Siegfried R. Peyer, CEO Hyposwiss Privatbank AG

Von Radovan Milanovic


Moneycab: Bereits in 2007 beschloss Ihre Mutter, die St. Galler Kantonalbank (SGKB), auf eine Gesamtverantwortung des Privat Bankings auf Konzernstufe zu verzichten, um so die Hyposwiss Privatbank AG als unabhängig agierendes Unternehmen innerhalb der Gruppe zu stärken. Was hat sich seit der Entscheidung der Mutter bei Hyposwiss in der Zwischenzeit verändert?


Siegfried R. Peyer: Hyposwiss Privatbank ist das Private Banking Kompetenzzentrum der St. Galler Kantonalbank-Gruppe. Wir bieten spezialisierte Private Banking Dienstleistungen für Schweizer und internationale Kunden an. Die St. Galler Kantonalbank konzentriert sich in diesem Geschäftsbereich auf die Ostschweiz und das Onshore-Geschäft in Deutschland. Unsere Funktion als Kompetenzzentrum der Gruppe zeigt sich in erster Linie darin, dass wir Investment Management Dienstleistungen für die ganze Gruppe erbringen. Hier stellen wir mit 10 Analysten unser unabhängiges Investment Research gruppenweit zur Verfügung und entwickeln fallweise eigene Anlageprodukte. Dieses Rollenverständnis haben wir in den letzten Jahren vertieft.



«Weg von Glamour und Spektakel, hin zu den traditionellen Grundwerten Verlässlichkeit und Transparenz.» Siegfried R. Peyer, CEO Hyposwiss Privatbank AG


Inwiefern beeinflusst die SGKB Ihre Geschäftspolitik?


Die St. Galler Kantonalbank ist unsere Muttergesellschaft und bestimmt unsere Strategie entscheidend mit. In unseren Märkten profitieren wir von ihrer Kapitalstärke und von den Skalenvorteilen, die wir auf der Plattform der SGKB realisieren können. So beziehen wir zentrale Dienstleistungen aus St. Gallen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern, insbesondere Wertschriftenhandel und -abwicklung sowie Zahlungsverkehr. Als Private Banking Spezialistin der Gruppe verfügen wir über hohe Freiheitsgrade in der Umsetzung der Strategie.


In 2008 hat die SGKB die Anglo Irish Bank (Suisse) SA, in Genf übernommen und zu Hyposwiss Private Bank Genève SA umbenannt. Mit diesem Neuerwerb konnte der Konzern die Kundenbasis ausweiten. Ihre Bank und die Hyposwiss Private Bank Genève SA sind beide in einem sehr ähnlichen Bereich tätig. Ist die Genfer Schwester nicht eher eine Konkurrenz für Sie?


Hyposwiss Privatbank Genève SA ist unsere Schwestergesellschaft und konzentriert sich ebenfalls auf Private Banking Dienstleistungen für Schweizer und internationale Kunden. Bezogen auf die von uns abgedeckten Märkte arbeiten Zürich und Genf zum grossen Teil komplementär. Dementsprechend sehen wir uns nicht als Konkurrenten. Im Gegenteil, in vielen Bereichen arbeiten wir zusammen. Mit Blick auf das einem starken Wandel unterworfenen Marktumfeld für Privatbanken diskutieren wir beispielsweise strategische Herausforderungen und entwerfen gemeinsam die passenden Antworten. Wir profitieren auch gegenseitig vom jeweiligen Spezialwissen im Anlagebereich. So erbringt das in Zürich domizilierte Investment Center gewisse Dienstleistungen auch für Hyposwiss Private Bank Genève SA, auf der anderen Seite sind unsere Genfer Kollegen das gruppenweite Kompetenzzentrum für Alternative Anlagen. Zusammen erreichen wir rascher die kritische Grösse und Marktpräsenz, die auch für unseren Brand im Private Banking wichtig ist. Die Synergien zahlen sich für alle aus: für den SGKB-Konzern als Ganzes wie auch für unsere beiden Gesellschaften unter der Marke Hyposwiss.



