Toni Luginbühl, Präsident der Geschäftsleitung der Zuger Kantonalbank

von Patrick Gunti


Herr Luginbühl, die Zuger KB hat 2007 mit einem Rekord-Jahresgewinn von 49,4 Mio. (+ 23,1 %) und einem Rekord-Bruttogewinn von 121,9 Mio. Franken abgeschlossen. Wie werten Sie dieses Resultat?


Es ist das Resultat einer Geschäftsstrategie, die auf vorsichtiger Risikopolitik, Nachhaltigkeit und Gewinnoptimierung basiert. Gewinnmaximierung und «Volumen zu jedem Preis» entsprechen nicht unserer Geschäftsphilosophie. Aber auch die günstige Wirtschaftsentwicklung führte zu diesem Rekordergebnis.

Das Zinsgeschäft ist mit einem Anteil von 68 % weiter der Hauptertragspfeiler der Zuger Kantonalbank. Was prägte das Geschäftsjahr in diesem Bereich?


Auch bei der Zuger Kantonalbank erodierte die Zinsmarge leicht. Dass der Zinsertrag dennoch um 3% auf 142 Mio. Franken erhöht werden konnte, liegt daran, dass die Kundenausleihungen um rund 200 Mio. Franken und die Kundengelder um rund 300 Mio. Franken zunahmen.

Welche Politik verfolgt die Zuger Kantonalbank im Hypothekargeschäft, wo sie sich an einem attraktiven Standort einem zunehmenden Wettbewerb ausgesetzt sieht?


Wir müssen besser sein als die Konkurrenz, nicht unbedingt bei den Preisen, sondern mit unserer unbestrittenen Fach- und Beratungskompetenz, die auf Nachhaltigkeit und Partnerschaft ausgelegt ist.


Sie konnten die Kommissionserträge trotz der durch die Kreditkrise ausgelösten Turbulenzen an den Finanzmärkten mit einem Plus von 7,6 % und einem Total von 49,8 Mio. Franken abschliessen. Wo liegen die Hauptgründe?


Es ist unser erklärtes Ziel, das indifferente Geschäft als zweites Standbein weiter auszubauen. Das für die Banken an sich günstige Börsenumfeld und eine erfreuliche Entwicklung der Vertriebskommissionen im Fondsbereich trugen zu dieser Steigerung bei.


Ist die Kreditkrise auch eine Chance für kleinere Banken? Haben Sie Anhaltspunkte dafür, dass sich verunsicherte Kunden von den Grossbanken der Zuger Kantonalbank zuwenden?


Es wurde den kleineren Banken oft vorgeworfen, sie hätten zu viele «Eigene Mittel» und dadurch eine zu geringe Eigenkapitalrendite. Heute wird vielen Investoren und Analysten wieder einmal aufgezeigt, dass Eigenkapitalrendite und Risiko in einem engen Zusammenhang stehen. Je höher eine angestrebte Rendite, desto höher auch das Risiko. In diesem Sinne gibt es tatsächlich zunehmend Kunden, die auf Banken mit hoher Eigenkapitalausstattung ausweichen.

Ist Ihre Bank selber von der Krise betroffen?


Die Zuger Kantonalbank ist weder direkt noch indirekt von der US-Kreditkrise betroffen. Sollten aber die Wirtschaft oder das gesamte Bankensystem in Mitleidenschaft gezogen werden, wären wir systembedingt nicht abgeschottet. Gerade für einen solchen, unwahrscheinlichen Fall käme einer guten Eigenmittelausstattung, wie sie die Zuger Kantonalbank ausweist, grosse Bedeutung zu.


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Wie beurteilen Sie die Folgen der Kreditkrise und welche Lehren lassen sich daraus ziehen? 


Die Kreditkrise zeigt mit aller Deutlichkeit, dass schnelles Geldverdienen und hohe Renditen früher oder später vom Markt korrigiert werden. Wenn der Mensch aus reinigenden Gewittern lernen würde, wäre dieser heutigen Krise sogar eine positive Seite abzugewinnen. Meine Erfahrungen lassen in mir aber Zweifel aufkommen.

Die Zuger Kantonalbank verfügt über einen deutlich höheren Deckungsgrad als von Gesetzes wegen verlangt. Der Erfolg gibt Ihnen recht, aber wie gross ist die Versuchung, zwischenzeitlich etwas risikoreicher zu agieren?


Die Zuger Kantonalbank gehört tatsächlich zu den höchst kapitalisierten Banken der Schweiz. Der Verwaltungsrat legt die Geschäftsstrategie und damit auch die Risikopolitik fest. Dass in boomenden Märkten ab und zu der Gedanke einer grösseren Risikoaversion aufkommen ist denkbar. Krisen demgegenüber bestätigen dann wiederum die Richtigkeit früherer risikobewusster Entscheide.


«Wenn der Mensch aus reinigenden Gewittern lernen würde, wäre dieser heutigen Krise sogar eine positive Seite abzugewinnen. Meine Erfahrungen lassen in mir aber Zweifel aufkommen.» (Toni Luginbühl, Präsident der Geschäftsleitung der Zuger Kantonalbank)


Wie beurteilen Sie die Marktstellung der Zuger Kantonalbank generell?


Die Marktanteile in unseren strategischen Geschäftsfeldern liegen zwischen 50% und 80%. Es ist unser Ziel, diese Marktanteile zu halten und mit dem Markt im Kanton Zug weiter zu wachsen.


Wie sieht Ihr Ausblick für das laufende Geschäftsjahr aus?


Derzeit herrscht überall grosse Unsicherheit. Eine Prognose zur Wirtschafts- oder Zinsentwicklung ist kaum möglich. Für die Finanzwirtschaft wird 2008 vermutlich aber ein schwieriges Jahr. Trotzdem bin ich sehr  zuversichtlich, dass die Zuger Kantonalbank, dank ihrer vorsichtigen und auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Geschäftspolitik in einem über dem Durchnitt wachsenden Kanton Zug, wiederum ein gutes Jahresergebnis erarbeiten kann.


Herr Luginbühl, besten Dank für das Interview.





Zur Person
Toni Luginbühl, Jahrgang 1948, machte eine Banklehre mit anschliessenden breit gefächerten Weiterbildungen und Aufenthalten im In- und Ausland. Als Verantwortlicher für den Kreditbereich wurde Toni Luginbühl 1988 in die Geschäftsleitung der Zuger Kantonalbank berufen. 1992 übernahm er die Führung des Kommerzdepartementes und 1996 den neu geschaffenen Bereich Logistik, in dem auch die Informatik angegliedert war. 1999 wurde Toni Luginbühl vom Bankrat zum Präsidenten der Geschäftsleitung der Zuger Kantonalbank ernannt.

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