Siemens sieht eher schwachen Jahresausklang

Dies sagte Finanzvorstand Joe Kaeser am Dienstag auf einer Investorenkonferenz in London. Zwischen April und Ende Juni hatte der Auftragseingang hier bei rund 16,2 Milliarden Euro gelegen. Der Umsatz werde im vierten Quartal zwar leicht über dem Niveau des Vorquartals liegen, für das Gesamtjahr 2008/09 (Ende September) bleibe damit aber immer noch ein Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich, sagte Kaeser. An der Gewinnprognose von 6,6 Milliarden Euro fürs Kerngeschäft ändere sich damit aber nichts. Die Siemens-Aktie reagierte mit Abschlägen und ging mit einem Minus von 1,7 Prozent bei 64,81 Euro aus dem Handel.


Krise belastet Industrie-Sektor
Besonders der wichtige Sektor Industrie habe zuletzt unter Krise gelitten, sagte Kaeser. Hier sehe es zwar danach aus, als ob die Talsohle erreicht sei, eine schnelle Rückkehr zu Verhältnissen wie im vergangenen Jahr sei aber nicht in Sicht. Siemens werde mit Kapazitätsanpassungen reagieren. Ob dies auch einen Stellenabbau einschliesst, liess Kaeser offen. Das Industriegeschäft steht bei Siemens für rund die Hälfte des Umsatzes.


Höhere Einsparungen in Gesundheitstechnik
Für die Sparte Gesundheitstechnik kündigte deren Chef Hermann Requardt höhere Einsparungen in den kommenden Jahren an. Der Sektor Healthcare habe sich zuletzt gut geschlagen, sagte Requardt. Die Integration der in den vergangenen Jahren übernommenen Unternehmen Diagnostic Products, Bayer Diagnostics und Dade Bahering komme gut voran. Von den durch die Integration angepeilten Kostensenkungen in Höhe von 500 Millionen Euro bis Ende 2010 habe Siemens bereits zwei Drittel erreicht. Darüber hinaus rechne der Konzern mit weiteren Einsparungen in Höhe von 100 Millionen Euro bis 2011.


Segment Industrieelektronik soll ausgegliedert werden
Siemens kündigte am Dienstag ausserdem an, das Geschäftssegment Industrieelektronik (Electronic Device Manufacturing/EDM) ausgliedern zu wollen. Betroffen sind davon 650 Mitarbeiter. Das Geschäft verfüge über eigene Entwicklung, Vertrieb, Fertigung und Einkauf, hiess es zur Begründung. Es könne daher als eigenständige Gesellschaft geführt werden. Wie es danach weitergeht, ist allerdings offen. «Nach erfolgter Ausgliederung sollen für die EDM-Aktivitäten alle Optionen geprüft werden.» Die Fertigung werde sich künftig auf die drei Standorte Erlangen, Essen und Hannover konzentrieren. Die Produktion in München wird eingestellt. Dadurch fallen gut 100 Stellen weg. Vertrieb und Entwicklung bleiben aber in München.


Aus für Näherungsschalter
Trennen will sich der Konzern auch vom Geschäft mit sogenannten Näherungsschaltern, also Sensoren für Produktionsmaschinen. Das Geschäft habe einen zu geringen Marktanteil und biete zu wenige Überschneidungen innerhalb des Konzern, hiess es zur Begründung. Derzeit arbeiteten rund 150 Menschen in diesem Bereich, davon etwa 30 in der Nürnberger Region. Die örtlichen Arbeitnehmervertretungen würden am weiteren Prozess beteiligt. (awp/mc/ps/34)

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