«Wir intensivieren wir unsere Marktbearbeitungsaktivitäten in unseren Kernmärkten und positionieren uns als kompetente und zuverlässige Privatbank mit traditionellen Schweizer Werten.»


Die grosse Konkurrenz im Private Banking spricht für ein abschwächendes Wachstum an Neukunden und dem Zufluss an Neugeldern. Was ist Ihr Rezept für Ihr weiteres Kundenwachstum?


Tatsächlich haben die Steuerdiskussion, die labile Börsenverfassung und die historisch tiefen Zinsen die Wettbewerbssituation in unserer Branche verschärft und den Konsolidierungsdruck erhöht. In diesem Umfeld werden sich die effizientesten Anbieter  behaupten. Wir sehen uns hier dank unserer Spezialisierung und unserer starken Muttergesellschaft gut positioniert. Zusätzlich intensivieren wir unsere Marktbearbeitungsaktivitäten in unseren Kernmärkten und positionieren uns als kompetente und zuverlässige Privatbank mit traditionellen Schweizer Werten. Sie haben in diesem Zusammenhang sicher auch schon unsere Werbekampagne gesehen. Wir zeigen hier wie wir die unsere Werte interpretieren: Weg von Glamour und Spektakel, hin zu den traditionellen Grundwerten Verlässlichkeit und Transparenz.


Auf dem Platz Zürich reiht sich eine Privatbank an der andern. Wieso soll sich ein Neukunde für Ihre Dienstleistungen entscheiden?


Unsere Kunden schätzen besonders die überschaubare Grösse der Bank, die gleichzeitig von der Potenz des Mutterhauses profitieren kann, und unseren unabhängigen Anlageansatz. Bereits ab einem Anlagevermögen von CHF 250’000 erhalten unsere Kunden persönliche und professionelle Privatbanken Dienstleistungen. Dabei handeln unsere Kundenberater jederzeit unkompliziert, rasch und im Interesse des Kunden. Wir verfolgen hier einen unternehmerischen Ansatz. Gleichzeitig setzen wir auf Kontinuität in der Betreuung unserer Kunden. Dies wird ebenso geschätzt wie unser hoher Qualitätsanspruch.



«Die Finanzkrise führte zu einer Rückbesinnung auf das Wesentliche im Portfoliomanagement. So werden die Obligationen bei uns wieder konsequent als «Risikoanker» gesehen, welche dem Portfolio in schwierigen Zeiten die notwendige Stabilität verleiht.»


Wie beeinflusst Sie als Vermögensverwalter die neue Finanzmarktaufsicht?


Wir sehen in einer effizienten Finanzmarktaufsicht eine Notwendigkeit für unser Geschäft. Sie verhilft dem Finanzplatz zu Stabilität und einem guten Image. Im Tagesgeschäft hat die Finanzmarktaufsicht für eine konservative Bank wie die unsere wenig Auswirkungen. In der Regel sind die Marktkräfte relevanter und schneller als jede Aufsicht.


Was für Konsequenzen hat die FInanzkrise für die Investitionsentscheide Ihres Portfolio Managements?


Die Finanzkrise führte zu einer Rückbesinnung auf das Wesentliche im Portfoliomanagement. So werden die Obligationen bei uns wieder konsequent als «Risikoanker» gesehen, welche dem Portfolio in schwierigen Zeiten die notwendige Stabilität verleiht. Mit riskanteren Anlagen in Aktien, Rohstoffen und ähnlichem wird je nach Risikoprofil die Zusatzrendite erwirtschaftet. Grundsätzlich haben sich unsere Prozesse und unser Portfolioansatz auch in der Finanzkrise bewährt.


