Soo-Young Jung, General Manager Samsung Schweiz

Von Jolanda Lucchini

Herr Jung, Samsung Electronics konnte 2009 einen Netto-Ertragssprung von 75% (8.8 Mrd. Franken) und einen Höhenflug der Aktie verbuchen. Zu diesem Erfolg haben massgeblich die gute Nachfrage nach Unterhaltungselektronik sowie steigende Preise für Speicherchips beigetragen. Welche anderen Faktoren waren ebenfalls ausschlaggebend?


Soo-Young Jung: Ja, wir konnten in allen Produktsparten wesentliche Absatztsteigerungen verzeichnen. Effizienzsteigerungen in unserem Produktionsprozess und im operativen Bereich waren weitere ausschlaggebende Faktoren.


Hat sich die positive Entwicklung auch im 1. Quartal 2010 weltweit fortgesetzt?

Ja. Unser konsolidierter Operating Profit für Q1 beträgt 4,41 Billionen Won (3.9 Mrd. Franken), was einer Steigerung von 643% zum Vorjahr entspricht. Unser Umsatz für das erste Quartal beträgt 34,64 Billionen Won (33 Mrd. Franken), ein 21% Anstieg zum Vorjahr. Und unser Nettoprofit liegt bei 3,99 Billionen Won (3.8 Mrd. Franken).


Sie haben vor rund einem Jahr die Geschäftsführung von Samsung Schweiz angetreten, mit dem Ziel, das Unternehmen hier zur führende Marke für Consumer Electronics, IT und Mobiltelefone zu machen. Wie weit haben Sie dieses Ziel schon erreicht und wo harzt es noch?

Samsung operiert nun seit fast vier Jahren direkt in der Schweiz. In dieser Zeit haben wir uns in vielen Produktsparten von einem B-Brand zu einem klaren A-Brand etabliert. Den Erfolg kann man leicht erkennen: Ende 2009 erreichten wir die Nummer-1-Position bei TVs. Im Januar 2010 waren wir zum erstmals Marktführer im Bereich Monitore, und im Bereich Mobiltelefone konnten wir erfolgreich unsere Nummer-2-Position verteidigen. Zudem sind wir derzeit Marktführer im Touchhandy Segment.



«Unser konsolidierter Operating Profit für Q1 beträgt 4,41 Billionen Won (3.9 Mrd. Franken), was einer Steigerung von 643% zum Vorjahr entspricht.» Soo-Young Jung, General Manager Samsung Schweiz


Wo sehen Sie noch weitere Entwicklungsmöglichkeiten?

In zusätzlichen Samsung-Produktsparten wie zum Beispiel Note- und Netbooks, Digitalkameras und Camcorders, Haushaltsgeräte. Aber verstärkt auch in den B2B-Segmenten wie Drucker, Industriedisplays oder Beamers.


Was waren in der Schweiz die massgeblichen Faktoren, die zum Erfolg von Samsung beitrugen?

Die Erfolgsfaktoren in der Schweiz waren vor allem die Einführung unserer neuen LED-TVs. Es gab Zeiten wo von zehn verkauften LED-TVs neun von Samsung waren. Wir konnten ein Produkt bieten, welches in Design, Leistung, Qualität und Value der Erwartung des Schweizer Konsumenten vollends entspricht. Mit der Einführung der ersten 3D-TVs erwarten wir uns ähnliche Erfolge.


Während der Krise haben sich viele Unternehmen punkto Werbung sehr zurück gehalten. Anders Samsung: Die Marke war in der Werbung im Fernsehen oder im öffentlichen Raum, etwa grossflächig auf Trams, sehr präsent. Wie hat sich das ausgezahlt?

Auch Samsung hat seine Werbeausgaben 2009 im Vergleich zu 2008 reduziert. Jedoch war es uns wichtig, auch in einer schwierigen Zeit die Marke Samsung beim Konsument präsent zu halten. Ausgezahlt hat sich das am Ende dadurch, dass wir letztes Jahr einen noch nie dagewesenen Bekanntheitsgrad punkto Marke und Produkte erreichen konnten.


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Die Unterhaltungselektronik-Branche setzt neuerdings stark auf 3D-Fernseher. Müssen die einzelnen Hersteller bei diesem Trend aus Imagegründen einfach mitmachen oder ist diese Technik wirtschaftlich gesehen in naher Zukunft auch wirklich erfolgsversprechend?

Die TV-Technologie hat sich über die Jahre hinweg stets den Bedürfnissen der Betrachter angepasst. In diesem Zuge hat es eine Reihe von wichtigen Entwicklungsschritten gegeben. Von Schwarz-Weiss auf Farbe, von Röhre auf Flachbildschirm, von LCD auf LED. Der Schritt von 2D auf 3D war schon längst überfällig. Natürlich gab es immer wieder kleinere Versuche 3D einzuführen. Jeder kann sich an die Rot-Grün-Brillen der Achtzigerjahre erinnern. Aber es gab wesentliche Probleme.


