SNB-Präsident Roth hat Vertrauen in Schweizer Finanzsystem

Ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) nach der überraschenden Senkung des Diskontsatzes durch die US-Notenbank Fed vom Freitag ebenfalls ihre Zinspolitik revidiert, liess Roth in dem Interview offen. «Die nächste Lagebeurteilung machen wir in einem Monat. Wir werden dabei wie üblich alle Elemente berücksichtigen, die vorliegen.»


Sehr lebendige Binnennachfrage
Während in den USA das Gespenst einer Rezession umhergeht, entwickelt sich die Schweizer Wirtschaft laut Roth erfreulich positiv: «Wir sehen eine sehr lebendige Binnennachfrage, das heisst starke Impulse von Konsum und Investitionen sowie etwas weniger von der Bauwirtschaft. Etwas geringer ist hingegen die Unterstützung vom Export.»


Eine etwas langsamere Gangart
Die Gefahr eines Einbruchs bestehe nicht. Die «Dynamik wird nicht so rasch abflauen, auch wenn wir in der zweiten Jahreshälfte eine etwas langsamere Gangart erwarten.» Es könne natürlich sein, dass der wichtige Finanzsektor einen kleineren Beitrag liefere.


«Vollständiges Vertrauen» in das Schweizer Finanzsystem
Grundsätzlich habe er aber trotz der Fehlentwicklungen in den USA «vollständiges Vertrauen» in das Schweizer Finanzsystem, sagte Roth. Die Engagements der Grossbanken stellten im Verhältnis zum Eigenkapital überhaupt kein Problem dar. «Ich habe grosses Vertrauen, dass die Finanzinstitute die Risiken im Griff haben.»


«Unglaubliches» in den USA
In den USA hingegen sei «Unglaubliches» passiert. «Da erhielten Leute Kredite, die weder Einkommen noch Vermögen hatten.» Diese Papiere seien weitergereicht und in strukturierte Produkte umgewandelt worden, und die Ratingagenturen hätten ein Gütesiegel aufgedrückt.  Es herrsche Misstrauen, Banken behielten Liquidität. «Das war besonders im Euro-Raum der Fall. Deshalb hat die Europäische Zentralbank mit einer sehr grossen Operation die Märkte beruhigt.» Die SNB habe bei den Geldspritzen mitgemacht, weil sich Banken aus dem Euro-Raum Liquidität in Franken besorgt hätten und es so einen Nachfragedruck auf den Franken-Geldmarkt gegeben habe. «Als sich die Lage beruhigte, haben wir die Liquidität wieder zurückgenommen», erklärte Roth. Damit sei die Geldspritze wieder neutralisiert und es entstehe daraus keine Inflationsgefahr. (awp/mc/gh)

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