Studie: Unternehmen reduzieren massiv Zahl der Lieferanten

In diesem Jahr lag ein Fokus auf den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise, wie Roland Berger Strategy Consultants in einer Mitteilung schreibt.


Von Verkäufermärkten hin zu Einkäufermärkten
Bei den Einkaufszielen ist wegen des herrschenden Ergebnisdrucks eine neue Konzentration auf Kostenziele zu beobachten, die Beschaffungsmärkte haben sich von Verkäufermärkten hin zu Einkäufermärkten entwickelt. Top-Unternehmen managen in unsicheren Zeiten das Risiko der Lieferantenbasis zunehmend aktiv. Top-Einkaufs-Abteilungen agieren ausserdem auf Augenhöhe mit internen Kunden und Lieferanten und konzentrieren sich auf strategische Partnerschaften mit wenigen ausgewählten Lieferanten. Unternehmen, die Purchasing Excellence, also einen optimale Einkaufsorganisation erreichen, setzen auf zentrale Koordinationsmechanismen wie den «Lead Buying Ansatz». Dabei werden Lead Buyer mit gebündelter Einkaufsverantwortung je Warengruppe über Standorte und Länder hinweg definiert.


«Kostenziele im Einkauf wieder oberste Priorität» 
«Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise wirkt sich massiv auf Einkauf und Beschaffung weltweit aus», sagt Roland Schwientek, Partner im Kompetenzzentrum Operations Strategy bei Roland Berger Strategy Consultants. «Der auffälligste Trend ist, dass Kostenziele im Einkauf wieder ganz klar oberste Priorität haben. Die Beschaffungsmärkte der letzten Jahre haben sich zu Einkäufermärkten gewandelt – derzeit herrscht eine Bonanzastimmung in der Beschaffung.»


Purchasing Excellence – Was die Besten richtig machen
Die Studie belegt eindeutig: Die erfolgreichsten Einkaufsabteilungen agieren auf Augenhöhe mit internen Kunden und Lieferanten. «Hier hat ein Wandel stattgefunden hin zum voll akzeptierten Geschäftspartner – sowohl intern als auch extern», sagt Schwientek. Unternehmen, die Purchasing Excellence erreichen, also eine optimale Organisation ihres Einkaufs, räumen dieser Funktion in der Regel Vorstands- oder Geschäftsführungsrang ein. «Je konsequenter und früher der Einkauf in die gesamte Wertschöpfungskette eingebunden wird, desto positiver wirkt er sich auf das gesamte Unternehmen aus.» Besonders erfolgreich schneiden die Einkaufsabteilungen in Automobilindustrie und Handel ab.


Strategische Partnerschaften mit ausgewählten Lieferanten
Die besten Unternehmen reduzieren zudem die Zahl ihrer Lieferanten deutlich und konzentrieren sich ausserdem auf strategische Partnerschaften mit wenigen ausgewählten Lieferanten. «Dahinter steckt der Gedanke, gerade in unsicheren Zeiten die eigene Lieferkette nachhaltig abzusichern», sagt Schwientek. «Fällt nur ein Schlüssel-Lieferant aus, kann das immerhin die ganze Produktion lahmlegen.»


Erfolg durch Nachverhandlung und zentrale Koordination
Die meisten Unternehmen setzen nach wie vor auf kaufmännische Hebel wie etwa die Nachverhandlung von Preisen und Konditionen bereits abgeschlossener Verträge, hauptsächlich, um kurzfristige Erfolge zu erzielen. So haben rund zwei Drittel der Studienteilnehmer laufende Verträge auf eine neue Grundlage gestellt. Die Zahlungsziele sind dadurch beispielsweise von durchschnittlich 38 Tagen auf 56 Tage gestiegen. Top-Unternehmen nutzen daneben zunehmend weitere Möglichkeiten der technischen Optimierung, Prozessoptimierung sowie der Verbrauchssteuerung, zum Beispiel durch die Anpassung von Reiserichtlinien. Die Organisationskonzepte im Einkauf haben sich weiterentwickelt: So zeigt die Studie einen Trend zu zentraleren Koordinationsmechanismen. «Der Lead Buying Ansatz ist dabei das am häufigsten eingesetzte Konzept», sagt Schwientek. Dabei bestimmt das Unternehmen für jede Warengruppe Einkäufer mit gebündelter Einkaufsverantwortung über Standorte und Länder hinweg, so genannte Lead Buyer oder Mandatseinkäufer.


Nachhaltiges Wirtschaften sol honoriert werden
Ein weiterer Trend, der sich allerdings im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise leicht abgeschwächt hat, besteht darin, nachhaltiges Wirtschaften der Lieferanten zunehmend zu honorieren. Top-Performer integrieren Green- und Leantech Ziele, also etwa Umweltschutzstandards oder soziale Mindestanforderungen in die Zielvereinbarungen mit ihren Lieferanten (über so genannte external Balanced Score Cards).


Bessere Qualifikationen von Mitarbeitern
Die Professionalisierung des Einkaufs spiegelt sich nicht nur in den eingesetzten Instrumenten und Systemen wider, sondern zunehmend auch in der Qualifikation der Mitarbeiter. So ist der Anteil der Mitarbeiter im Einkauf mit akademischer Ausbildung sowie technischem Hintergrund unter den Top-Performern weiter von 17 auf 25 Prozent gestiegen, das heisst mittlerweile hat jeder vierte im Einkauf Beschäftigte einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss. Der Technikeranteil stieg innerhalb von nur drei Jahren von 14 auf 29 Prozent.


Informationen
Eine Kurzfassung der Studie können Sie kostenfrei bestellen unter: www.rolandberger.com/pressreleases . Die ausführliche Fassung ist gegen eine Schutzgebühr von 285 Euro zu beziehen.


Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit 36 Büros in 25 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. 2.100 Mitarbeiter haben im Jahr 2008 einen Honorarumsatz von mehr als 670 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschliesslichen Eigentum von rund 180 Partnern. (roland berger/mc/ps)

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