Tim Talaat, CEO Looser Holding

von Bob Buchheit


Herr Talaat, zwei Kapitalerhöhungen in Folge haben die Nettoverschuldung von Looser markant auf 133,1 Mio. CHF sinken lassen. Das Verhältnis Schulden zu Eigenkapital fiel deutlich von 1,14 auf 0,62  und die Eigenkapitalquote stieg von 31,4% auf für Schweizerische Verhältnisse komfortable 40,5%. Gedankt hat das die Börse mit einer Kursverdopplung der Looser-Aktie, nachdem selbige zwei Jahre lang kontinuierlich niedergeknüppelt wurde. Wo sehen Sie den fairen Wert der Looser Namen. Das KGV liegt wieder deutlich unter 10.


Es liegt grundsätzlich nicht am Management der Looser Holding, den Wert der eigenen Unternehmung darzustellen bzw. zu bewerten. Ich glaube, die Marktbewertung ist die beste Messlatte für unser Unternehmen und damit für unsere Aktie. Es ist zwar korrekt, dass das KGV der Looser Holding Namenaktie in Bezug auf vergleichbare Industrieunternehmen eher am unteren Ende der Bandbreite liegt. Unter Berücksichtigung der Vielzahl von Projekten, die wir innerhalb der Looser Gruppe zur nachhaltigen Verbesserung der operativen Ergebnisse bereits umgesetzt bzw. lanciert haben, glauben wir alles zu tun, um unsere Resultate kontinuierlich zu verbessern und damit unserem Titel zu zusätzlicher Attraktivität zu verhelfen. Der Markt ist die beste Quittung dafür. Auch nicht zu vernachlässigen, ist das grosse Engagement von Verwaltungsrat und Management. Beide Gremien glauben an die positive Zukunft der Looser Holding.


Aktionäre können zum ersten Mal eine Ausschüttung in Form einer Nennwertreduktion von& CHF 1,30 einziehen. Das entspricht einer Auszahlungsquote von 20%. Ist das auch in Zukunft das Zielband?


Die Ausschüttung, die wir 2010 zum ersten Mal vornehmen dürfen, soll kein einmaliges Ereignis bleiben. VR und Management haben sich zum Ziel gesetzt, künftig einen Anteil von 25 bis 35 Prozent des Konzerngewinns an die Aktionäre auszuschütten. Selbstverständlich steht die Festlegung der Ausschüttungsquote immer in direkter Abhängigkeit zur Entwicklung der operativen Ergebnisse bzw. des Cash Flows.



«Die Ausschüttung, die wir 2010 zum ersten Mal vornehmen dürfen, soll kein einmaliges Ereignis bleiben.» Tim Talaat, CEO Looser Holding


Looser schafft einen reproduzierbaren Cashflow. Trotz des schwierigen Umfelds konnte er im 2009 wegen Sparmassnahmen und günstigerer Einkaufspreisen sogar  von 36,5 auf 44,5 Mio. CHF gesteigert werden. Das lässt Ihnen Luft für Zukäufe.  In welcher Ihrer vier Geschäftsbereiche Beschichtungen, Industriedienstleistungen, Temperierung und Türen macht so etwas am meisten Sinn?


Im Hinblick auf Akquisitionen legen wir das Schwergewicht auf die Geschäftsbereiche Temperierung und Türen. Zum Beispiel prüfen wir im Bereich Temperierung Projekte in den USA, die zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht spruchreif sind. Für unseren Bereich Türen würde ein Expansionsschritt aus Deutschland heraus in ausgewählte Länder wie beispielsweise die Schweiz oder die Türkei, Sinn machen. Auch hier sind wir daran, entsprechende Vorabklärungen zu treffen.

Im Geschäftsbereich Beschichtungen haben wir eine Vielzahl von ertragszuträglichen Projekten gestartet. Hier legen wir das Schwergewicht auf den Ausbau unserer Verkaufsstruktur und die weitere Professionalisierung unserer Verkaufsmitarbeitenden. Wir wollen eine schlagkräftige Verkaufsorganisation werden. Darüber hinaus wollen wir mit  innovativen Produkten im Markt mitmischen, also mit Produkten, die das organische Wachstum positiv beeinflussen:  Beim Geschäftsfeld Industriedienstleistungen, bei dem wir uns hauptsächlich auf die Schweiz und das nahegelegene Ausland konzentrieren, haben wir mit dem Kauf der MobiToil erst kürzlich eine synergetische Akquisition getätigt. Wir arbeiten derzeit an der Finalisierung der Integration von MobiToil AG in die Condecta AG. Nichtsdestotrotz halten wir auch hier die Augen offen und prüfen mögliche Arrondierungs-Akquisitionen.


