Veolia will Vinci: Attacke auf den Weltmarktführer

Der weltgrösste Anbieter von Kommunaldiensten, Veolia Environnement , will die Führungskrise bei Vinci zur Übernahme dieses weltgrössten Baukonzerns und Infrastrukturbetreibers nutzen. Vinci wies das Ansinnen am späten Mittwochabend als «feindlich» zurück. Veolia reagierte am Donnerstag mit einer knappen Erklärung, in der der Konzern mitteilte, er nehme die Rückweisung zur Kenntnis und bedauere die Haltung von Vinci.


Thierry Breton’s Wirtschaftspatriotismus
Der französische Wirtschaftsminister Thierry Breton unterstützt der Pariser Finanzpresse zufolge die Fusion zu einem Konzern mit 47 Milliarden Euro Umsatz und einer Marktkapitalisierung von 34 Milliarden Euro. Das neue Unternehmen wäre wegen seiner Grösse sicher vor Übernahmen. Mit seinem «Wirtschaftspatriotismus» will Breton ausländische Konzerne fernhalten und die weltweite Expansion heimischer Konglomerate fördern.


Freundliche Annäherung gescheitert
Der Veolia-Verwaltungsrat beauftragte Konzernchef Henri Proglio am Mittwochabend, «eine freundliche Annäherung» an Vinci zu prüfen. Die Reaktion war heftig: Vinci sah «kein strategisches Interesse» und wetterte gegen einen «feindlichen Akt». Veolia will technisch einen «Zusammenschluss unter Gleichen», also eine Übernahme nur durch Aktientausch ohne Zahlung einer Prämie. Damit würde die Schuldenlast von 13,9 Milliarden Euro nicht weiter steigen. Zudem kann Veolia nur fünf Milliarden in bar für Übernahmen aufbringen.


Sehr schöne Synergien
Es seien «sehr schöne Synergien» zu erreichen, sagte ein Veolia- Manager. Der Gesamtkonzern könnte im «globalisierten Markt das ganze Spektrum von Diensten im Bereich der Infrastruktur und grossen Konzessionen» (für Häfen, Flughäfen, Brücken, Strassen) anbieten. Marktexperten vermuteten, Veolia wolle sich bestimmte Vinci-Sparten wie die Autobahnnetze einverleiben und andere verkaufen.


Führungskrise bei Vinci wird ausgenutzt
Veolia ist mit 271.150 Mitarbeitern in 78 Staaten in den Bereichen Kommunale Dienste, Wasserversorgung, Energie und Nahverkehr tätig. Der Umsatz erreicht 25,2 Milliarden Euro. Vinci beschäftigt 142.000 Mitarbeiter mit der Planung, dem Bau und Betrieb grosser Infrastrukturprojekte und betreibt Energienetze. Der Umsatz erreicht 21,5 Milliarden Euro. Bereits vor einigen Jahren hatte Proglio einen Anlauf zur Übernahme von Vinci gemacht, war aber am Widerstand des Vinci-Chefs Antoine Zacharias gescheitert. Jetzt nutzt er eine Führungskrise bei Vinci zu einem neuen Vorstoss.


Zacharias klagt wegen Diffamierung gegen Huillard
Vor einigen Monaten war Zacharias Vinci-Präsident geworden und hatte die operative Führung aufgegeben. Unmittelbar darauf war ein Machtkampf mit seinem Nachfolger Xavier Huillard ausgebrochen. Anfang Juni wurde Zacharias entlassen, nachdem ihm vorgeworfen wurde, sich neben seinem Jahresgehalt von 4,29 Millionen Euro Aktienoptionen für 250 Millionen Euro sowie millionenschwere Sonderzahlungen für Firmenübernahmen gesichert zu haben. Zacharias wehrt sich gegen seine Entlassung und klagt wegen Diffamierung gegen Huillard. Aus dem Hause Veolia hiess es dazu, eine Fusion gebe Vinci die Möglichkeit, «erhobenen Hauptes aus der Führungskrise zu kommen». (awp/mc/ab)

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