Welche?

Erstens war die Qualität des Bildes noch zu schlecht und zweitens kaum 3D-Inhalte verfügbar. Bereits 2006/07 hat Samsung den ersten massenproduzierten 3D-TV auf den Markt gebracht und damit das erste Problem gelöst. Das zweite blieb aber weiter bestehen und wir haben deshalb damals die Produktion wieder eingestellt.



«Wir sind überzeugt, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um den Sprung nochmals zu wagen.»


Rechnen Sie jetzt mit besseren Chancen?

Wir sind überzeugt, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um den Sprung nochmals zu wagen. Die Technologie ist fortgeschritten genug, um bei der Bildqualität keine Einbussen hinzunehmen zu müssen und die 3D-Filme kommen auch bereits auf den Markt.


Handelt es dabei nicht um eine Technische Spielerei? Oder erreichen sie tatsächlich die Qualität von echten 3D-Blu-ray-Filmen?

Bei 3D-Blu-ray Filmen sprechen wir von «nativ 3D». Dass heisst, dass das 3D-Bild bereits bei der Produktion der Disc erstellt wird, der TV muss es nur noch wieder geben.
Beim Konvertieren von 2D auf 3D-Bilder in Echtzeit verwendet unser 3D-Prozessor spezielle Verfahren, um zu ermitteln, welche Inhalte zum Hintergrund gehören und welche im Vordergrund positioniert sind. In einem Grossteil der Fälle funktioniert das hervorragend. Jedoch ist dies ? wie mit jedem «simulierten» Verfahren ? nicht ein 100%-iger Ersatz für echtes «nativ 3D».


Das Fernsehen wird bei der Fussball-WM in Südafrika einige Spiele in 3D übertragen. Wie stark wird dies Ihrer Meinung nach den Verkauf von 3D-TV-Geräten ankurbeln? Wie viele Geräte möchte Samsung Schweiz bis Ende 2010 abgesetzt haben?

Die Übertragung von WM-Spielen in 3D wird sicherlich sportbegeisterte Kunden dazu bewegen, sich auch 3D-TVs zuzulegen. Nach ersten Gesprächen mit dem Handel erwarten wir uns einen ähnlichen Absatzerfolg von 3D-TVs wie im letzten Jahr mit LED-TVs.


Wie erfolgreich waren Sie 2009 im Handy-Bereich?

Auch im Mobiltelefonbereich konnten wir mit einer breiten Palette an Full-Touch Handys den Puls der Zeit treffen.


Der Handymarkt ist derzeit ziemlich gesättigt. Nun soll ihn die neue Technologie LTE, eine Weiterentwicklung von UMTS, wieder neu beleben: LTE-Geräte sollen weniger Strom verbrauchen und bis zu 40 Mal höhere Übertragungsgeschwindigkeiten aufweisen. Samsung will bereits dieses Jahr ein LTE-Handy lancieren. Wann kommt es auf den Schweizer Markt?

Dies hängt im Prinzip von der Verfügbarkeit eines LTE-Mobilnetzwerkes in der Schweiz ab. Die Mobilfunkbetreiber sind im Moment daran, erste LTE-Testnetzwerke zu erproben.


Was bringt die neue Technologie dem Business-User?

Durch die höheren Übertragungsraten ergeben sich bessere Down- und Uploadgeschwindigkeiten. Das Herunterladen von E-Mails mit grossen Anhängen wird vereinfacht, Verbindungen zu firmeninternen Netzwerken sowie die Anbindung von LTE-fähigen NotePCs an das Internet werden schneller. Das bedeutet eine erhebliche Effizienzsteigerung vor allem bei Angestellten, die ausserhalb des Büros arbeiten. Derzeit erwägen wir per Ende Jahr die Einführung von LTE-USB-Dongles, um genau hier den Business-User noch mehr zu unterstützen.


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Green IT liegt derzeit im Trend, auch Samsung gibt sich bezüglich nachhaltiger Produktion innovativ: Das Handy Blue Earth kann über Solarzellen und via Netz mit Strom versorgt werden, seine Hülle ist aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Gehört das einfach zur Imagewerbung?

Ganz und gar nicht. Samsung ist sich seiner Verantwortung als Grosskonzern gegenüber Umwelt und Gesellschaft bewusst. Wir verfolgen konsequent unsere globale Öko-Strategie mit dem Ziel, diese bis 2013 auch umzusetzen. Die Kernziele dieser Strategie sind die Reduktion von Treibhausgasen bei unseren Fabriken um 50% (Basis 2008) und bei den «indirekten» Emissionen durch die Verwendung von Samsung-Produkten deren Reduktion um 84 Millionen Tonnen. Wir möchten unsere «Good Eco-Product»-Kriterien für alle von Samsung hergestellten Produkte erreichen, derzeit liegen wir bei 50%. .