Mit der Übernahme von Mobi-Toil ist Looser ins Geschäft mit mobilen Toiletten eingestiegen. Das macht aber weniger als 1% Ihres Gesamt-Umsatzes aus, immerhin aber rund 10% vom Segment Industriedienstleistungen. Wurde diese Akquisition getätigt, weil Sie ja auch Kräne und Lager vermieten, um sozusagen ein Gesamtdienstleister im Baugewerbe zu sein?


Die MobiToil AG ist eine ideale Ergänzung zur Produktpalette von Condecta AG, sowohl im Sektor Bauindustrie wie auch im Eventbereich. Natürlich scheint die Übernahme der  MobiToil eine eher kleine Akquisition zu sein, aber sie war synergetisch gesehen gut und wie man sieht, wirkungsvoll. Durch diese Akquisition ist die Condecta AG auf einen Schlag zur Nr. 2 im Kunststoff-Sanitäreinheiten-Segment aufgestiegen. Darüber hinaus kann Condecta nun schweizweit als Gesamtanbieterin im Bausektor auftreten und im Segment Events das Angebot ergänzen, was das künftige Wachstum unterstützen wird.


Die Single Gruppe, die den Bereich Temperierung darstellt, musste 2009 unten durch. Bei einem 40%igen Umsatzverlust schrieb man knapp schwarz. Könnte Ihnen ein Wiederaufflammen der Sparwut den Turnaround versalzen?


Es ist korrekt, dass wir im Rezessionsjahr 2009 bei Single einen Umsatzrückgang von beinahe 40% hinnehmen mussten. Wir konnten diesen Umsatzrückgang aber ohne Abbau von Schlüsselpersonen innerhalb der Single bis auf Stufe EBIT auffangen.


Single hat in dieser Phase von ihrer schlanken Organisationsstruktur und von der Auslagerung ihrer Kernprozesse an Subunternehmen profitiert. Damit konnte Single rascher und flexibler auf diese gravierenden Marktveränderungen reagieren. Damit mussten also auch im Rezessionsjahr keine Sparmassnahmen umgesetzt werden, welche die weitere nachhaltige Entwicklung von Single gefährden würden. Auftragslage und Umsätze sind in den ersten Monaten 2010 im zweistelligen Bereich gewachsen und Single ist absolut in der Lage, dieses Wachstum auch zu bewältigen.


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Dass man sich in einem rückläufigen Markt gut schlagen kann, beweist die von Looser vor  3 Jahren gekaufte Deutsche Prüm Garant, welche allein mit Türen 190 Mio. CHF Umsatz macht. In Deutschland, generell Ihr wichtigster Markt, gibt es ja immer noch einen gewaltigen Nachholbedarf beim Bau. Das lässt Sie sicherlich trotz aller momentaner Konjunkturängste optimistisch auf die Auftragsbücher blicken, oder?


Die aktuelle Auftragslage, aber auch die Umsatzentwicklung bei der Prüm Garant Gruppe, zeigen trotz der strengen Wintermonate 2009/2010 eine erfreuliche Entwicklung. Positiv stimmen hier auch nachhaltige Marktstudien, welche kürzlich eine nach oben angepasste Prognose für die Entwicklung des Innentürenmarkts Deutschland für die Jahre 2010 bis 2012 voraussagen ? vor allem die Prognosen für den Markt Innentüren. Davon kann die Prüm Garant Gruppe überproportional profitieren, weil die Gruppe in diesem Segment sehr gut positioniert ist. Die aktuellen Marktprognosen gehen für den gesamten Innentürenmarkt für die Jahre 2010 von Wachstumsraten zwischen 1% und 3% aus, wobei das Teilsegment Innentüren Wohnraum laut dieser Studie über 5% wachsen soll. Dies lässt auf eine gute Umsatzentwicklung bei der Prüm Garant Gruppe schliessen und stimmt uns optimistisch.


Im Segment Beschichtungen war das gute Abschneiden in Asien ja erwartet worden, aber warum stiegen die Verkäufe von Antihaftlacken und vor allem Holzlacken mit 18% in Europa dermassen stark? Machten sich plötzlich alle Firmen für den kalten Winter bereit?


Im Antihaftlack-Geschäft profitieren wir in Bezug auf unsere Produkte von unserem Innovationsvorsprung. Dies, vor allem in den Regionen Asien und Europa. Zum Beispiel ist die Looser Gruppe mit ihren Beschichtungstechnologien im Cookware-Bereich seit Langem Anbieter von ökologisch fortschrittlichen PTFE-Antihaftbeschichtungen. Ausserdem  haben uns neueste Entwicklungen von PTFE-freien Keramikbeschichtungen einen deutlichen Wettbewerbsvorsprung gebracht ? vor allem in der Region Europa.

