US-Schluss: Schwach – Sorgen über sinkende Konsumausgaben

Ausserdem verwiesen Börsianer auf neue Nachrichten über weitere Opfer der Subprime-Krise. Die Sentinel Management Group hatte am Dienstag einen 1,5 Milliarden schweren Fonds eingefroren, weil zu viele Investoren versucht hätten, ihr Geld abzuziehen. Vor allem Finanztitel, aber auch Werte aus der Konsumbranche hätten darunter gelitten, sagten Händler.


Der Dow Jones Industrial Average (DJIA) verlor erneut mehr als 200 Punkte, hielt sich aber über der psychologisch wichtigen Marke von 13.000 Punkten. Der Leitindex gab 1,57 Prozent auf 13.028,92 Zähler ab. Der marktbreite S&P-500-Index sank um 1,81 Prozent auf 1.426,56 Zähler. An der NASDAQ verlor der Composite-Index 1,70 Prozent auf 2.499,12 Punkte. Der Auswahlindex NASDAQ 100 gab um 1,71 Prozent auf 1.901,32 Punkte nach.


Sorgen über Liquiditätsengpässe wegen der US-Hypothekenmarktkrise haben nach Angaben von Händlern etwas abgenommen, nachdem die Notenbanken weltweit zuletzt ihre Finanzspritzen verringert hätten. Die US-Notenbank teilte am Nachmittag mit, zunächst keine weiteren Offenmarktgeschäfte durchführen zu wollen. Konjunkturdaten waren am Dienstag in den USA uneinheitlich ausgefallen. Die US-Erzeugerpreise sind im Juli stärker als erwartet gestiegen. Die Kerninflationsrate ohne die stark schwankenden Lebensmittel- und Energiepreise kletterte zum Vormonat aber weniger als erwartet um 0,1 Prozent. Das Defizit in der Handelsbilanz ging im Juni überraschend zurück.


Die Aktien von Wal-Mart Stores verloren als schwächster Wert im Leitindex 5,09 Prozent auf 43,82 US-Dollar. Der US-Einzelhändler Wal-Mart hat trotz eines Gewinnanstiegs im zweiten Geschäftsquartals seine Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. Konsumenten hätten sich sowohl in den USA als auch im Ausland zurückgehalten. Hintergrund ist zum einen der von Wal-Mart selbst angeheizte harte Preiswettbewerb im Einzelhandel, der auf den Gewinnmargen lastet. Ein Analyst von J.P. Morgan senkte die Aktie in einer ersten Reaktion von «Buy» auf «Neutral».


Papiere von Home Depot gaben um 4,88 Prozent auf 33,52 Dollar ab. Die weltgrösste Baumarkt-Kette hatte im zweiten Quartal und den ersten sechs Monaten dieses Jahres wegen des schwachen US-Baumarktes und fallender Immobilienpreise einen starken Gewinnrückgang verbucht. Die amerikanischen Hausbesitzer hielten sich angesichts der rückläufigen Hauspreise mit Renovierungen zurück, und die Neubauaktivitäten waren in den USA ebenfalls stark rückläufig. Auch Papiere von Sears Holdings verloren 2,17 Prozent auf 137,50 Dollar. Analysten zeigten sich besorgt über die steigenden Lagerbestände des drittgrössten US-Einzelhändlers. Diese könnten zu weiteren Preisabschlägen führen.


Titel von Goldman Sachs sanken um 4,37 Prozent auf 169,75 Dollar. Die Investmentbank und eine Gruppe von Investoren hatten am Montag angekündigt, drei Milliarden Dollar zur Rettung eines in Schwierigkeiten geratenen Hedge-Fonds beizusteuern. Analysten befürchten nun, dass die Schwierigkeiten des Fonds die Gewinne von Goldman Sachs in den kommenden Quartalen mindern könnten. Auch andere Finanzwerte gingen wieder mit Kursverlusten aus dem Handel. So gaben Lehman Brothers Holdings 6,34 Prozent auf 53,67 Dollar ab. Morgan Stanley verloren 3,45 Prozent auf 57,58 Dollar.


Aktien von Merrill Lynch gaben um 2,98 Prozent auf 71,34 Dollar nach. Ein Analyst von Punk Ziegel & Co. hatte das Kursziel für die Aktien um 19 Prozent gesenkt und die Titel mit «Sell» bestätigt. Neben der Schwäche auf den Kreditmärkten könnte Merrill Lynch durch «unbestimmbare Vermögenswerte» belastet werden. Der Wert dieser Bestände dürfte die Entwicklung des Unternehmens in Zukunft deutlich beeinflussen, hiess es weiter. Am Dienstag war ausserdem bekannt geworden, dass der niederländische Versicherer Aegon zwei Versicherungstöchter der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch übernehmen wird.


Titel des Hypothekenverleihers Thornburg verloren 46,43 Prozent auf 7,65 Dollar, bevor der Titel am Nachmittag vom Handel ausgesetzt wurde. Moody`s hatte das Rating für das Unternehmen gesenkt und einen negativen Ausblick gegeben. Das heisst, dass weitere Abstufungen folgen könnten.


Titel von Beazer Homes gaben um 8,18 Prozent auf 11,33 Dollar nach. Die Ratingagentur Moody`s hatte alle Ratings für den von der US-Hypothekenmarktkrise geplagten Eigenheimbauer unter Beobachtung gestellt und erwägt eine Herunterstufung. Zuvor hatte die Führung des Unternehmens gesagt, sie könne den Bericht für das dritte Geschäftsquartal nicht pünktlich vorlegen.


Mattel-Papiere verloren 2,42 Prozent auf 23,00 Dollar. Der weltgrösste Spielzeughersteller Mattel muss weltweit über 18 Millionen in China hergestellte Spielwaren aus Sicherheitsgründen zurückziehen. Es ist der zweite Rückruf innerhalb von zwei Wochen. Anfang August hatte Mattel bereits 1,5 Millionen Spielzeuge vom Markt genommen.


Einen fulminanten Start an der New Yorker Börse hatten Aktien des Software-Herstellers VMware . Sie legten um 75,86 Prozent auf 51,00 Dollar zu. Der Ausgabekurs der EMC-Tochter hatte bei 29 Dollar gelegen. Händler bezeichneten den Titel als eine der am meisten erwarteten Börsengänge seit dem Going Public von Google vor drei Jahren. Der Ausgabepreis hatte bereits 21 Prozent über dem Kursziel von 24 Dollar gelegen, dass das Management vor seiner Roadshow gesetzt hatte. Titel von EMC verloren 3,73 Prozent auf 18,34 Dollar. (awp/mc/ab)

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