Rieter mit Gewinneinbruch im Halbjahr

Der Umsatz ging um 6% auf 1’806,6 (VJ 1’920,1) Mio CHF zurück (Lokalwährungen -3%), wobei sich die Unternehmensleistung um 8% auf 1’742,8 (1’897,8) Mio CHF reduzierte. Der Bestellungseingang fiel um 32% auf 1’559,3 (2’297,7) Mio CHF (LW -30%) zurück, wie der Maschinenbauer und Autozulieferer am Mittwoch mitteilt. Der operative Gewinn auf Stufe EBIT nahm um 49% auf 68,9 (135,8) Mio CHF ab und der Reingewinn um 65% auf 40,8 (116,7) Mio CHF. Die EBIT-Marge verringerte sich dabei auf 4,0 (7,2)%. Der EBIT vor Sonderbelastungen hat bei 88,9 Mio CHF gelegen.


Gewinnerwartungen deutlich verfehlt
Damit hat Rieter die Erwartungen der Analysten mit dem Umsatz und dem Auftragseingang klar übertroffen, mit den Gewinnzielen jedoch ebenso klar verfehlt. Der AWP-Konsens für den Umsatz lag bei 1’712 Mio CHF, für den Auftragseingang bei 1’715 Mio CHF, für den EBIT bei 86 Mio CHF und für den Reingewinn bei 71 Mio CHF. Allerdings hatten die Analysten in ihre Berechnungen keine Sonderkosten hineingerechnet. Die Abkühlung der asiatischen Textilmärkte, der Rückgang der Automobilproduktion in Nordamerika sowie die «massive» Steigerungen der Rohstoff-, Energie- und Transportkosten hätten sich negativ auf Bestellungseingang, Umsatz und Ergebnis ausgewirkt, schreibt Rieter. Die Marktposition sei aber behauptet worden.


Textile Systems mit markant tieferer Nachfrage
Der Einbruch des Bestellungseingangs um rund 30% sei vor allem auf den markanten Nachfragerückgang der Division Textile Systems zurückzuführen. Der schwächere Geschäftsgang im zweiten Semester 2007 sowie der Einbruch der Nachfrage im ersten Semester 2008 liessen auch den Umsatz schrumpfen. Ausgeprägte Nachfragezyklen seien für den Textilmarkt zwar typisch, doch der aktuelle Abschwung sei auch unter branchenspezifischen Gesichtspunkten signifikanter als in den bisherigen Zyklen. Der Bestellungseingang von Textile Systems verringerte sich gegenüber dem Vorjahr um 61% auf 417,3 Mio CHF, wobei davon vor allem die Stapelfasermaschinen betroffen waren, und der Umsatz um 6% auf 664,7 Mio CHF. Das Betriebsergebnis, in welchem ein Devestitionsgewinn von 2,6 Mio CHF enthalten ist, fiel auf 55,4 (93,7) Mio CHF zurück, entsprechend einem Rückgang der EBIT-Marge auf 8,8% von zuvor 13,0%.


Ausbau in Indien und China
Um die negativen Auswirkungen des Volumenrückgangs zu reduzieren, sei bereits eine Reihe von Massnahmen eingeleitet worden, vor allem im personellen Bereich. Um die höheren Kosten zu decken, sollen aber auch die Preise erhöht werden. Trotz der zyklischen Abschwächung zeigt sich Rieter «von den grossen Chancen des asiatischen Textilmarktes überzeugt». Die Produktionsstätten in Indien und China werden deshalb weiter ausgebaut, wenn auch mit reduziertem Tempo. Für das zweite Semester rechnet Rieter indes mit einem Umsatzrückgang gegenüber dem ersten Halbjahr um 20% und auch mit einer weiteren Reduktion der Gewinnmarge.


Schwächelndes Nordamerika-Geschäft bei Rieter Automotive
Die zweite Division, Rieter Automotive, verzeichnete einen Umsatzrückgang um 6% auf 1’141,9 Mio CHF (LW -1%). Die Märkte Westeuropa uns Japan hätten dabei stagniert, während China, Osteuropa und Südamerika zweistellige Zuwachsraten hingelegt hätten. Ins Gewicht fiel der Rückgang in Nordamerika um 12%. Mittlerweile seien dort auch die japanischen Hersteller, bei denen Rieter eine starke Stellung habe, vom Rückgang betroffen, wenn auch nicht in gleichem Masse wie die grossen drei US-Produzenten. Das Betriebsergebnis von Rieter Automotive fiel auf 18,6 (47,3) Mio CHF zurück, die Marge erreicht noch 1,7%, nach 4,4% im Vorjahr.


Sonderkosten
Das Betriebsergebnis wurde indes mit Sonderkosten von 20 Mio CHF belastet, hauptsächlich für Kapazitätsanpassungen und Kostensenkungsmassnahmen an Standorten in Westeuropa und Nordamerika. Die operative Marge ohne die Sonderkosten liegt bei 3,5%. Rieter hat auch in dieser Division Massnahmen zur Verbesserung der Kostenstruktur eingeleitet. So sollen der Materialverbrauch und die Einkaufspreise gesenkt sowie der Personalbestand in den Hochlohnländern reduziert und die Preise erhöht werden. Für das zweite Semester erwartet Rieter einen Umsatzrückgang gegenüber dem ersten Halbjahr von rund 10%. Der Volumeneffekt sollte dank Massnahmen auf der Kostenseite die Betriebsmarge vor Sonderbelastungen nicht belasten.


Reduktion des weltweiten Mitarbeiterbestands um 15 Prozent
Das eingeleitete Restrukturierungsprogramm für beide Divisionen, welches das Ergebnis des ersten Semester bereits mit 20 Mio CHF belastet hat, soll insgesamt rund 225 Mio CHF kosten und zum grossen Teil noch im Geschäftsjahr 2008 verbucht werden. Die Kapazitätsanpassungen werden zu einer weltweiten Reduktion des Mitarbeiterbestandes um 15% führen, im Wesentlichen aber in Nordamerika und in Westeuropa. Entlassungen sind dabei nicht ausgeschlossen.


Finanzielle Ziele bekräftigt
Die Kosten sowohl des Ausbau- als auch des Restrukturierungsprogramms will Reiter mit eigenen Mitteln bestreiten. Ziel des Programms sei es, die operative Marge vor Sonderbelastungen «bereits» 2009 wieder zu verbessern, Rieter für die nächste Wachstumsphase zu stärken sowie die Basis zu schaffen, für die Erreichung der finanziellen Ziele im Konzern. Diese lauten unverändert 5% Umsatzwachstum, 8% EBIT-Marge und 5% Reingewinnmarge. (awp/mc/ps/04)

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