USA: 2008 schlimmstes Jahr am Arbeitsmarkt seit 1945

Volkswirte erwarten auch in den kommenden Monaten einen fortgesetzten Arbeitsplatzabbau. Im Dezember sank die Zahl der Beschäftigten stärker als erwartet. Ausserhalb der Landwirtschaft ging die Beschäftigtenzahl im Vergleich zum Vormonat um 524.000 zurück. Es ist der zwölfte Rückgang der Beschäftigung in Folge. Volkswirte hatten für Dezember nur mit einem Rückgang um 500.000 Stellen gerechnet.


Arbeitslosenquote auf höchstem Stand seit 16 Jahren
Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Dezember überraschend deutlich auf 7,2 Prozent. Dies ist die höchste Quote seit fast 16 Jahren. Im Vormonat hatte die Quote in der grössten Volkswirtschaft der Welt bei revidiert 6,8 (ursprünglich 6,7) Prozent gelegen. Volkswirte hatten im Schnitt für Dezember mit einer Quote von 7,0 Prozent gerechnet. Die Stundenlöhne sind im Dezember stärker als erwartet gestiegen. Sie legten um 0,3 Prozent oder 5 Cent auf 18,36 US-Dollar je Stunde zu. Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit sank von revidiert 33,5 Stunden (zuvor 33,6 Stunden) auf 33,3 Stunden.


Volkswirte uneins über Zeitpunkt einer Trendwende
Experten sind sich uneins, wann es zu einer Trendwende am Arbeitsmarkt kommt. Der Arbeitsplatzabbau in den USA könnte nach Einschätzung der DekaBank zum Jahreswechsel 2008/2009 den Höhepunkt erreicht haben. Nach dem kräftigen Rückgang der Beschäftigtenzahl im Dezember dürfte sich der Arbeitsplatzabbau in den nächsten Monaten etwas abschwächen, sagte DekaBank-Ökonom Rudolf Besch am Freitag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Gleichwohl seien auch künftig starke Schwankungen bei den Beschäftigtenzahlen möglich. Wenn die Konjunktur im laufenden Jahr wieder Tritt fasse, sei Ende 2009 wieder mit einem Beschäftigungsaufbau zu rechnen. Die Arbeitslosenquote dürfte unterdessen noch weiter steigen und bei etwa 8,25 Prozent ihren Höhepunkt erreichen.


Beschäftigungssituation auf lange Sicht verschlechtert
Die Schwäche am US-Arbeitsmarkt wird sich nach Einschätzung der Commerzbank bis Anfang 2010 fortsetzen. „Die Beschäftigungssituation wird sich auch nach dem Ende der Rezession verschlechtern, da der der Arbeitsmarkt ein nachlaufender Indikator ist“, sagte Bernd Weidensteiner, USA-Experte der Commerzbank. Eine schwache Trendwende bei der Konjunktur sei auch erst in der zweiten Jahreshälfte 2009 zu erwarten.


Dollar profitiert von Daten
Der Eurokurs geriet nach den Daten unter Druck und sank auf ein Tagestief von 1,3557 Dollar, nachdem er zuvor noch bei 1,3695 Dollar notiert hatte. Der für den deutschen Anleihemarkt richtungsweisende Euro-Bund-Future geriet unter Druck und sank auf 123,89 Punkte, nachdem er zuvor noch bei 124,14 Punkten gelegen hatte. Der deutsche Aktienleitindex DAX kletterte um 0,66 Prozent auf 4.912,02 Punkte. Offensichtlich hätten viele Marktteilnehmer nach den sehr negativ ausgefallenen ADP-Zahlen mit noch mehr Stellenstreichungen gerechnet, sagte ein Analyst. (awp/mc/ps/22)

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