RWE mit Gewinnzuwachs – Mittelfristziele wegen Steuer in Gefahr

Der Umsatz legte um 12,2 Prozent auf 27,4 Milliarden Euro zu. Das für die Dividendenberechnung wichtige um Sondereffekte bereinigte sogenannte nachhaltige Nettoergebnis stieg um fast ein Viertel auf 2,7 Milliarden Euro. Damit übertraf der Konzern klar die Erwartungen von Analysten. Unterm Strich musste RWE allerdings einen Rückgang von acht Prozent auf zwei Milliarden Euro hinnehmen. Dies lag unter anderem an einer höheren Zinsbelastung. Im frühen Handel stieg der RWE-Kurs leicht.

Prognose bestätigt
Insbesondere das Kraftwerksgeschäft legte zu, was auch daran lag, dass die beiden Atommeiler in Biblis länger als im Vorjahr am Netz waren. Dagegen schwächelte nach einem starken Ergebnis im Vorjahr die Handelssparte. Auch die gesunkenen Gaspreise machten RWE zu schaffen. Trotz des starken ersten Halbjahrs hielt RWE an seiner vergleichsweise vorsichtigen Prognose für das laufende Jahr fest. Demnach will der Versorger das betriebliche Ergebnis und das nachhaltige Nettoergebnis um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern. Im vergangenen Jahr hatte RWE trotz der Wirtschaftskrise seinen Betriebsgewinn um 3,9 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro gesteigert, der bereinigte Überschuss stieg um 4,9 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro.

Ärger über Bundesregierung
Die hohen Wachstumsraten von Januar bis Juni liessen sich aber nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen, erklärte der Konzern. So werde sich der Konsolidierungseffekt von Essent abschwächen, da die Niederländer bereits seit Herbst 2009 zu RWE gehören. Auch in Osteuropa werde die Wachstumsdynamik nachlassen. Seine Prognose für die Ökostrom-Sparte Innogy senkte der Konzern, weil in diesem Jahr bislang der Wind nicht so stark wie erwartet wehte.

Ziele auf dem Prüfstand
Die mittelfristigen Ziele stellt der Konzern wegen der von der Bundesregierung geplanten Atomsteuer auf den Prüfstand. „Eine solche Steuer würde unsere Ertragskraft erheblich schmälern – und damit auch den finanziellen Spielraum für Investitionen in erneuerbare Energien, CO2-arme Kraftwerke und zukunftsfähige Netze“, sagte Vorstandschef Jürgen Grossmann am Donnerstag laut Mitteilung. Die Politik stehe im Wort, klare Aussagen zur Zukunft der Kernenergie in Deutschland zu treffen und sie in ein tragfähiges Energiekonzept einzubinden. „Dies ist für unsere langfristig angelegten Investitionen zwingend erforderlich.“


Milliarden-Belastung durch Steuer erwartet
In den Bundeshaushalt sollen durch die geplante Steuer auf Brennelemente vom kommenden Jahr an 2,3 Milliarden Euro fliessen. RWE erwartet, dass die Abgabe die Atombranche mit bis zu vier Milliarden Euro brutto pro Jahr belasten wird. Auf sein Betriebsergebnis dürfte sich die Steuer mit rund einer Milliarde Euro negativ auswirken, auf das bereinigte Nettoergebnis mit 650 Millionen Euro. Bislang hatte sich der Konzern vorgenommen, bis 2012 sein Betriebsergebnis um fünf bis zehn Prozent und den um Sondereffekte bereinigten nachhaltigen Nettogewinn um fünf Prozent jeweils pro Jahr zu steigern. Konkurrent Eon hatte am Vortag die Belastung für die Branche durch die Atomsteuer auf 3,5 Milliarden Euro beziffert und die Auswirkungen auf sein operatives Ergebnis mit 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro angegeben.

Dividende auf der Kippe
Auch die Dividende steht wegen der Steuer auf der Kippe. RWE hatte seinen Aktionären eine Ausschüttung von 50 bis 60 Prozent des nachhaltigen Nettoergebnisses versprochen und zugesagt, die Ausschüttung bis 2013 mindestens stabil zu halten. Zudem überprüft der Konzern nach eigenen Angaben nun seine geplanten Milliardeninvestitionen. (awp/mc/gh/15)

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