Rolf G. Schmid, CEO Mammut Sports Group AG

Von Jolanda Lucchini


Herr Schmid, während die Umsätze vieler Schweizer Unternehmen sanken, konnten Sie zulegen. Ist die Mammut Sports Group so stark, dass sie nichts umwerfen kann?

Momentan sind wir krisenresistent und spüren noch keine Auswirkungen der Krise. Uns ist aber bewusst, dass es auch uns negativ beeinflussen kann, wenn die Krise einen stärkeren Einfluss auf das Konsumklima haben wird, sich die Zinslandschaft verändert, die Arbeitslosigkeit weiter zunimmt und die Konsumenten über weniger Geld verfügen.


Seit Jahren wächst der Nettoumsatz von Mammut kontinuierlich, 2008 um 8,8 Prozent auf 192,6 Millionen. Die Marke Mammut verzeichnete gleichzeitig ein Plus von 16 Prozent . Werden Sie diese Resultate 2009 erneut übertreffen?

In den ersten acht Monaten dieses Jahres erhöhten wir den Umsatz zum Vorjahr um 15.5% auf 129,2 Mio. CHF. Daher erwarten wir für den Gesamtjahresumsatz ebenfalls eine Steigerung zum Vorjahr.


Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?

Verschiedene. Die Konsumentenstimmung in den für Mammut wichtigen Outdoormärkten Schweiz und Deutschland, aber auch Österreich und England war trotz Wirtschaftskrise gut. Ein besonders starkes Wachstum konnte in den Märkten Korea und Japan erzielt werden, wo sich Mammut vermehrt engagiert und die Marke auf positive Resonanz stösst.


Über 70 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Mammut im Ausland. Gab es auch Märkte, die weniger gut liefen als andere Jahre ? und weshalb?

In Märkten mit einem sehr starken währungsbedingten Preissturz wie etwa in Osteuropa und Australien haben wir gegenüber dem Vorjahr verloren.


«In den ersten acht Monaten dieses Jahres erhöhten wir den Umsatz zum Vorjahr um 15.5% auf 129,2 Mio. CHF.» 


Wie wichtig ist das bevorstehende Winter- und Weihnachtsgeschäft für Ihren Gesamtumsatz? Welche Faktoren werden das Weihnachts- resp. Wintergeschäft von Mammut beeinflussen ? und auf welche Art?

Das Winter- und Weihnachtsgeschäft hat einen bedeutenden Anteil an unserem Umsatz, wobei unser Sommer- und Wintergeschäft sich in etwa die Waage hält. Wie wir im vergangenen Winter gesehen haben, spielt das Wetter eine sehr grosse Rolle und ist ein wichtiger Faktor zum Erfolg. Im vergangenen langen und kalten Winter 2008/09 lief das Geschäft trotz der Wirtschaftskrise sehr gut. Daher hoffen wir, dass auch dieses Jahr der Winter sehr bald kommt und viel Schnee bringt.


Wie fällt die Ski- und Snowboard-Bekleidung, die Mammut seit einiger Zeit ebenfalls anbietet, umsatzmässig ins Gewicht?

Mammut ist eine Bergsportmarke und unser Markenversprechen «Absolute Alpine» setzen wir auch in unserer Kollektion um. Wir haben seit vielen Saisons eine hochwertige Snowbekleidungskollektion, die über die Jahre an Bedeutung gewonnen hat. Das Kerngeschäft ist aber unser Bergsportsortiment mit Alpin-, Wander- und Kletterausrüstung geblieben. Diese Kollektionen bieten wir das gesamte Jahr an, sie machen den grössten Teil des Umsatzes aus. Viele Teile aus dem Bergsportsegment werden auch auf der Skipiste getragen, da sie multifunktional einsetzbar sind.


Nach Basel, Tokio und Berlin hat Mammut im Juni 2009 in Zürich seinen bisher grössten Flagship-Store eröffnet. Wie zufrieden sind Sie bisher mit dessen Umsatz?