Das Holzlackgeschäft in Europa konnten wir 2007 und 2008 signifikant auf namhafte Hersteller von Laminatböden sowie Holzrückwände fokussieren und uns damit gegenüber unseren Wettbewerbern durchsetzen. Die daraus resultierten Kundengewinne bescherten uns in der Folge das starke Wachstum im Geschäftsjahr 2009. Darüber hinaus konnten wir uns bei Kunden in der Türkei stark positionieren.



«Aufgrund der initialisierten Projekte sowie den daraus entstehenden Möglichkeiten, wird ein  Umsatz von über CHF 500 Mio. im Rahmen unserer Möglichkeiten liegen.»


Kommen wir vom einzelnen wieder zu den grossen Zügen. Ist die 2008 knapp verfehlte halbe Umsatzmilliarde 2011 fällig?


Aufgrund der initialisierten Projekte sowie den daraus entstehenden Möglichkeiten, wird ein  Umsatz von über CHF 500 Mio. im Rahmen unserer Möglichkeiten liegen. Wobei wir nicht unbedingt nur auf die Umsatzgrösse fokussiert sind, sondern versuchen, unsere EBITDA-Marge mit einem Range von 13% bis 15% in Richtung der oberen Bandbreite zu entwickeln. Im Vordergrund stehen nachhaltige Verbesserungen beim operativen Ergebnis.


Welchen Anteil am Gesamtumsatz projizieren Sie für 2020 in Asien, wo ja gebaut wird, dass sich die Balken biegen?


Wie Sie wissen, sind solche Prognosen ? vor allem langfristige ? stets mit einer gewissen Unsicherheit behaftet. Im Jahr 2008 hatten wir in Asien einen Umsatzanteil von 10.4% und 2009 von 10.11%.  Man könnte sich vorstellen, dass sich der Umsatzanteil in Regionen von 20% erhöhen wird, muss dabei aber berücksichtigen, dass wir auch in den USA quantitativ wachsen möchten. Vielleicht ist eher die Grössenordnung des Umsatzes in Asien interessant. Im Jahr 2009 erwirtschafteten wir CHF 47.4 Mio. in Asien, im Jahr 2008 CHF 51.6 Mio.


Mit Kapitalerhöhungen in einem Preisband von 206 CHF (erste Kapitalerhöhung) und 25 CHF (letzte Kapitalerhöhung) hat Looser die Nerven der Anleger strapaziert. Was sagen Sie zu deren Beruhigung?


Für Aktionärinnen und Aktionäre, die zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung im Jahr 2009 eingestiegen sind, hat sich die Aktie seither äusserst positiv entwickelt. Wenn sich die Looser Gruppe in rezessiven Phasen wie im Jahr 2009 auch weiterhin stark behaupten kann und sich die Bewertungen an den Börsen wieder in vergleichbare Werte wie im 2007 entwickeln, wird sich der Börsenkurs auch im Sinne unserer Aktionärinnen und Aktionäre entwickeln. Und die Looser Gruppe arbeitet mit grossem Engangement an einer Vielzahl von  Projekten, um die nachhaltige Profitabilität sowie das Wachstum der Looser Gruppe und ihren Gesellschaften weiter zu steigern bzw. zu verbessern.





Zur Person:
Tim Talaat ist seit Januar 2009 Chief Executive Officer (CEO) der Looser Holding AG. Er ist diplomierter Elektro-Ingenieur und hält ein MBA des IMD in Lausanne. Darüber hinaus absolvierte er 2001 an der Stanford University in Palo Alto, Kalifornien, USA, erfolgreich das Senior Executive Program. Bevor Tim Talaat seine CEO-Funktion bei der Looser Holding antrat, war er als Managing Partner bei der Swiss Industrial Finance AG tätig. Von 1996 bis 2006 arbeitete er bei SR Technics. Er war dort Leiter Verkauf und Marketing und damit Mitglied der Geschäftsleitung von SR Technics Switzerland. 2003 wurde er zum CEO der SR Technics Gruppe ernannt. In dieser Funktion spielte er unter anderem eine wichtige Rolle bei der internationalen Expansion des Unternehmens. Zuvor war er während 20 Jahren in den Branchen Informationstechnologie und Maschinenbau tätig und übte dort diverse leitende Funktionen in den Bereichen Entwicklung, Fertigung sowie Marketing und Verkauf aus.


Zum Unternehmen:
Die Looser Holding  AG ist eine international tätige Industriegesellschaft mit Sitz in Arbon (CH). Die Unternehmensgruppe ist in den Geschäftsbereichen Beschichtungen, Temperierung, Industriedienstleistungen sowie Türen tätig. Rund 1?600 Mitarbeitende arbeiten in 22 operativen Gesellschaften in Europa, Asien und den USA für die Gruppe. Die Namenaktien der aus einem  klassischen Schweizer Familienunternehmen hervorgegangenen internationalen Holding sind an der SIX Swiss Exchange kotiert.

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