist.


Sie konnten die Streitigkeiten mit den Hauptkunden, Sanofi-Aventis beilegen und gar noch einen neuen Produktions- und Liefervertrag für den Einweg-Pen SoloStar von Sanofi-Aventis unterzeichnen. Dank diesem Hauptkunden – mit einem Umsatzanteil von 40%? – dürfte die Profitabilität weiter steigen. Ist die Abhängigkeit eines Hauptkunden nicht sehr risikoreich? Was tun Sie, um diese Abhängigkeit abzufedern?


Die Abhängigkeit ist sicher gegenseitig und Ypsomed ist in den letzten Jahren dank der langjährigen Partnerschaft mit Sanofi-Aventis sehr stark gewachsen. Wir sehen jedoch mit dem Know-how unserer Mitarbeitenden, mit patentengeschützten Innovationen und einem breiten Produkt- und Service-Portfolio Möglichkeiten, die Umsatzbasis weiter zu diversifizieren. Ypsomed hat zahlreiche Verträge abgeschlossen, so dass wir in rund zwei Jahren mit einem Wachstumsimpuls auf einer breiteren Kundenbasis rechnen. Wir haben mit der Akquisition von Florian Müller im letzten Jahr unser Diabetes-Direktgeschäft deutlich ausgebaut und erweitern derzeit unsere Pen-Nadel Produktion in Solothurn um ein Vielfaches. Die Industrialisierung des SoloStar Pens wird zudem 18 bis 24 Monate beanspruchen, so dass wir davon ausgehen, dass Sanofi-Aventis in Zukunft einen Umsatzanteil von 20-30% ausmachen wird.



«Obwohl heute teilweise ein Trend hin zur Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer besteht, hat sich Ypsomed entschieden, die Produktion in der Schweiz weiter zu führen» Richard Fritschi CEO Ypsomed Holding AG


$$PAGE$$

Seite 2

Sie bleiben der Hauptlieferant von Pen-Infektionssystemen für Sanofi-Aventis, wobei der deutsch-französische Pharmakonzern die Zusammenarbeit verstärken will. Könnte der Konzern gar Interesse an Ypsomed gezeigt haben?


Nein, das ist nicht in der Strategie von Sanofi-Aventis.



«China ist ein Markt mit einem riesigen Potenzial. Gemäss WHO-Statistik wird sich in China die Anzahl Menschen mit Diabetes von aktuell rund 40 Millionen auf 60 Millionen bis 2025 um 50% zunehmen.»


Sie produzieren Ihre Produktpalette ausschliesslich in der Schweiz. Da Sie Ihre Verkäufe nach Indien, Malaysia, Singapur und Iran ausgebaut haben, drängt sich die Frage nach lokalen Produktionszentren auf. Sind diese in Zukunft, auch im Sinne von Rentabilitätsgründen, vorstellbar? Würde sich speziell in Indien mit einer Wachstumserwartung von 35% eine solche Entwicklung nicht aufdrängen?


Die Schweiz ist in der Medizintechnik weltweit führend, verfügt sie doch über eine lange Tradition in Mikrotechnologie, Engineering und Präzisionsarbeit. Das anerkannte Technologie-Know-how und Fachwissen, kombiniert mit einer genauen und sorgfältigen Arbeitsweise mit «Schweizer Qualität», sind ideale Voraussetzungen für Ypsomed und die Medizintechnikbranche. Obwohl heute teilweise ein Trend hin zur Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer besteht, hat sich Ypsomed entschieden, die Produktion in der Schweiz weiter zu führen. Alle von Ypsomed hergestellten Produkte sind hochwertig und anspruchsvoll. Unsere Pharma-Partner verlassen sich dabei auf die Zuverlässigkeit und die hohe Qualitätsstandards der Ypsomed-Produkte. Kommt hinzu, dass die Herstellung der Millionen von Pen-Systemen sehr kapitalintensiv ist und weitgehend automatisiert werden kann, so dass sich die hohe Produktivität der Schweiz bezahlt macht.


In China wurden 9 Patente erteilt. In welchem Umfang ist Ypsomed im chinesischen Markt vertreten? Ist eine Vertretung geplant? Mit welchen Wachstumsaussichten rechnen Sie in China?


China ist ein Markt mit einem riesigen Potenzial. Gemäss WHO-Statistik wird sich in China die Anzahl Menschen mit Diabetes von aktuell rund 40 Millionen auf 60 Millionen bis 2025 um 50% zunehmen. In China arbeitet Ypsomed seit über zwei Jahren mit dem grössten chinesischen Insulinhersteller Dongbao zusammen, der den Ypsopen unter dem Namen Dongbao Pen für seine eigenen Insuline sowie mit unseren Pen-Nadeln vermarktet. Die Eröffnung einer eigenen Tochtergesellschaft ist derzeit nicht konkret geplant.


