Unerwartet guter Start des Weihnachts-Geschäfts in den USA – Aber Vorsicht!


Das wichtige Weihnachtsgeschäft ist in den USA überraschend gut angelaufen. Doch dies ist noch nicht repräsentativ. Und die Daten der Autohändler stimmen gar nicht zuversichtlich. Die «Aktionitis» rächt sich.

Von Patrick Capponi

In den USA hat mit dem «Thanksgiving Day» am letzten Donnerstag traditionell das wichtige Weihnachtsgeschäft begonnen. Die jüngsten Zahlen deuten auf ein gutes Geschäft hin. In den ersten drei Tagen haben US-Shoppers 15,9 Mrd. Dollar ausgegeben. Das sind 12 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wal-Mart, JC Penney und Co.
Wal-Mart meldete für den «Black Friday» mit 1,43 Mrd. Dollar Umsatz einen neuen Tagesrekord in der Geschichte des Unternehmens. Der Erfolg des weltgrössten Einzelhändlers ist bezeichnend für die Grundstimmung der Shopper. Die Devise heisst: «je günstiger desto besser». Die Kunden wollen Schnäppchen. Schon seit Wochen übertreffen sich die Einzelhändler mit Sonderangeboten. Wal-Mart, der tiefe Preise zur Unternehmensphilosophie erhoben hat, liegt daher voll im Trend. Gut lief es auch für J.C. Penney.

Apple meldet RekordbesucherPositive Kommentare kamen auch von Hewlett Packard, Dell und Apple. Ron Johnson, Senior Vice President von Apple, sagte, dass in der letzten Woche über 365’000 Leute die 50 Apple-Läden besucht haben. Der Computer-Hersteller hatte erst am vorletzten Wochenende die Läden Nr.49 in Denver Colorado und Nr.50 in Emeryville eröffnet.

Favoriten-Einkaufsliste
Zuoberst auf den Einkaufslisten stehen unter anderem die Rapunzel-Barbie-Puppe von Mattel und die Playstation 2 von Sony. Wer zudem das ultimative Spielerlebnis sucht, sollte sich die neusten Graphikkarten anschauen. Die Radeon´s von ATI und die GeForce FX von Nvidia liefern sich ein heisses Rennen. Auch sie stehen neben DVD-Playern und Digitalkameras in der Gunst der Weihnachtseinkäufer. Von der Nachfrage nach Spielkonsolen dürften auch die Hersteller der Spiele wie z.B. Electronic Arts, Activision etc. profitieren.

Boomendes Online-Geschäft vor Weihnachten
Das Weihnachtsgeschäft könnte auch für das Online-Geschäft zum Erfolg werden. Die Preisvergleichs-Website BizRate.com schätzt, dass über das verlängerte Wochenende Waren im Wert von 679,3 Mio. Dollar über das Netz abgesetzt wurden. Dies wären über 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Für das gesamte Weihnachtsgeschäft rechnet BizRate.com mit einer Umsatzzunahme von 25 Prozent auf 8 Mrd. Dollar. Die hohen Steigerungsraten sind nicht zuletzt auf deutliche Kaufanreize wie kostenlose Lieferung zurückzuführen.

Keine Party für KreuzfahrtschiffeWeniger erbaulich präsentiert sich die Situation in einem Zweig der Reisebranche. Bei einigen Kreuzfahrtschiffen herrscht im Moment Katerstimmung. Das Norwalk-ähnliche Virus hat mehrere hundert Passagiere ausser Gefecht gesetzt. Die meisten Erkrankten leiden unter Erbrechen und Durchfall. Betroffen waren bis jetzt die «Magic» der Disney-Kreuzfahrtlinie und die «Amsterdam» der Holland-America-Linie von Carnival. In den letzten Monate gab es auch vereinzelt Fälle auf den Schiffen «Ryndam» und «Statendam». Sie gehören ebenfalls zur Holland-America-Linie.

US-Autoverkäufe: Zurückhaltung der KundenIn den USA wurden im November 13 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft als noch im Vorjahr. Zu den grossen Verlierern zählten Ford (-21 Prozent), General Motors (-18 Prozent) und DaimlerChrysler (-12 Prozent). Noch im Oktober haben die grossen US-Autokonzerne ihre Kaufanreiz-Programme, wie Null-Prozent-Finanzierungen oder vorzeitige Beendigung von Leasingverträgen, neu aufgelegt. Der Autoabsatz in den USA macht ungefähr 15 Prozent des gesamten US-Einzelhandelsumsatzes aus.

Mehr ausgegeben als geplantDer Start in das wichtige Weihnachtsgeschäft ist in den USA gut angelaufen. Sonderangebote, Rabatt-Coupons, Produktzugaben oder sonstige Extras zeigen Wirkung. Gemäss der Martforschungs-Agentur America´s Research Group haben am letzten Wochenende ein Drittel der Befragten bereits mehr für Geschenke ausgegeben als ursprünglich geplant. In den Ohren der Einzelhändler ist dies Weihnachtsmusik. Skepsis ist jedoch weiterhin vorhanden.

Weniger Zeit für ShoppingDoch Euphorie ist fehl am Platz: Ein Blick auf den Kalender zeigt nämlich folgendes: «Thanksgiving Day» findet jeweils am vierten Donnerstag im November statt. Letztes Jahr war dies der 22. November. Heuer der 28. November. Die Shoppingsaison wurde also eine Woche später eingeläutet. Damit bleibt den Konsumenten bis Weihnachten weniger Zeit fürs Einkaufen. Gut möglich also, dass sie deshalb bereits am ersten Wochenende kräftig zugeschlagen haben und die Ergebnisse des ersten Shopping-Weekends deshalb verzerrt sind.

Nicht überbewertenUnabhängig davon ist es gefährlich, alleine auf Basis der Thanksgiving-Wochenend-Verkäufe Rückschlüsse auf die gesamte Holiday Season zu ziehen. Der sogenannte «Black Friday», der Tag nach Thanksgiving, war im Durchschnitt der letzten fünf Jahre lediglich der sechst-geschäftigste Shoppingtag des Weihnachtsgeschäfts.

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