Ryanair fliegt in die roten Zahlen

Neben dem hohen Ölpreis drückten auch Abschreibungen auf den Ryanair-Anteil an der Fluggesellschaft Aer Lingus die Jahreszahlen erstmals ins Minus. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen dank niedriger Treibstoffkosten wieder einen Gewinn. Die Aktie der Fluggesellschaft reagierte mit einem Kurssturz auf die Nachrichten. Im frühen Handel gab die Aktie an der Londoner Börse zeitweise um mehr als acht Prozent nach. Kurz vor Mittag lag das Papier noch mit 3,77 Prozent im Minus bei 3,51 Euro.


Umsatz wächst
Wegen des weiter gewachsenen Streckennetzes wuchs der Umsatz des Billigfliegers trotz der Wirtschaftskrise um acht Prozent auf mehr als 2,9 Milliarden Euro. Dazu trugen auch die Einnahmen aus Zusatzgeschäften wie der Vermittlung von Mietwagen bei, die inzwischen gut 20 Prozent der gesamten Erlöse ausmachen. Der Umsatz aus dem Ticketverkauf legte hingegen nur um gut fünf Prozent zu, während die Zahl der Fluggäste um 15 Prozent auf 58,5 Millionen stieg. Dies erklärte Ryanair mit den im Schnitt um acht Prozent gesunkenen Ticketpreisen.


Treibstoffkosten explodiert
Kräftig drückte der hohe Kerosinpreis auf den Gewinn. Die Treibstoffkosten der Airline explodierten den Angaben zufolge um 59 Prozent oder 466 Millionen Euro. Auch der gescheiterte Versuch, den irischen Mitbewerber Aer Lingus zu übernehmen, kostete Ryanair eine stolze Summe. Weil der Aktienkurs der ehemaligen Staatsfluglinie in der Krise in den Keller rutschte, schrieb Ryanair auf seine Beteiligung 222 Millionen Euro ab. Jetzt steht Aer Lingus mit nur noch 93 Millionen Euro in den Büchern des Billigfliegers. Ryanair hatte die Übernahmeofferte im Januar zurückgezogen und hielt nach offiziellen Angaben zuletzt 29,8 Prozent der Aer-Lingus-Anteile.


Weiteres Wachstum geplant 
Für das laufende Geschäftsjahr 2009/10 rechnet Ryanair wieder mit einem Gewinn von 200 bis 300 Millionen Euro. Diese Prognose macht das Management um Ryanair-Chef Michael O’Leary allerdings an dem bereinigten Gewinn vor Sondereffekten fest. Nach diesen Massgaben hätte Ryanair auch im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinn von 105 Millionen Euro erzielt.


Aussicht auf günstigere Ticketpreise
Gegen hohe Treibstoffpreise hat sich Ryanair bis Ende 2009 bereits weitgehend mit Preissicherungsgeschäften gewappnet. Die Zahl der Fluggäste will die Gesellschaft unterdessen um weitere 15 Prozent auf 67 Millionen steigern. Die Ticketpreise dürften nach Einschätzung des Managements wegen der Wirtschaftskrise, des schwachen britischen Pfunds und des weiteren Streckenausbaus unterdessen um 15 bis 20 Prozent fallen.


Ryanair zeigt Interesse an Lufthansa 
Ryanair-Chef Michael O’Leary hat grundsätzliches Interesse an einem Einstieg bei der Lufthansa bekundet. «Wir werfen einen ernsthaften Blick auf die Lufthansa», sagte O’Leary am Dienstag bei der Vorlage der Jahresbilanz in London. «Wir könnten sie fast gegen Barmittel kaufen.» Allerdings gebe es keine Pläne für ein Kaufangebot in absehbarer Zukunft. Wegen gesetzlicher Beschränkungen dürfte Ryanair mit einem solchen Vorhaben in Deutschland zudem auf Granit beissen. Das hiesige Luftverkehrsnachweissicherungsgesetz gibt der Lufthansa die Möglichkeit, sich mit drastischen Massnahmen gegen eine Übernahme aus dem Ausland zu wehren.


Gesetz verhindert feindliche Übernahme
Das Gesetz soll sicherstellen, dass deutsche Fluggesellschaften ihre Betriebsgenehmigung und ihre Luftverkehrsrechte nicht verlieren. Diese wären in Gefahr, wenn eine Airline nicht mehr mehrheitlich in deutscher Hand wäre. Um dies kontrollieren zu können, handelt es sich bei den Lufthansa-Aktien um vinkulierte Namensaktien. Sinkt die Aktienmehrheit in deutscher Hand in Richtung 50-Prozent-Grenze, kann die Lufthansa Anteile zurückkaufen, neue Aktien ausgeben und ausländische Aktionäre sogar auffordern, ihren Aktienbesitz zu veräussern. Als letzter Ausweg kann der Lufthansa-Vorstand die betreffenden Aktien für verlustig erklären, um eine ausländische Übernahme abzuwehren. (awp/mc/ps/11)

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