Vier Millionen Arbeitslose in Deutschland müssen auch uns Sorgen machen


In Deutschland bewegt sich die Arbeitslosenquote unaufhaltsam Richtung 10 Prozent. Wenn der Konjunkturmotor beim wichtigsten Handelspartner dermassen stottert, verheisst dies nichts Gutes für die Schweiz.


Mit 9,6 Prozent hat die Arbeitslosenquote in Deutschland per Jahresende 2001 ein unrühmliches Hoch erklettert. 3,96 Millionen Menschen waren in den neuen und alten Bundesländern ohne Arbeit. Und praktisch sicher ist, dass im Januar 2002 die Vier-Millionen-Grenze überschritten werden wird. Die schwache Konjunktur hat die Arbeitslosenquote in unserem Nachbarland überdurchschnittlich steigen lassen.

Regierung unter DruckDeutschland hat damit eine fast doppelt so hohe Arbeitslosenquote wie die USA, aber auch fast doppelt so hoch wie das krisengeschüttelte Japan; jenes Japan, das doch von zahlreichen Kreisen in Europa und den USA in besserwisserischem Tone für seine mangelnden und zögerlichen Strukturreformen kritisiert wird und gleich als ernstzunehmender Player von der Weltwirtschaft abgemeldet wurde. Acht Monate vor der Wahl steht nun die rot-grüne Regierung von Kanzler Gerhard Schröder gehörig unter Druck. Erinnert sei an ihr Versprechen, die Arbeitslosenzahl auf unter 3,5 Millionen zu drücken und sich daran messen zu lassen.

Schweiz weit unter EU-QuoteAngesichts dieser Zahlen aus unserem Nachbarland wird bewusst, dass in der Schweiz nach wie vor annähernd paradiesische Arbeitsmarktverhältnisse herrschen. Zwar ist auch bei uns die Quote der Arbeitslosen geklettert (im Dezember auf 2,4 Prozent). Im Jahresdurchschnitt liegt sie aber bei 1,9 Prozent und damit notabene tiefer als im Jahr 2000 (2 Prozent). Die Arbeitslosenrate liegt auch massiv tiefer als der Schnitt in der EU (8,2 Prozent).

Deutschland: Wichtigster HandelspartnerWer nun glaubt, die Schweiz könne sich gänzlich von dieser Entwicklung in Deutschland abkoppeln, unterliegt einem gefährlichen Trugschluss. Im Gegenteil; die zunehmenden Probleme von Deutschland haben zwangsläufig Auswirkungen auf die Schweiz. Deutschland steht eigentlich die Rolle der wirtschaftlichen Lokomotive im EU-Raum zu. Deutschland ist auch mit grossem Abstand der wichtigste Handelspartner des Exportlandes Schweiz: Im Jahr 2000 nahm unser Nachbarland Waren im Wert von 28 Milliarden Franken von der Schweiz ab (40 Milliarden Franken gar betrugen die Importe). Die Ausfuhren nach Frankreich in der Höhe von 11 Milliarden Franken folgen auf dieser Rangliste weit dahinter. Noch im Jahr 2000 wiesen die Exporte die grössten Zuwachsraten unter den BIP-Komponenten auf.

Franken als kritischer FaktorBald darauf hat die Stimmung gekehrt. Die Exporttätigkeit ist bereits seit dem zweiten Quartal 2001 geschrumpft, was beweist, dass die Terroranschläge vom 11. September den wirtschaftlichen Abschwung höchstens verschärft haben. Die sich verschlechternde Verfassung Deutschlands könnte dazu führen, dass unsere Exportindustrie noch stärker in die Krise gerät und dadurch auch die bislang noch robuste Schweizer Binnenwirtschaft geschwächt würde. Alle Prognosen eines baldigen Aufschwungs spätestens im zweiten oder dritten Quartal 2002 müssten erneut revidiert werden. Als weiterer erschwerender Faktor gesellt sich der starke Franken hinzu. Der Schweizer Wirtschaftsmotor stützt sich derzeit alleinig auf den privaten Konsum. Dank höheren Einkommen und den tiefen Arbeitslosenquoten stemmen sich die Konsumentinnen und Konsumenten hierzulande weiterhin kräftig gegen eine drohende Rezession und ergeben sich dem Kaufrausch. Hoffen wir, dass es so bleibt.

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