Telekom-Chef Obermann gerät in Bespitzelungsaffäre unter Druck

Dies berichtet die «Süddeutsche Zeitung» (Donnerstag). «Die Telekom hat die Redaktion damals nicht informiert», sagte ein Telekom-Sprecher dem Blatt. Man habe gehofft, den Fall aus der Öffentlichkeit heraushalten zu können. Laut Spiegel-Online sagte der Telekom-Sprecher zu der langen Geheimhaltung, «in der Phase (…) wäre es schädlich gewesen, an die Öffentlichkeit zu gehen – weil wir die Aufklärung damit behindert hätten».


Von Einzelfall ausgegangen
Rückblickend könne man dies kritisch hinterfragen, sagte der Sprecher der SZ. «Wir sind damals aber davon ausgegangen, dass es sich um einen Einzelfall handelt», sagte er. Das Bonner Unternehmen informierte den betroffenen Redakteur vor einigen Tagen, nachdem weitere Bespitzelungsfälle aufgetaucht waren. Es soll sich um den Journalisten Reinhard Kowalewsky vom Magazin «Capital» gehandelt haben, wie das Magazin bestätigte. Dieser hatte 2005 und 2006 wiederholt über Interna aus Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen berichtet. Die Sicherheitsleute der Telekom hätten vermutet, dass der Redakteur seine Informationen vom Chef des Konzernbetriebsrats, Wilhelm Wegner, erhalte, der dem Aufsichtsrat angehört. Der Fall «Capital» wurde bei der Telekom im Sommer 2007 durch einen internen Hinweis bekannt. Obermann hatte daraufhin den Chef der Sicherheitsabteilung entlassen und die Konzernsicherheit umgekrempelt.


Aufsichtsrat stärkt Obermann den Rücken
Der Aufsichtsrat der Telekom stärkte Vorstandschef René Obermann in der Bespitzelungsaffäre den Rücken. Das Kontrollgremium habe ausdrücklich die von ihm eingeleiteten Massnahmen begrüsst und seinen Kurs unterstützt, um künftig einen Datenmissbrauch in dem Unternehmen zu verhindern, sagte Konzernsprecher Philipp Schindera am späten Mittwochabend in Bonn nach der Sitzung des Gremiums. Unterdessen weitet sich die Affäre aus. Die Deutsche Telekom soll nach einem Medienbericht viel früher als bisher bekannt Spitzelaufträge erteilt haben, um Informanten aus dem Konzern auf die Schliche zu kommen. Wie die «Financial Times Deutschland» (FTD) in ihrer Donnerstagsausgabe berichtet, erteilte das Unternehmen dazu bereits im Jahr 2000 Aufträge. (awp/mc/ps)

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