1 Million Versicherte mit Prämienerhöhung über 10 %

Gesundheitswesen
Besonders gesucht sind Pflegefachleute. (Foto: spotmatikphoto - Fotolia.com)

(Foto: spotmatikphoto – Fotolia.com)

Zürich – Über eine Million Krankenversicherte werden von der anstehenden Erhöhung der Prämien besonders stark erwischt. Sie müssen für ihre obligatorische Grundversicherung einen Aufschlag von über 10 Prozent verkraften. Das ist deutlich mehr als die durchschnittliche Erhöhung von 5,4 Prozent, die comparis.ch über alle Modelle und Franchisen hinweg berechnet hat. Die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) kommunizierten 4 Prozent beziehen sich hingegen nur auf das Standardmodell mit 300er-Franchise.

comparis.ch hat die neuen, vom BAG genehmigten Prämien mit Blick auf die Gewinner und Verlierer analysiert. Berücksichtigt wurden Prämien, die für mehr als 500 Krankenversicherte gelten. Die Auswertung zeigt überdies, Familien können ihr Haushaltsbudget jedes Jahr stark entlasten – sogar im fünfstelligen Frankenbereich.

Höchster Aufschlag: plus 72 Prozent
Ein Blick auf Gewinner und Verlierer der 2016er-Prämien zeigt: Der höchste prozentuale Aufschlag wird für Kinder fällig, die im Kanton Schwyz im Standardmodell der Krankenkasse Klug versichert sind. Er beträgt 72,2 Prozent. Der zweithöchste Aufschlag ist für Kinder im Kanton Jura zu verzeichnen, die bei der Krankenkasse Assura im Hausarztmodell versichert sind (plus 38 Prozent). Insgesamt sind allein von den zehn höchsten prozentualen Prämienaufschlägen rund 38‘000 Personen betroffen. Betrachtet man die Aufschläge in konkreten Beträgen zeigen sich Prämienerhöhungen von bis zu 917 Franken.

Auch Versicherte mit der Höchstfranchise von 2500 Franken bleiben nicht von happigen Erhöhungen verschont. So steigen die Prämien von Erwachsenen aus dem Kanton Jura, die im Hausarztmodell der Assura versichert sind, mit 31,2 Prozent um fast ein Drittel. Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte von comparis.ch, merkt hierzu an: «Versicherte, die mit einer hohen Franchise mehr finanzielle Eigenverantwortung für ihre Gesundheit übernehmen, dürfen nicht Verlierer der Prämienentwicklung sein.»

Höchster Abschlag: minus 17 Prozent
Auf Seiten der Gewinner mit dem grössten Abschlag in Prozent finden sich auf den ersten zehn Rängen ausnahmslos Prämien für Kinder. Am meisten gesenkt, nämlich um 17 Prozent, werden die Prämien von Kindern aus dem Tessin (Prämienregion 1), die im Standardmodell beim Versicherer Swica sind. In konkreten Beträgen betrachtet sinkt die Prämie am meisten bei jungen Erwachsenen aus dem Kanton Zürich (Prämienregion 1), die mit einer 300er-Franchise im Standardmodell der Kasse Swica versichert sind. Diese werden im nächsten Jahr 452 Franken weniger für ihre Grundversicherung bezahlen.

Schneuwly: «Fehlentwicklung»
Die Auswertung der Prämien-Gewinner zeigt ausserdem, dass ausnahmslos Versicherte im Standardmodell in den Genuss der höchsten Senkungen kommen. Keine einzige Prämie in den kostensparenden alternativen Versicherungsmodellen Hausarzt, HMO und Telmed taucht in der Prämien-Gewinner-Top-10 auf. «Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Rabatte für diese Modelle gegenüber dem Standardmodell. Diese sind gemäss einer Auswertung von Comparis in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken: von im Schnitt 23 Prozent im Jahr 2011 auf nunmehr 20 Prozent im nächsten Jahr», erklärt Schneuwly. Er kritisiert: «Es ist eine Fehlentwicklung, wenn die Rabatte für genau die Versicherten gesenkt werden, die mit der Wahl eines alternativen Versicherungsmodell dazu beitragen, den Kostendruck auf das Gesund-heitssystem zu entschärfen.»

Gewaltige Sparpotenziale für Familien
Schneuwly weist jedoch darauf hin: «Die von starken Erhöhungen besonders betroffenen Versicherten haben ein riesiges Sparpotenzial. Sie können die Franchise anpassen, das Versicherungsmodell oder die Krankenkasse wechseln und so die Belastung für ihr Haushaltsbudget spürbar senken.»

Vor allem Familien können sich durch einen Wechsel finanziell stark entlasten. Das höchste Sparpotenzial für eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern, die Erwachsenen ohne und die Kinder mit Unfalldeckung, liegt bei 14‘779 Franken. Sie lebt in Genf und ist bei Wincare versichert. Die Eltern haben eine 300er-Franchise im Standardmodell, die Kinder eine 0-Franken-Franchise. Aktuell zahlt die Familie für ihre Grundversicherung 22‘099 Franken im Jahr. Wechselt die Familie nun zur Supra und wählt das Hausarztmodell mit einer 2500er-Franchise für die Eltern und einer 500er- oder 600-er Franchise für die Kinder, so sinken die jährlichen Prämien auf 7‘320 Franken.

Ein solch hohes Sparpotenzial ist kein Einzelfall und zeigt sich in allen Prämienregionen, wie die Auswertung von comparis.ch zeigt. Angenommen, die Familie lebt in Winterthur und ist bei der Krankenkasse Supra, so kann sie 11‘426 Franken sparen. Dafür müsste sie ins Hausarztmodell der Assura wechseln und die Franchise auf 2500 Franken für die Eltern und 600 Franken für die Kinder anpassen. (Comparis/mc/pg)

comparis.ch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.