SBB Cargo: Tessiner wollen Untersuchungskommission

Streikführer Gianni Frizzo forderte die Grossräte auf, für den Erhalt aller Arbeitsplätze zu kämpfen. Frizzo durfte vor dem offiziellen Beginn der Märzsession zum Plenum sprechen. Es war das erste Mal in der Geschichte des 1803 gegründeten Kantons, dass diese Ehre einer Privatperson zuteil wurde, wie mehrere Parlamentarier auf Anfrage sagten. Dem Management von SBB Cargo warf Frizzo «kriminelle Unfähigkeit» vor. Die eidgenössischen Räte forderte er auf, eine parlamentarische Untersuchungskommission ins Leben zu rufen. Diese solle abklären, wer für das «Finanzdesaster» bei SBB Cargo verantwortlich sei.


«Absurder Entscheid»
Den Ursprung des Übels ortete Frizzo in den kostspieligen Auslandsengagements von SBB Cargo und dem unnötigen Kräftemessen mit der europäischen Konkurrenz. «Das ist etwa so, als ob die Segelschule von Locarno mit der NASA in Konkurrenz treten würde», sagte Frizzo. Der Entscheid, in Bellinzona 126 Stellen abzubauen, sei absurd. Die Industriewerke von Bellinzona seien die kostengünstigsten in der ganzen Schweiz; im Vorjahr sei der budgetierte Umsatz um 12 Mio. Franken übertroffen worden.


Standing Ovation
«Lasst uns bitte auch in Zukunft arbeiten. Die Resultate werden nicht ausbleiben», sagte Frizzo. Er erntete mit seiner Rede eine Standing Ovation durch die Grossräte. Applaus erhielt er auch von seinen Arbeitskollegen, die sich im Parlament eingefunden hatten. Der Grosse Rat verabschiedete anschliessend mit 74 zu 0 Stimmen eine Resolution zuhanden des Bundesrates. Dieser wird aufgefordert, den Stellenabbau in Bellinzona rückgängig zu machen.


Unverzügliche Verhandlungen gefordert
Es seien unverzüglich Verhandlungen mit der Tessiner Regierung aufzunehmen, heisst es in der Resolution. Es müssten einvernehmliche Lösungen angestrebt werden. Zudem stimmte das Parlament einstimmig einem Antrag des Ratspräsidiums zu: Das Sitzungsgeld in der Höhe von 200 CHF pro Abgeordnetem wurde den Streikenden gespendet. (awp/mc/ps)

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