SNB-Direktor: Schweiz soll Öffnung nicht geografisch fixieren

«Die Schweiz muss sich global öffnen; was aber nicht heissen soll, dass sie sich von Europa abkehren soll», sagte Hildebrand am Montag laut Redetext in einem Vortrag an der Universität St. Gallen. Offenheit gegenüber der EU und Offenheit gegenüber anderen Handelsblöcken schlössen sich a priori nicht aus. Der Bundesrat bemüht sich derzeit um ein Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und den USA.


Im Binnensektor mehr Offenheit
Die Schweiz benötige vor allem im Binnensektor mehr Offenheit, darin seien sich die Ökonomen einig, sagte Hildebrand. Da die Aussenwirtschaftspolitik allein in der Kompetenz des Bundes liege, sei sie ein geeignetes Mittel, um föderalistischen Protektionismus auf Kantons- und Gemeindeebene zu bekämpfen und monopolähnliches Verhalten zu unterbinden.


Offenheit: Langfristig eine notwendige Bedingung
«Eine Öffnung der Aussengrenzen dürfte automatisch auch den Druck auf die Grenzen im Innern erhöhen», sagte das Mitglied des dreiköpfigen Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Damit könne ein gewaltiges Wachstumspotenzial freigesetzt werden.

Offenheit sei langfristig eine notwendige Bedingung für Wachstum und Wohlstand. «Mit dem Kollaps des Sozialismus in der Sowjetunion und in Osteuropa erlebten wir aus nächster Nähe die wirtschaftlichen, sozialen und umweltpolitischen Folgen einer Wirtschaftsordnung ohne Wettbewerb», sagte Hildebrand.


Vorzeigefall Schweiz könnte problematisch werden
Auch aus der Schweizer Geschichte könnten Lehren gezogen werden: «Der Vorzeigefall Schweiz ist zum Normalfall geworden und ist sogar in Gefahr, ein Problemfall zu werden.» Die Schweiz habe die wirtschaftliche Freiheit eingeengt, den Wettbewerb unterminiert und die Verantwortung vom Individum an den Staat delegiert.

Dabei sei Offenheit ein wichtiger Faktor für die frühe und erfolgreiche Industrialisierung der Schweiz gewesen. Ausländische Unternehmen und ausländisches Know-how haben sich damals in der Schweiz niedergelassen und entfaltet, wie Hildebrand sagte.


Schokoladeindustrie als Beispiel
Als Beispiele nannte er die Schokoladeindustrie, oder auch das heute grösste Unternehmen der Schweiz, Nestlé, das vom deutschen Einwanderer Heinrich Nestle (schwäbisch für kleines Nest) in Vevey gegründet wurde. (awp/mc/ab)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.