Weltweiter Markt für Börsengänge boomt

Im nächsten Jahr könnte es in Deutschland nach Ansicht der Experten aber wieder etwas bergauf gehen. Treiber des aktuellen weltweiten Booms sind die Schwellenländer, auf die fünf der zehn grössten Börsengänge des Jahres entfielen, darunter der der Agricultural Bank of China mit einem Volumen von mehr als 22 Milliarden US-Dollar.


2010: Anzahl IPOs verdoppelt
Im Vergleich zum Gesamtjahr 2009 verdoppelte sich bereits in den ersten elf Monaten des laufenden Jahres die Zahl der weltweit durchgeführten Börsengänge von 577 auf 1.199. Das Emissionsvolumen verdoppelte sich ebenfalls von 112,6 auf 255,3 Milliarden Dollar. Dank eines anhaltenden Aufwärtstrends dürfte der globale Markt mit Emissionserlösen von insgesamt mehr als 300 Milliarden Dollar den bisherigen Rekord des Jahres 2007 (295 Milliarden Dollar) übertreffen, heisst es. Die Zahl der Neuemissionen dürfte allerdings niedriger sein als 2007.


Deutschland: Weniger Börsengänge als erwartet
Auf Deutschland lassen sich die globalen Rekordaussichten nicht herunter brechen. Zwar gingen von Januar bis November 13 Unternehmen in Deutschland an die Börse – nach 3 im Vorjahr. Allerdings hätten Beobachter nach einem starken Start ins Jahr mit deutlich mehr Börsengängen gerechnet, heisst es in der Studie. Ernst & Young-Partner Michael Oppermann zeigt sich enttäuscht vom Verlauf des Jahres: «Die optimistischen Prognosen haben sich nicht erfüllt, von einem IPO-Boom ist hierzulande wenig zu spüren», sagt er.


Schuldenkrise hemmt
Es gebe mehrere Gründe für die relativ schwache Entwicklung in Deutschland. «Die Schuldenkrise in Europa hat zu einer erheblichen Verunsicherung und zu hoher Volatilität geführt. Es fehlt die Planungssicherheit, die man für einen IPO benötigt», sagt Oppermann. Zudem lägen die Preisvorstellungen von Investoren und Börsenaspiranten weiterhin zu weit auseinander, auch wegen der wieder deutlich steigenden Unternehmensgewinne. Dazu kommt laut Ernst & Young-Partner Heinrich Lind ein zunehmender Wettbewerb zwischen strategischen und Private Equity-Investoren. «Das treibt die Preise und kann einen Börsengang aus Unternehmenssicht weniger attraktiv machen», folgert er.


Zweigleisige Strategien 
«Wenn es nicht zu einer weiteren Zuspitzung der Schuldenkrise kommt, kann man von bis zu 20 Börsengängen in Deutschland ausgehen», sagt Lind mit Blick auf das kommende Jahr. Er hat dabei vor allem Unternehmen aus dem Portfolio von Finanzinvestoren im Blick. Allerdings würden die Private Equity-Häuser nahezu immer eine zweigleisige Strategie fahren, so dass der Ausstieg oft über den Verkauf an andere Finanzinvestoren oder an strategische Investoren erfolge. (awp/mc/ps/15)

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