Unser Franchisepartner und wir sind sehr zufrieden mit den bisherigen Umsätzen, die stark über unseren Erwartungen liegen. Die hervorragende Lage an der Löwenstrasse, die Ladengrösse und das Verkaufsteam sind hier sicher die Schlüsselfaktoren für den Erfolg.


Geplant sind per Ende Jahr weitere Shops in Bern, Luzern und im deutschen Regensburg, gleich mehrere Shop-Eröffnungen stehen in Japan an. Will Mammut künftig weiter in diesem Ausmass expandieren?

Ja, wir wollen in den kommenden Jahren weitere Monobrandstores eröffnen. Ziel ist es einerseits, unser breites Sortiment in unserem Marken-Umfeld zu zeigen. Das heisst, neben einer einheitlichen Einrichtung in Corporate Design wird auch die Kollektion so in den Farbwelten und Bildern dargestellt, wie wir sie sehen. Andererseits ist es uns sehr wichtig, dass unsere Endkonsumenten an einem Standort das gesamte Sortiment kaufen können. Alle unsere Stores werden als Franchisebetriebe mit verschiedenen Partnern geführt.


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Wie steht es mit dem Interesse für Märkte wie Russland, Indien oder Südamerika? Sehen Sie dort für Mammut auch Potenzial?

In Indien und Südamerika vorläufig nicht, da wir diese Ländern nicht als Outdoormärkte sehen. Russland hat eine gewisse Affinität zu Outdoor. Der Vertrieb im russischen Markt ist allerdings sehr anspruchsvoll.


Ende Oktober wurde Mammut mit dem Preis der Schweizerischen Gesellschaft für Marketing ausgezeichnet. Gelobt wurde vor allem die neue Website und die aktuelle Werbekampage «Mammut Testevent», in welche zahlreiche Mammut-Kunden einbezogen wurden. Welche Idee steckt hinter dieser Kampagne?

Sie hat verschiedene Facetten. Zum einen wollen wir mit den ungewöhnlichen Bildern überraschen. Sie zeigen eine grosse Ansammlung von Menschen, die als Gesamtbild eine spezielle Form in der Bergwelt darstellt. In der aktuellen Kampagne sehen Sie 200 Personen, die in Form eines Dreiecks einen Tiefschneehang herunterfahren. Obwohl die Motive oft aussehen als seien es Fotomontagen, handelte es sich immer um reale Begegnungen.

Und das ist der zweite, der interaktive Teil der Kampagne. Um diese Bilder zu produzieren laden wir je nach Sujet zwischen 50 und 250 Kunden ein, die sich über unsere Onlineplattform bewerben können. Während der zweitägigen Mammut Testevents finden neben dem Shooting noch weitere Aktivitäten wie Workshops zum Thema Sicherheit am Berg, Sportaktivitäten und eine Party statt. 


Mammut, ursprünglich eine der Marken für ambitioniertes Bergsteigen und Klettern, ist inzwischen bei einer sehr breiten Kundschaft populär. Das ist gut für den Umsatz. Und fürs Image?

Der Alpinsport nach wie vor unser Aushängeschild, wir stellen die hochwertige Ausrüstung dafür her. Trotzdem möchten wir auch die breiteren Schichten ansprechen, also auch jene, die lieber auf 1000-Meter-Bergwanderungen wollen oder in die Kletterhalle gehen. Auch eine Autofirma stellt vorzugsweise ihre Rennwagen in den Vordergrund, bietet aber Modelle an, die breitentauglicher und «konsumiger» sind.


«Gerade in schlechten Zeiten setzen die Leute eher auf bewährte und bekannte Qualitätsprodukte.»


Wenn weiterhin Sparen angesagt ist, dürften gewöhnliche Wanderer und Schneesportler, die eigentlich gar keine Topausrüstung brauchen, vermehrt auf günstigere Produkte umsteigen. Wird das die Preise bei Premium-Markenanbietern wie Mammut, Arcteryx, Haglöfs oder North Face drücken?

