Steueraffäre: Risiken im US-Geschäft waren bekannt

Als Beleg dafür gilt ein Brief des damaligen Chefjuristen und heutigen UBS-Verwaltungsratspräsidenten Peter Kurer an Birkenfeld vom Mai 2006, den die «Financial Times» am Mittwoch publik machte. In dem Brief schreibe Kurer, dass die Bank den Hinweisen Birkenfelds nachgegangen sei und die Resultate einer internen Untersuchung derzeit geprüft und bewertet würden, sagte UBS-Sprecher Serge Steiner zu dem Bericht der «FT».


Reihe von Massnahmen
Laut dem UBS-Sprecher hatte Birkenfeld 2006 eine Reihe von Beschwerden bezüglich der Praktiken seiner Arbeitskollegen im grenzüberschreitenden Geschäft mit US-Kunden eingereicht und auf die Verletzung interner Richtlinien hingewiesen. Kurer habe deutlich machen wollen, dass die Bank die Hinweise ernst nehme. Er habe Birkenfeld gedankt, dass er die entsprechenden Fragen aufgeworfen habe, sagte der UBS-Sprecher weiter. Im Anschluss seien die Richtlinien angepasst und die Überwachung verbessert worden. Der Brief sei als Kopie auch an andere Mitglieder der Konzernleitung gegangen. Die Namen der Adressaten wollte die UBS jedoch nicht nennen.


Schwerer Verdacht
Seit diesem Frühjahr ist bekannt, dass das amerikanische Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC untersuchen, ob Vermögensberater der UBS von 2000 bis 2007 US-Bürgern von der Schweiz Beihilfe zu Steuerhinterziehung geleistet haben. Birkenfeld selbst hatte Mitte Juni vor einem US-Gericht gestanden, reichen Amerikanern geholfen zu haben, Millionen von Steuergeldern am Fiskus vorbeizuschleusen. Platziert hatte er das Geld demnach bei Banken in der Schweiz und in Liechtenstein.


Urteils-Verkündung verschoben
Das Urteil gegen Birkenfeld sollte eigentlich am Mittwoch eröffnet werden, wurde nach Informationen der «NZZ am Sonntag» jedoch um zwei Monate auf den 17. Oktober verschoben. Damit erhält die US-Regierung mehr Zeit, um bei dem amerikanischen Banker Informationen einzuholen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Birkenfeld, der sich zur Zusammenarbeit mit der Justiz entschlossen hat, Namen von Kunden oder Beteiligten preisgibt. Die UBS hat inzwischen erklärt, sie werde das sogenannte Offshore-Geschäft für amerikanische Kunden aufgeben. Damit können US-Bürger ihr Vermögen nicht mehr bei UBS-Schweiz sondern nur noch in den USA direkt verwalten lassen.


Aktie unter Druck
Die Aktien der Grossbank UBS erlitten am Mittwoch erneut einen Taucher und verloren am Nachmittag über 5 Prozent. Neue Abschreibungen im Bankensektor in den USA hatten am Dienstag die Angst vor einer Ausweitung der Kreditkrise wieder angeheizt und den Finanzwerten kräftig zugesetzt. Europaweit standen daher die Aktien der Banken rund vier Prozent im Minus. «Dass UBS dabei mit über fünf Prozent herausstechen, liegt wohl daran, dass das Unternehmen zu den Banken gehört, die am tiefsten im Sumpf der US-Kreditkrise stecken», sagte ein Händler. Auch die neuerlichen Schlagzeilen über die Ermittlungen gegen die Bank in den USA dürften Grund für den Kurszerfall sein. (awp/mc/pg/26)

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