S&P: Euroraum wird an Schuldenkrise nicht zerbrechen

Dies sagte Kraemer am Dienstag in Frankfurt. Wenngleich der Experte die Schuldensituation in vielen Euro-Ländern als angespannt bezeichnete, gab er sich auch leicht zuversichtlich für die weitere Entwicklung. «Nicht zuletzt die hohen Risikoaufschläge für Staatsanleihen erhöhen den Druck auf finanzschwache Länder, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen.»


«Überschiessen an Märkten»
Kraemer verwahrte sich zugleich gegen Kritik, die Ratingagenturen hätten auf Probleme in finanzschwachen Euro-Ländern zu spät mit Bonitätsherabstufungen reagiert. «Wir haben unsere Ratings für viele Euro-Länder bereits seit 2004 stetig gesenkt.» Die Finanzmärkte jedoch hätten bis weit in das Jahr 2008 hinein nicht auf diese Warnungen reagiert. «Nach dieser Phase des Unterschiessens sehen wir nun ein Überschiessen an den Märkten», sagte Kraemer mit Blick auf die extrem hohen Risikoaufschläge für Staatsanleihen finanzschwacher Euro-Länder.


S&P-Chefökonom äussert Zuversicht
Jean-Michel Six, Chefökonom für Europa bei S&P, zeigte sich unterdessen moderat optimistisch für die Konjunkturentwicklung im Währungsraum. «Der Ausblick ist nicht so schlecht, wie es die Stimmung an den Finanzmärkten vermuten liesse», sagte Six. Allerdings verwies der Ökonom auf das grosse Wachstumsgefälle im Euroraum. «Eigentlich kann man gar nicht mehr von Europa als Ganzes sprechen, weil die strukturellen Unterschiede zwischen einzelnen Ländern so gross sind.»


Wachstumsstützende Fundamentafaktoren
Six geht zwar davon aus, dass die starken Sparmassnahmen das Wachstum im Währungsraum in den beiden Jahren spürbar dämpfen werden. Allerdings nannte er auch mehrere fundamentale Faktoren, die das Wachstum stützen dürften. So werde der schwache Euro die Ausfuhren aus dem Euroraum beflügeln. Zudem habe der Unternehmenssektor seine Produktivität deutlich gesteigert, wenngleich zuvorderst in den grossen Mitgliedsländern. Die hohen Ersparnisse und der robuste Arbeitsmarkt in Deutschland dürften den privaten Konsum stützen. «Die Wandlung des deutschen Wirtschaftsmodells weg vom Export und hin zu einer stärkeren Binnennachfrage findet bereits statt», sagte Six.


EZB in der «Zwickmühle»
Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht Six angesichts der grossen Wachstumsunterschiede im Euroraum indes «in einer Zwickmühle». Letztlich aber könnte die anziehende Inflation die EZB zwingen, den Leitzins bereits im Herbst 2011 anzuheben. Nicht wenige Experten rechnen indes mit konstanten Zinsen für das ganze nächste Jahr. Vor allem steigende Rohstoffpreise könnten nach Ansicht von Six die Teuerung in Bereiche steigen lassen, die der EZB nicht mehr behagten. Der Ökonom verglich die Lage im kommenden Jahr mit der Situation im Sommer 2008, als die EZB den Leitzins anhob, obwohl die Finanzkrise ausgebrochen war und der Euroraum sich auf dem Weg in die Rezession befand. (awp/mc/ps/09)

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