40. SGO Herbsttagung zur „Zukunft der Arbeit“: Treiber, Wirkungen und Chancen

Peter Grünenfelder
Avenir Suisse-Direktor Peter Grünenfelder. (Foto: zvg)

Zürich – Die Arbeit verändert sich. Auslöser dafür sind einerseits die technologischen Entwicklungen, andererseits Faktoren wie geopolitische Veränderungen, die Globalisierung und die demografische Entwicklung. Roboter erledigen automatisierbare Arbeiten, Maschinen lernen und übernehmen ganze Berufsfelder. Die Arbeit wird uns nicht ausgehen, die Aufgaben werden sich aber in Tätigkeiten verlagern, die mehr zwischenmenschliche Kompetenzen verlangen. Mit den Treibern, Wirkungen und Chancen der Zukunft der Arbeit haben sich rund 220 Teilnehmende der 40. SGO Herbsttagung auseinandergesetzt.

An der Tagung wurden erstmals die Ergebnisse einer Umfrage präsentiert, die vom Forschungsinstitut für Arbeit und Arbeitswelten der Universität St.Gallen in Zusammenarbeit mit der SGO unter rund 21 Top-Führungskräften der Schweiz erhoben wurde. Gemäss dieser sind die Führungskräfte überzeugt, dass der Wandel neue Kompetenzen erfordert. Investitionen sind nötig in die Technologien, in die Unternehmensstruktur und insbesondere in die Unternehmenskultur. Noch wenige Gedanken verwenden die CEO an die Veränderung der eigenen Rolle, bezeichnen aber Mut, Agilität und Empathie als wichtige Eigenschaften für die Zukunft der Arbeit.

Emotionalisierung des Verhältnisses zur Arbeit
Einen Blick auf die Entwicklung der Arbeit warf Sabine Donauer, Botschafterin für die Stiftung der Rechte zukünftiger Generationen in ihren wissenschaftlichen Untersuchungen. Das Verhältnis des Menschen zur Arbeit habe sich in den vergangenen hundert Jahren stark emotionalisiert. „Arbeit hat heute nicht mehr den Zweck Geld zu verdienen, sondern ist das Mittel für Glück und Sinn im Leben“, beschreibt sie den Wandel. Damit gehe einher, dass die Arbeitenden die körperlichen Grenzen nicht mehr wahrnehmen. Die Überzeugung, mit genügend Begeisterung über sich selbst hinauswachsen zu können, resultiere in Erschöpfungskrankheiten, meint Donauer. Gegenüber früher habe sich die Haltung der Mitarbeitenden individualisiert. Mitarbeitende eines Unternehmens empfinden sich nicht mehr als Gruppe mit gemeinsamen Interessen, sondern als Individuen mit eigenen Interessen. Mit der zunehmenden Zahl an Arbeitenden, die – auch aufgrund der technologischen Möglichkeiten – projektbezogen für verschiedene Unternehmungen tätig sind, wird dieser Trend noch zunehmen, schätzt Donauer.

„Sind sie auf die Zukunft vorbereitet?“ fragte Martina Larkin, Head of Europe and Eurasia, Member of the Executive Committee des World Economic Forum, nach ihren Inputs zu den veränderten Anforderungen an die Kompetenzen das Publikum. Fraglich ist allerdings, wie man ob der Ungewissheit wisse, ob man vorbereitet sei, wie Moderatorin Christine Maier einwarf. Doch auch die Ungewissheit werde zum normalen Zustand werden, so das Fazit von Larkin. Nötig sei es allerdings, dazu in den Unternehmen über flexible Strategien zu verfügen.

Für Marianne Janik, Country General Manager Microsoft Schweiz, muss es Ziel sein, die neuen Technologien so einzusetzen, dass wir unsere Stärken verbessern. Künstliche Intelligenz, Spracherkennung und Holographic Computing seien nur einige Beispiele, die erforscht werden, um eine nahtlose Verbindung zwischen Mensch und Maschine zu ermöglichen. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Zukunft sei es wichtig. Den Kindern nebst den klassischen Fächern in Zukunft eine technische Grundausbildung mit auf den Weg zu geben, die ihnen den Zugang zu den digitalen Ressourcen ermögliche, fordert Janik.

In Zukunft werde die Sozial- und die zwischenmenschliche Kompetenz eine noch entscheidendere Rolle spielen, ist Peter Grünenfelder, Direktor von Avenir Suisse, überzeugt. Gewisse Arbeitsprofile werden aufgrund der technologischen Entwicklung obsolet, insgesamt sei mit einem Jobwachstum zu rechnen und die Angst vor einer weitverbreiteten Arbeitslosigkeit deshalb fehl am Platz. Dank der breiten Berufsbildung sei die Schweiz für die Zukunft der Arbeit gut aufgestellt. Für die Zukunft müsse aber Kreativität, Teamfähigkeit oder Führung in der Ausbildung vermehrt berücksichtigt werden. Veränderungen seien auch im Arbeitsrecht nötig, damit der Strukturwandel nicht ausgebremst werde. (SGO/mc)

SGO
Die Schweizerische Gesellschaft für Organisation und Management (SGO) blickt auf eine über 49-jährige Tradition im Bereich des Managements und der Organisation zurück. Die im Jahr 2000 gegründete SGO-Stiftung fördert junge Talente und unterstützt die Forschung und Entwicklung in den Bereichen Organisation, Betriebswirtschaft und Führung an Universitäten und Hochschulen in Europa. Als der führende Schweizer Anbieter von Organisations- und Management-Wissen bearbeitet die SGO organisatorische Themen und bietet eine Vielzahl von Netzwerkgefässen (Communities of Practice) an, in denen der Erfahrungsaustausch unter Fachleuten der Privatwirtschaft und der öffentlichen Verwaltung gepflegt wird und thematische Inhalte weiterentwickelt werden. Des Weiteren bietet die Organisation umfangreiche Schulungen und Weiterbildungen an, insbesondere mit Tagungen, Seminaren, Arbeitsgesprächen und Kursen. Die SGO fördert zudem den wissenschaftlichen Diskurs, indem sie eine enge Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen, Fachverbänden und ähnlichen Vereinigungen des In- und Auslandes anstrebt.

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