Sonova: Resound-Übernahme vor dem Aus

Nach dem vorläufigen negativen Entscheid des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf dürfte Sonova auf den Kauf verzichten. «Wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit den Instanzenweg nicht beschreiten – und die Fusion nicht vollziehen», sagte Sonova-Chef Valentin Chapero in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Sobald die Begründung des Gerichts für das Urteil vorliege, werde Sonova sich definitiv entscheiden.


Kein grünes Licht im Schnellverfahren
Der abschliessende Beschluss des OLG wird am nächsten Mittwoch erwartet. Der Kartellsenat des Gerichts hatte letzte Woche in einer vorläufigen Einschätzung klar gemacht, dass es im Schnellverfahren kein grünes Licht für die Fusion geben könne, die das deutsche Kartellamt im April verboten hatte. Entsprechende Anträge seien unzulässig.


Heftige Kritik von Chapero
Am Entscheid der Wettbewerbshüter übte Chapero heftige Kritik: «Das Kartellamt ist nach einer – aus meiner Sicht – vollkommen verfehlten Beurteilung der Lage zum Schluss gekommen, dass nach der Akquisiton eine Marktstruktur vorliegen würde, die den Wettbewerb gefährdet. Dabei hätte die Akquisition im deutschen Markt lächerlich kleine Auswirkungen gehabt.» Der Anteil von Resound in Deutschland liegt unter 5%, während Sonova nach Angabe ihrer Anwälte dort 9% des Umsatzes erwirtschaftet.


Keine direkten Folgen
Ein Verzicht auf die rund 2 Mrd EUR teure Fusion hätte für Sonova keine direkten Folgen, sagte Chapero. Das Alltagsgeschäft ist davon nicht betroffen. «Ich habe sorgfältigst darauf geachtet, dass die Organisation nicht abgelenkt wird», sagte der Sonova-Chef. Es seien nur drei bis vier Leute mit dem Fusionsprojekt betraut gewesen, das am Ende insgesamt 35 Mio CHF gekostet haben dürfte.


5-Jahres-Prognose bestätigt
Er halte an der Prognose fest, wonach Sonova in den nächsten fünf Jahren rund 10% jährlich wachsen wolle, sagte Chapero. Diese Prognose basiere auf dem angestammten Geschäft ohne Fusion. «Der Unterschied ist einfach, dass wir mit Resound einen grossen Schritt in kurzer Zeit vorangekommen wären. Nun dauert es etwas länger», sagte Chapero. Sonova sei doch schon fast die Nummer eins im Hörgerätemarkt zu werden, dazu brauche man Resound nicht. Denn der Abstand sei sehr klein. «Den Umsatz von Siemens schätzen wir auf 1,1 bis 1,2 Mrd CHF. William Demant hat letztes Jahr 1,09 Mrd CHF erreicht und wir 1,07 Mrd CHF», sagte Chapero. (awp/mc/ab)

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