Wir denken, dass es nicht unbedingt heissen muss, dass der Kunde nur noch «billige» Produkte kauft. Gerade in schlechten Zeiten setzen die Leute eher auf bewährte und bekannte Qualitätsprodukte. Einfach gesagt: Man kauft sich lieber eine teurere und dafür langlebige Jacke anstatt mehrere günstige, die man schneller wieder ersetzen muss. Ausserdem können unsere Jacken das ganze Jahr getragen werden, beispielsweise nicht nur zum Skifahren, sondern auch zum Wandern oder auch mal in der Stadt.


Die 2003 gegründete Basler Ladenkette Sherpa Outdoor ist eine Anbieterin von günstigeren  Trekking- und Bergsportprodukten. Sie produziert und verkauft sie unter eigenem Label und ist sehr erfolgreich. Wie reagieren Sie auf solche Konkurrenz?

Sherpa Outdoor ist sehr weit weg von unserem Angebot und ist sicher kein Anbieter alpiner Bergsportprodukte. Wir denken, dass es auf dem Outdoormarkt genug Platz gibt ? für günstigere Anbieter wie die Kette Sherpa und auch für uns als qualitativ hochstehende Outdoormarke. Wir streiten sozusagen in einer etwas anderen Liga bzw. auf anderen Höhen am Berg als Sherpa oder beispielsweise Jack Wolfskin.


Bekleidung und Zubehör für den Outdoor-Bereich sind heute geprägt durch Hightech-Materialen. Was wird uns hier die nächste Zukunft bringen?

Wir forschen ständig an innovativen Lösungen und Weiterentwicklungen unserer Produkte. Auf Materialebene in der Bekleidung sehen wir im Bereich Nanotechnologie noch grosses Entwicklungspotenzial. Bei den Hartwaren ist das Thema Leichtigkeit und auch Volumen weiterhin ein Thema. Metall wird durch Kunststoffe ersetzt, neue Isolationsmaterialien werden immer besser. Ausserdem ist alles rund um Nachhaltigkeit, recyclebare und ökologische Materialien noch sehr ausbaufähig und wird für uns in den nächsten Jahren ein zentrales Thema sein.


Wenn Sie Ihre Zeit als CEO von Mammut mit einer Klettertour vergleichen ? wo sind Sie eingestiegen und wo befinden Sie sich jetzt?

Wir suchen immer wieder neue Berge und Gipfel. Wenn wir einen Gipfel bezwungen haben, träumen wir vom nächsten und planen und trainieren dann so, dass auch dieser Traum wieder Realität wird.





Der Gesprächspartner
Rolf G. Schmid, Jahrgang 1959, lic. oec. HSG, trat 1996 als Leiter des Sportbereichs der Arova Mammut AG in die Conzzeta Gruppe ein. Im Jahr 2000 übernahm er die Leitung der heutigen Mammut Sports Group AG. Vor seiner Karriere bei dem Sportartikelhersteller war er  in leitenden Positionen in der Pharmaindustrie sowie in der Uhren- und Tourismusbranche tätig.


Mammut Sports Group AG
1862 legte Kaspar Tanner mit der Gründung seiner handwerklichen Seilerei in Dintikon bei Lenzburg AG den Grundstein zur heutigen Mammut  Sports Group AG. Die Firma hat sich inzwischen zum innovativen Unternehmen für die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Alpin-, Outdoor und Snowsport Produkten gewandelt. Zur ihr gehören die Bergsportmarke Mammut und  der Skiwax- und Pflegemittelexperte Toko. Die Mammut Sports Group mit Hauptsitz in Seon AG beschäftig insgesamt 331 Mitarbeitende, hat Tochterfirmen in Deutschland, Norwegen, Grossbritannien, USA und Japan und ein weltweites Vertriebsnetz. Seit 1982 gehört die Unternehmung zur Conzetta Group, einer  international tätigen Schweizer Industrie-Holding mit einer breiten Diversifikation (Maschinen- und Anlagenbau, Schaumstoffe, grafische Beschichtungen, Immobilien, Sportartikel).

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