SBVg-Chef Odier spricht sich gegen Referendum beim Staatsvertrag aus

«Es fehlt uns schlicht die Zeit», erklärt Odier. Die Schweiz habe sich verpflichtet, bis Mitte August die Daten zu liefern, sonst drohe eine grosse Gefahr für die Wirtschaft. «Wir müssen jetzt vorwärts schauen und dem Staatsvertrag zustimmen, ob es uns passt oder nicht.»


Keine weiteren Klagen erwartet
Die Gefahr neuer Klagen gegen andere Schweizer Banken trotz Staatsvertrag ist aus Sicht von Odier nicht gegeben: «Ich habe keine entsprechende Indikationen, dass es Fälle mit gleichen Handlungsmustern wie bei der UBS gibt. Deshalb hoffe ich, dass es sich hier um eine Ausnahme handelt», erklärt er. «Allerdings kann man nie voraussehen, was sonst noch aus den USA kommt», fügt er an.


Odier sieht gute Chancen für Abgeltungssteuer
Der Genfer Privatbankier zeigt sich zuversichtlich, dass die von der Schweiz propagierte Abgeltungssteuer in Berlin, Paris, London und Brüssel auf offene Ohren stösst. «Möglicherweise können wir in wenigen Monaten eine konkrete Lösung präsentieren», sagt Odier. Bilaterale Arbeitsgruppen träfen sich regelmässig, so dass die Chancen gut stünden, dass die Abgeltungssteuer kommt.


Regularisierung der Vergangenheit
Obwohl die Schweiz in einigen Fragen noch Kompromisse finden muss, wird sie laut Odier in einem Punkt hart bleiben: «Für uns zentral ist, dass die Vergangenheit regularisiert wird.» Sonst komme die Abgeltungssteuer nicht in Frage. Die Vereinigung will einen Schlussstrich unter das Thema Schwarzgeld ziehen und die Banken dazu verpflichten, sich künftig nur noch auf steuerkonforme Gelder zu konzentrieren.


Höhe Kapitalanforderungen für systemrelevante Banken
Die beste Lösung für das «Too big to fail»-Problem sind aus Sicht von Odier höhere Kapitalanforderungen für systemrelevante Banken, welche die Institute selber finanzieren. Dies sei eine bessere Lösung als ein Fonds. Denn alles, was den Charakter einer Versicherung habe, führe zu falschen Anreizen für das Management. «Es muss die Banken etwas kosten, wenn sie expandieren wollen», erklärt er.


Gegen Boni-Steuer
«Ich finde zum Beispiel auch, dass die Boni beschränkt werden müssen, wenn es den Banken wirtschaftlich nicht gut geht», sagt der oberste Schweizer Banker weiter, erteilt jedoch einer Boni-Steuer eine Absage. Die Banken sollten vielmehr dafür sorgen, dass das Kapital in einer Krise genügend hoch ist. «Denken Sie an die Dividende. Anstatt Dividenden in schwierigen Zeiten auszuschütten, bauen die Banken einfach mehr Kapital auf. Das gleiche sollte auch für die Boni gelten.» (awp/mc/pg/05)

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