Spielfilm übers Swissair-Grounding


Der Untergang der Swissair bewegt erneut die Massen. Nach zahllosen Presseartikeln, Radiosendungen und Büchern will jetzt ein Film die letzten Tage des fliegenden Nationalstolzes aufarbeiten.


Hauptrolle beim Swissair-Grounding: Mario Corti.
«Warum stand der Flugbetrieb am 2. Oktober 2001 still?», fragte Filmproduzent Peter-Christian Fueter am Freitag vor den Medien in Kloten. Der Film «Grounding – Die letzten Tage der Swissair» werde zeigen, was damals wirklich geschah. Grundlage des Films sei das Sachbuch «Der Fall der Swissair» von «Bilanz»-Chefredaktor René Lüchinger.

Spannende Geschichte erzählen
Zudem stütze man sich auf neue Dokumente, Berichte und Gespräche mit Betroffenen, sagte Fueter, der viele neue Erkenntnisse versprach. «Trotz aller gesellschaftspolitischen Relevanz des Themas, wollen wir in erster Linie eine spannende Geschichte erzählen», sagte Fueter.

Vorbild «JFK»
Hauptstrang der Handlung des Spielfilms ist das Grounding als der Höhepunkt der Swissair-Tragödie. Rückblenden aus Archivmaterial und schauspielerisch nachgestellte Szenen sollen die komplexe Geschichte dem Zuschauer nachvollziehbar machen. Der Inhalt solle in der Tradition von Filmen wie «JFK» oder «Traffic» erzählt werden.

Namhafte Besetzung
Für die Rollen wurden namhafte Schweizer Schauspieler angeheuert: Ex-Swissair-Chef Mario Corti wird von Hanspeter Müller («Lüthi und Blanc», «Sternenberg») verkörpert, Crossair-Gründer Moritz Suter durch Jürg Löw («Ernstfall in Havanna»). Gilles Tschudi («Mein Name ist Bach») spielt UBS-Chef Marcel Ospel, Rainer Guldener («Aktenzeichen XY») tritt als Ex-CSG-Chef Lukas Mühlemann auf.

Originalschauplätze
Gedreht werde der Streifen von Mitte Januar bis Ende März zum grössten Teil an den Originalschauplätzen. Hauptdrehort ist der einstige Swissair-Konzernsitz am Balsberg. Der Kinostart ist für den 2. Oktober 2005 vorgesehen, genau vier Jahre nach dem Grounding.

Damokles-Schwert
Über dem Projekt schwebt allerdings noch das Damokles-Schwert: Denn «es gibt Kreise, denen wäre es lieber, wenn der Film nicht entstünde», sagte Fueter, ohne Namen zu nennen. Um deren Anwälte keine Munition zu liefern, werde nur eine kleine Anzahl an Drehbüchern verteilt. Zudem ist es dem Produktionsteam und den Schauspielern verboten, mit Dritten über den Inhalt und die Entstehung des Films zu sprechen. Andernfalls müssten sie eine Konventionalstrafe von 50´000 Franken bezahlen, sagte Fueter.

Untergang der «fliegenden Bank»
Der Schock des Untergangs der «fliegenden Bank» sei in der Schweiz emotional noch keineswegs verarbeitet, sagte Fueter. Die grösste Firmenpleite der Schweizer Geschichte erschütterte nicht nur die hiesige Wirtschaft und Politik, sondern auch tausende von Angestellten, Passagieren und Aktionären.

Teil der nationalen Identität
«Die Swissair war Teil der nationalen Identität», sagte Regisseur Michael Steiner. Sie habe ein Bergvolk in die Welt gebracht und dort jahrzehntelang das Bild der heilen Schweiz vermittelt. Obwohl das Bild schon vorher Risse gehabt habe, sei es erst mit dem Grounding wirklich zerbrochen.

Aus staatsbürgerlichen Gründen angebracht
Angesichts der Milliarden an Steuergelder, welche in die Nachfolgegesellschaft Swiss gesteckt wurden, sei eine filmische Aufarbeitung des Themas allerdings auch aus staatsbürgerlichen Gründen angebracht, sagte Fueter. (awp/scc/pds)

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