sentix-Indikator: Lage in Euroland «rauscht ab»

Die Tendenz sei keine neue, denn bereits seit Juli 2007 befindee sich die 6-Monatserwartung auf einem Sinkflug, schreibt das sentix-Institut in seiner Mitteilung weiter. Damit hat der «first mover» extrem früh und auch sehr stetig die Konjunkturabkühlung angezeigt. Am aktuellen Rand mehren sich nun die offiziellen Stimmen, die eine Rezession nicht mehr ausschliessen wollen. Das Allzeittief im Gesamtindex für Euroland passt demnach genauso ins Bild wie auch ein Allzeittief in der Erwartungskomponente.


Abwärtsdynamik
Viel beeindruckender ist jedoch, mit welcher Dynamik die aktuelle Lageeinschätzung abdriftet. Ein Rückgang von 16,25 Punkten gab es in der Historie ebenfalls noch nie. Hier dürften sich die Meldungen von Kurzarbeit und Werksschliessungen, allen voran in der Automobilindustrie, stärker ausgewirkt haben. Aber auch die starken Kursabschläge an den Weltbörsen sind ursächlich für diese Tendenz. Die Tatsache, dass sich einstige Belastungsfaktoren, wie der starke Euro oder auch die hohen Rohstoffpreise, deutlich positiver entwickelt haben und die Wirtschaft entlasten sollten, findet in der Einschätzung kaum Gewicht.


Nächster Negativrekord kündigt sich an
Ein wesentlicher Treiber hinter dem erneuten Schwächeanfall der Konjunktur bleibt die inzwischen globale Dimension der Konjunkturprobleme. Mit -31,4 im Gesamtindex steht auch hier der nächste Negativrekord an: Ein Allzeittief, das nichts Gutes für den OECD Leading Indikator ankündigt! Keine der sechs von sentix beobachteten Weltregionen zeigt sich immun gegen den sich ausbreitenden Rezessionsvirus. Die Probleme des Finanzsektors stellen aus Sicht der Investoren inzwischen auch die reale Wirtschaft in Frage.


Auch Emerging Markets unter Druck
Die Emerging Markets Regionen kommen nun auch unter die Rezessions-Räder Besonders stark leiden in diesem Monat die Konjunkturerwartungen für die Emerging Market-Wirtschaftsregionen. Abschläge von 12,1 Punkten in Asien ex Japan, von 19,6 Punkten in Osteuropa und von 14,9 Punkten in Lateinamerika zerstören die letzte Hoffnung, dass es von diesen Regionen eine Konjunkturstütze ausgeht.


Deprimierende November-Bilanz
Die Bilanz des Monats November aus Sicht der sentix Konjunkturindizes stellt sich äusserst deprimierend dar: Alle 6 Weltregionen markieren gleichzeitig Allzeittiefs im Gesamtindex! Somit zeichnet der first mover am Monatsanfang kein freundliches Bild für die weiteren Frühindikatoren von ZEW, ifo, der PMI´s, vom Tankan, der OECD und den amerikanischen Pendants.


Investoren rechnen mit weiteren Notenbank-Massnahmen
Die Investoren rechnen zumindest mit weiteren Schritten der Notenbanken, allen voran mit einer stark gestiegenen Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen durch die EZB. Trotz der Rendite-Rückgänge in den kurzen Laufzeitenbereichen sehen die Investoren keineswegs ein Ende der Fahnenstange. Vielmehr bauen sich starke Zinssenkungserwartungen an die EZB auf. Dabei spielen weiterhin die günstigen Inflationserwartungen eine wesentliche Rolle.


Neues Thema im Fragekatalog
sentix hat mit der November-Befragung ein weiteres Thema für den Rentenmarkt in den Fragenkatalog mit aufgenommen. Der Einflussfaktor «Fiskalpolitik» wird insbesondere von den Investment-Profis als stark belastendes Thema für die Bonds empfunden. Anders sieht es im Lager der Privatanleger aus, welche die fiskalpolitischen Massnahmen sogar leicht positiv sehen. Hier dürfte die Entwicklung in den kommenden Monaten besonders spannend bleiben. (sentix/mc/ps)

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