Welt-Artenschutztag: Grosskatzen in Gefahr

WWF
Bengalischer Tiger im Kanha National Park in Indien. (© Roger Hooper / WWF)

Zürich – Tiger haben in den vergangenen Jahren vor allem mit guten Nachrichten auf sich aufmerksam gemacht. Dank grösserer Schutzbemühungen stieg die Zahl freilebender Individuen seit 2010 von 3.200 auf 3.890. Doch nach neuster Untersuchung läuft ein Drittel aller Tiger-Gebiete Gefahr, die seltenen Tiere langfristig zu verlieren. In der Studie, welche am Freitag in New York von einer Allianz verschiedener Natur- und Umweltschutzorganisationen vorgestellt wird, wurden über hundert Gebiete untersucht. In ihnen sind 70 Prozent der globalen Tigerpopulation beheimatet. Die Gründe für den drohenden Populationsrückgang sind vielfältig. Den Grosskatzen fehlt es an Beutetieren, ihre Lebensräume werden zerstört. Das Management der Schutzgebiete ist schlecht, Ressourcen zur effektiven Bekämpfung von illegaler Wilderei und Handel fehlen. Und oft bleiben Massnahmen zur Reduktion der Konflikte zwischen Menschen und Tieren aus.

«Gerade in Südostasien, wo die Anzahl Tiger seit den letzten zehn Jahren abnehmend ist, fehlen effektive Schutzmassnahmen. Die Führung der Schutzgebiete in dieser Region ist schwach», sagt Doris Calegari, Verantwortliche Artenschutz beim WWF Schweiz.

85 Prozent der untersuchten Gebiete verfügen nicht über die personellen Kapazitäten, um Anti-Wilderer-Patrouillen einzusetzen, schreiben die Autoren der Studie. Als Hauptgrund nennen sie zu geringe Investitionen. «Die Regierungen insbesondere von Indonesien, Thailand, Malaysia, Kambodscha, Laos und Myanmar müssen dringend mehr Mittel in ihre Schutzgebiete und den Artenschmuggel stecken», fordert Doris Calegari vom WWF.

Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit geraten auch Jaguare und Löwen immer stärker ins Visier der Wilderer. Neben dem Verlust an Lebensraum leiden die Tiere unter der zunehmenden Wilderei. Aufgrund der immer schwierigeren Jagd auf Tiger werden immer mehr Jaguare und Löwen gewildert, um ihre Tatzen, Knochen, Hoden und weitere Körperteile in der asiatischen Volksmedizin zu nutzen.

«Deshalb ist die Arbeit des WWF vor Ort so wichtig», so die Artenschutzexpertin. «Der WWF arbeitet mit lokalen Gemeinschaften zusammen, um Lösungen zu finden, mit denen das Zusammenleben von Mensch und Grosskatzen gewährleistet werden kann. Wir trainieren unter anderem Park-Ranger in Schutzgebieten und unterstützen Bauern bei der Einrichtung von Systemen, mit denen sie ihr Vieh schützen können. Dies zum Wohl der Menschen als auch der Grossraubtiere», fügt Doris Calegari hinzu. (WWF/mc/ps)

Doris Calegari, Artenschutzverantwortliche beim WWF Schweiz, wird diesen Samstag in Bern sein: Im Rahmen des internationalen Tages des Artenschutzes, der vom Bund organisiert wird, nimmt sie an den Diskussionen über bedrohte Grosskatzen teil. Ausserdem wird der WWF mit einem Informationsstand vertreten sein. Nähere Angaben zum Tagesprogramm sind unter www.wwd18.ch verfügbar.

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