Das Smartphone Wave basiert neu auf der von Samsung geschaffenen Bada-Plattform, welche für Entwickler offen ist. Ein eigener App-Store ist ebenfalls in Planung. Will Samsung mit dem Produkt den Handy-Konkurrenten Apple parieren?

In den letzten Jahren haben sich die Konsumentenanforderungen, vor allem im Bereich der mobilen Technologie, stark gewandelt. Flexibilität, Applikationen und Inhalte spielen eine immer wichtigere Rolle. Mit Bada ermöglichen wir zum ersten Mal Entwicklern einen offenen Zugang zu Samsung-Handys. Wenn man bedenkt dass Samsung weltweit der zweigrösste Mobilphone-Hersteller ist, ergibt sich dadurch langfristig für die Entwickler ein nicht zu unterschätzender und lukrativer Vertriebskanal.



«Wir verfolgen konsequent unsere globale Öko-Strategie mit dem Ziel, diese bis 2013 auch umzusetzen.»


Apple bietet inzwischen über 150 000 Apps an. Wo steht Samsung mit der Entwicklung von Apps und was ist das Ziel?

Bada ist eine neue Platform, die zum ersten Mal zusammen mit der Lancierung des Mobiltelefons Samsung Wave in der Schweiz erhältlich sein wird. Wir arbeiten derzeit weltweit mit einer grossen Anzahl von Entwicklern zusammen, um die verfügbare Auswahl an Applikationen aufregend, nützlich und abwechslungsreich zu gestalten. Das langfristige Ziel von Samsung Apps ist es, eine ähnliche Vielfalt an Apps anbieten zu können, wie sie derzeit bei Mitbewerbern zu finden ist.


Samsung liefert Apple die Speicherchips für dessen brandneuen Tablet-PC iPad und beabsichtig gleichzeitig, eine ähnliche Mischung aus Smartphone und Notebook zu lancieren. Wie schwierig ist diese Gratwanderung zwischen Konkurrenz und Geschäftspartnerschaft?

Samsung beliefert seit mehreren Jahren bereits andere Hersteller mit verschiedensten Komponenten. Diese Beziehung mit den Mitbewerbern hat sich bestens etabliert und für alle Beteiligten positiv bewährt.


Wie gross schätzen Sie die Marktchancen der Tablets ein? Werden sie die Netbooks verdrängen?

Wie mit den meisten neuen Technologien bestimmt auch beim Tablet am Ende der Endkonsument über Erfolg oder Niederlage. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet haben beide Produkte, Netbooks und Tablets, ihre Berechtigung. Wie sich dies in Zukunft ändert, wird sich noch zeigen und ist vor allem auch von den technologischen Weiterentwicklungen in diesem Bereich abhängig.


Samsung bedeutet auf Koreanisch «drei Sterne». Diese symbolisieren die drei Söhne des Firmengründers Byung-Chull Lee. Welche Fixsterne sehen Sie für Samsung am Firmament?

Samsung ist bekannt als führender Hersteller mit hohem Designniveau und innovativer Technologie. Es gilt nun, den Kunden auch auf emotionaler Ebene dem Brand Samsung näher zu bringen und so eine langfristige Beziehung zwischen Samsung und dem Konsumenten aufzubauen. Dies auch, um die langfristige Marktführerschaft in allen Produktesparten zu erreichen. Punkto Umweltbewusstsein möchte Samsung eine klare Vorreiterrolle übernehmen und mit konkreten Massnahmen aufzeigen, dass es möglich ist High-Tech-Technologie mit Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit zu vereinen.





Die Firma
Samsung Electronics Co., Ltd. ist Weltmarktführer in den Bereichen Halbleiterproduktion, Telekommunikation, Flachbildschirme und Technologien für die digitale Konvergenz. Samsung generierte 2009 einen konsolierten Umsatz von 116,7 Mrd. US-Dollar. Der Konzern verfügt über derzeit über 185 Niederlassungen in 65 Ländern und beschäftigt 157 700 Mitarbeitende. Gegründet wurde Samsung 1938 in Taegu Korea von Byung-Chull Lee als kleiner Exportbetrieb für getrockneten Fisch, Gemüse und Obst . Bereits ein Jahrzehnt später folgten Getreidemühlen und Maschinen zur Weiterverarbeitung sowie eigene Produktions- und Vertriebsfirmen. 1969 wurde Samsung-Sanyo Electronics gegründet, diese 1975 in Samsung Electro-Mechanics umbenannt und 1977 mit Samsung Electronics fusioniert.


Der Gesprächspartner
Soo-Young Jung (45) ist seit Juni 2009 General Manager von Samsung Schweiz. Seine Karriere bei Samsung begann er vor 20 Jahren als Export-Manager für Südeuropa. Zuvor erwarb sich der Industriefachmann die nötige Branchen- und Geschäftserfahrung in verschiedenen Positionen in Korea, Europa und Übersee.

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