Inwiefern tangieren Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen der industrialisierten Länder den Absatz von Ypsomed Produkte oder die Gewinnmarge von Ypsomed?


Wir sind in Märkten mit hohen Wachstumsraten tätig und der Absatz ist von den Kosteneinsparungen nicht betroffen. In Bezug auf die Gewinnmargen werden wir unser konsequentes Kostenmanagement weiterführen und die operativen Kosten unterproportional erhöhen.


In den USA wollen beide Präsidentschaftskandidaten, Obama und McCain, die Kosten im Gesundheitswesen in grossem Masse eindämmen. Ypsomed sieht jedoch im US-Markt einen der grössten Wachstumsmärkte. Was dürfte die Anwendung dieser Sparpolitik auf Ypsomed für Auswirkungen haben?
&
Wir erwarten keinen negativen Einfluss, zumal die Details einer solchen neuen Gesundheitspolitik derzeit noch gar nicht bekannt sind. Ypsomed sieht in den USA in der Tat einen Wachstumsmarkt und ist mit zahlreichen Pen-Systemen, wie beispielsweise dem Symlin-Pen, OptiClik-Pen, den beiden Nutropin Pens für Wachstumshormon-Therapie und den patentierten click-on Pen-Nadeln sehr erfolgreich. 


Die soliden Finanzkennziffern und liquide Mittel von 58.3 Millionen Franken lassen auf weitere Expansionspläne – in Asien? – schliessen. Trifft dies zu?


Ypsomed ist sehr solide finanziert, hat mit 65.4% eine hohe Eigenkapitalquote und keine Bankschulden. Wir verfolgen Akquisitionen im Rahmen unserer Strategie aktiv, sind aber sehr anspruchsvoll und selektiv. Die Akquisition von Florian Müller war ein wichtiger Schritt im Diabetes-Direktgeschäft in Deutschland und war dank einer raschen Integration mit DiaExpert sehr erfolgreich. Der Diabetes-Markt wächst vor allem in den asiatischen Ländern in den kommenden Jahren sehr stark. Ypsomed wird auch in Asien expandieren, aber eher nicht über Akquisitionen. Mit dem Auf- und Ausbau des Pen-Nadel-Geschäfts im asiatischen Raum will Ypsomed mittel- bis langfristig vom attraktiven Wachstumsmarkt profitieren und sich bei lokalen Insulinanbietern sowie bei Pharma- und Biotech-Unternehmen als führender, unabhängiger Partner von Pen-Systemen etablieren.


Ypsomed Aktien sind mit dem 26-fachen des erwarteten P/Es 2009 und des 2.6-fachen Buchwertes auch im Hinblick auf das künftige Gewinnwachstum im Vergleich zu anderen schweizerischen Medizinaktien wie Synthes oder Nobel Biocare teuer bewertet. Bestimmt spielt bei der Kursfindung auch der tiefe Freefloat von rund 29% eine Rolle. Wie bewerten Sie diese Feststellung?


Wir kommentieren den Aktienkurs grundsätzlich nicht. Ypsomed verfügt mit Dr. h.c. Willy Michel über einen starken Hauptaktionär mit einer langfristigen und unternehmerischen Ausrichtung. Das gibt uns viel Stabilität und Sicherheit, um unsere Strategie umzusetzen.





Der Gesprächspartner:
Richard Fritschi, CEO, bei Ypsomed seit September 2006, vorher während mehrerer Jahre im Medizintechnikbereich tätig, so als Präsident Europa/Australasien Zimmer GmbH, Winterthur, Präsident Europa/Asien/Südamerika bei Sulzer Orthopädie/Sulzermedica, Verkaufsleiter Sulzer Orthopädie/ Sulzermedica. Zu Beginn seiner Berufstätigkeit arbeitete er im Finanzbereich (zuletzt als Finanzleiter Allo Pro/Sulzer Orthopädie und während längerer Zeit in England und Frankreich. Ausbildung: Dipl. Kaufmann/Controller SIB sowie Advanced Management Program «The General Management» an der Harvard Business School in Boston.


Das Unternehmen:
Ypsomed ist eine Medizintechnik-Firma, die Injektions-Pens für Pharma- und Biotechunternehmen herstellt. Nach eigenen Angaben ist man die weltweit drittgrösste Anbieterin im Bereich Pen-Nadeln und die Nummer 1 in Deutschland im Diabetes Direkthandel. Ypsomed verfügt in den Bereichen Selbstmedikation, Pen-Systeme und Autoinjektoren-Technologie über 220 Patentfamilien mit erteilten Patenten und Patentanmeldungen in zahlreichen Ländern. Die Ypsomed Gruppe hat ihren Hauptsitz in Burgdorf/Schweiz und beschäftigt über 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an mehreren Produktionsstandorten in der Schweiz sowie in einem europäischen Verkaufs- und Vertriebsnetz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.