Swiss Re: Verlust im dritten Quartal – Finanzkrise belastet

Die von AWP befragten Analysten hatten einen Gewinn in der (grossen) Bandbreite von 81 bis 983 Mio CHF erwartet. Swiss Re CFO George Quinn verwies an einer Telefonkonferenz darauf, dass in den ersten neun Monaten des Jahres immerhin noch einen Gewinn von 884 Mio CHF resultierte. Das Eigenkapital lag per Ende September mit 24,1 (VQ 25,6) Mrd CHF am unteren Ende der geschätzten Bandbreite von 23,9 bis 26,2 Mrd CHF. Dabei drückten vor allem unrealisierte Verluste auf Anlagen im Umfang von 1,9 Mrd CHF stark auf das Kapital, während positive Währungseinflüsse von 0,9 Mrd CHF einen noch deutlicheren Rückgang verhinderten. Die Eigenkapitalrendite wird für das Berichtsquartal mit -2,7 (+8,5)% ausgewiesen.


Kapitalverluste belasten Spartenergebnisse
Realisierte Kapitalverluste von insgesamt 2,2 Mrd CHF belasteten das Ergebnis über alle Sparten hinweg. So ging das operative Ergebnis im Sach- und Haftpflichtgeschäft (P&C) auf 99 (VJ 1’635) Mio CHF zurück. Ohne die Anlageverluste hätte der Gewinn 710 Mio CHF betragen. Der Rückgang der Prämieneinnahmen um 24% auf 3’610 (4’775) Mio CHF, sei insbesondere auf den mit Berkshire Hathaway abgeschlossene Quotenrückversicherungsvertrag zurückzuführen, so Quinn.


Cost-Income-Ratio von 82,5 auf 99,8 Prozent verschlechtert
Aber auch die Wirbelstürme Ike und Gustav belasteten die Rechnung stärker als zunächst erwartet. Neu rechnet Swiss Re mit Kosten von insgesamt 365 Mio USD, nachdem die Schätzungen Ende September noch mit 300 Mio USD angegeben wurden. Der Schaden-Kosten-Satz verschlechterte sich auf 99,8% nach 82,5% im schadenarmen Vorjahresquartal. Im Leben- und Krankengeschäft schlugen die Kapitalverluste mit 1’835 Mio CHF zu Buche. Zudem drückten die schlechten Resultate im Mortalitätsgeschäft auf das Ergebnis. Der operative Verlust betrug 614 (Gewinn 804) Mio CHF. Die operativen Erträge gingen insgesamt um 15% (-7% in LW) auf 3’725 (4’403) Mio CHF zurück.


SCDS belasten weiter
Ebenfalls einen Verlust hat der Bereich Financial Markets eingefahren. Hier sank das Ergebnis auf -76 Mio CHF nach zuvor 1’750 Mio CHF. Dabei wies Swiss Re im dritten Quartal einen Mark-to-market-Verlust auf strukturierten Credit Default Swaps (SCDS) von 289 Mio CHF aus und schätzt diese im Oktober auf 188 Mio CHF. Im Corporate CDS-Portfolio belaufen sich die Belastungen seit Jahresbeginn auf 75 Mio CHF.


Weiterhin grosse Risikopositionen
Noch hält Swiss Re grosse Risikopositionen in ihren Büchern. Der Marktwert des SCDS-Portefeuilles steht bei 1,95 Mrd CHF, jener der sich ebenfalls in der Abwicklung (Run Off) befindenden Corporate CDS-Postitionen liegt zwischen 14 und 15 Mrd CHF. Auch aus dem Finanzgarantiegeschäft wolle man sich Schritt für Schritt zurückziehen, so Quinn weiter.


Anlagen von hoher Qualität
Die Qualität der Anlagen sei indes hoch. Über 50% des Portfolios bestehe aus liquiden, geldähnlichen und kurzfristigen Anlagen oder Staatsanleihen. Das Corporate Bond-Portfolio (35,5 Mrd CHF) wurde ganz abgesichert und von den strukturierten Produkten (39,9 Mrd CHF) seien 32% staatlich abgesichert respektive 54% mit einem AAA-Rating versehen.


Gut kapitalisiert – Ziele bestätigt
Quinn sieht Swiss Re gut kapitalisiert und weist auf das Überschusskapital, das mit 5,0 bis 5,5 Mrd CHF die Basis für das AA-Rating lege, hin. Das 7,75 Mrd CHF schwere Aktienrückkaufsprogramm wurde vorübergehend eingestellt. Swiss Re will so die stürmischen Zeiten abwarten und sich auf die steigende Nachfrage nach Rückversicherungen vorbereiten. Die Ziele (jährl. EPS-Wachstum von 10% und EK-Rendite von 14%) wurden bestätigt.


Analysten enttäuscht
Die Aktie verliert gegen 13.30 Uhr 2,2% auf 49,64 (Tiefst: 46,60) CHF. Analysten schreiben von einem enttäuschenden Resultat und weisen auf die nach wie vor grossen Risikopositionen hin. Der SMI steigt derweil um 1,5%. (awp/mc/ps/04)

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