Erzielbare Renditen von Portfolio Anlagen sind zurzeit relativ bescheiden. Welches sind die Zielrenditen Ihrer Risikoprofile defensiv, ausgewogen und dynamisch?


Wir erwarten, dass ein ausgewogenes Portfolio über die Zeit eine durchschnittliche Rendite von 4-5% erzielen kann. Wer eine höhere Rendite anstrebt, muss bereit sein, die entsprechenden Risiken zu tragen.


Wie unterscheiden sich die Investitionsanteile der Anlageklassen dieser drei Risikoprofile?


Ein ausgewogenes Portfolio besteht strategisch bei uns zu 50% aus riskanteren Anlagen (Aktien und Rohstoffe) und zu 50% aus festverzinslichen Anlagen (Obligationen und Liquidität). Beim defensiven Risikoprofil reduzieren sich die Aktien auf 25%, während dem sie beim dynamischen Profil 75% ausmachen. 



«Wir erwarten weiterhin ein sehr tiefes Zinsumfeld, was sich positiv für die Aktien auswirkt. Wir halten die Aktien deshalb auch übergewichtet. Auf der Währungsseite wird der US-Dollar aus denselben Gründen über die Zeit weiter zur Schwäche neigen.»


Wie sehen Sie die weitere Wirtschafts- und Börsenentwicklung?


Die Weltwirtschaft wird zu Beginn des nächsten Jahres die erwartete Abschwächung der Wachstumsdynamik zeigen, jedoch weit weg von einer zweiten Rezession sein. Die Zentralbanken haben klar gemacht, dass sie ihre expansive Geldpolitik eher später als früher ändern, um das Wachstum zu fördern. Deshalb erwarten wir weiterhin ein sehr tiefes Zinsumfeld, was sich positiv für die Aktien auswirkt. Wir halten die Aktien deshalb auch übergewichtet. Auf der Währungsseite wird der US-Dollar aus denselben Gründen über die Zeit weiter zur Schwäche neigen.


Und was sind die mittel- und langfristigen Ziele für die Hyposwiss?


Die St. Galler Kantonalbank-Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, ein ausgewogenes Zins- und Kommissionsergebnis zu erreichen, das heisst, das Vermögensverwaltungsgeschäft zu stärken. Für uns heisst das, dass wir Marktpräsenz und Kundenvermögen deutlich ausbauen wollen. Hier sind wir auf einem guten Weg. Im nächsten Sommer werden wir in unsere neuen Büroräumlichkeiten an der Stauffacherstrasse 41 im Zentrum von Zürich umziehen. Dort werden wir unseren Mitarbeitenden und Kunden nicht nur eine topmoderne Infrastruktur bieten, sondern auch genügend Platz zur Verfügung haben, um unsere Wachstumsambitionen weiter in die Tat umzusetzen. 





Der Gesprächspartner:
Siegfried R. Peyer ist seit 2008 Chief Executive Officer von Hyposwiss Privatbank Zürich. Vor seinem Wechsel zu Hyposwiss Privatbank arbeitete er für die HSBC Guyerzeller in Hongkong und Zürich, zuletzt als Stellvertretender CEO. Siegfried R. Peyer hat einen MBA der Kellogg School of Management.


Das Unternehmen:
Hyposwiss Privatbank AG ist eine Schweizer Privatbank mit über 120 Jahren Tradition und einer klaren Vision. Als Spezialistin ist sie das Private Banking Kompetenzzentrum der St. Galler Kantonalbank-Gruppe, einer der kapitalstärksten Bankengruppen der Schweiz. In Zürich ist Hyposwiss seit 1930 präsent. Zusammen mit der Schwestergesellschaft Hyposwiss Private Bank Genève SA verfüget sie über einen breiten Wissens- und Erfahrungsfundus. Die Hyposwiss bietet hauseigene Anlagestrategien und -instrumente mit klarem Fokus sowie uneingeschränkten Zugang zu den besten Anlageprodukten weltweit.

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