ABB: CEO Hogan verlässt das Unternehmen aus privaten Gründen

Joe Hogan

Joe Hogan, scheidender CEO ABB. (Foto: ABB)

Zürich – ABB muss sich einen neuen CEO suchen. Der bisherige Konzernchef Joe Hogan hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt und dabei auf private Gründe verwiesen. Hogan wird aber ABB noch erhalten bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist. Dies wird am Markt als Indiz dafür gewertet, dass die Trennung in Minne über die Bühne geht. In Börsenkreisen wird auf die gute Performance von Hogan bei ABB verwiesen, insbesondere mit Blick auf seine erfolgreichen Akquisitionen, und so wird sein Ausscheiden allgemein bedauert. Die Aktie steht denn auch gegen den Trend leicht unter Abgabedruck.

Das Austrittsdatum von Hogan steht noch nicht fest. Er werde die Konzernleitung weiter führen, bis ein Nachfolger ernannt sei, teilte ABB am Freitag mit, und wolle damit einen möglichst reibungslosen Übergang gewährleisten.

«Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen, zumal ABB heute ein erfahrenes und erfolgreiches Managementteam und einen Verwaltungsrat hat, auf dessen Unterstützung ich immer zählen konnte», wird Joe Hogan im Communiqué zitiert. Und VR-Präsident Hubertus von Grünberg äussert sich in der Mitteilung folgendermassen: «Joe Hogan ist ein grossartiger Konzernchef und hat ABB während der schlimmsten Weltwirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte erfolgreich geführt. ABB ist heute in einer viel besseren Verfassung als bei seinem Antritt vor fünf Jahren.»

Kein Abgang im Streit
ABB-Sprecher Thomas Schmitt bestätigte gegenüber AWP, dass der Trennungsgrund weder ein Zerwürfnis mit dem Verwaltungsrat sei, noch dass es operative Gründe dafür gebe. Auch gesundheitliche Ursachen stünden nicht dahinter, so der Sprecher. Die Suche nach einem Nachfolger sei intern wie extern bereits eingeleitet.

In Marktkreisen lautet der Tenor ähnlich: Die konkreten Gründe für den Abgang von Joe Hogan seien kaum auszumachen, aber offenbar seien die Gründe wirklich privat, meinte ein Marktteilnehmer einer grösseren Bank in Zürich. Wenn er das Unternehmen weiter führe, bis ein Nachfolger gefunden sei, würden kaum ABB-spezifische Gründe hinter dem Schritt stecken. Bei der ZKB hiess es, ABB verliere einen «respektierten und hoch angesehenen CEO».

Hogan trat im September 2008 als Konzernchef bei ABB ein. Er ersetzte damals Fred Kindle, welcher ebenfalls überraschend das Unternehmen verlassen hatte, bzw. den interimistisch als Chef amtierenden Michel Demaré.

Zahlreiche Akquisitionen als Leistungsausweis
Seit seinem Antritt hat ABB rund 20 Mrd USD in die Expansion des Unternehmens investiert. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden drei grosse Unternehmen akquiriert. Der Industriemotorenhersteller Baldor wie auch der Niederspannungs-Spezialist Thomas & Betts und das Softwareunternehmen Ventyx waren jeweils Milliardentransaktionen. Mit der erst vor ein paar Wochen angekündigten Übernahme vom Power-One, einem Anbieter von Photovoltaik-Wechselrichtern, kommt ausserdem ein weiteres grösseres Kaliber ins Portefeuille von ABB.

Die Akquisitionen von ABB in den vergangenen Jahren werden in den Marktreaktionen positiv hervorgehoben. Die Übernahmen seien «hochgradig erfolgreich», hiess es in einer Einschätzung der Bank Vontobel. Und mit den Kostensenkungen und Programmen zum Schutz der Margen hätten Hogan und ABB Massstäbe für die Industrie gesetzt.

Einzelne Kritiker bemängeln, dass die Aktie von ABB heute weniger Wert ist als bei seinem Amtsantritt. Allerdings befanden sich ABB mit dem Kursrutsch von 2008 in Eintracht mit dem Gesamtmarkt SMI, welcher sich damals auf dem Weg nach unten vom Allzeithoch bei 9’500 Punkten bis auf sein Zwischentief bei 4’300 Punkten Anfang 2009 befand. Das Abrutschen der ABB-Aktie von damals könne Joe Hogan zwar nicht vorgeworfen werden, sagte ein Marktteilnehmer, dennoch werde die Gesamtperformance einer Aktie während der Dienstzeit eines Chefs natürlich angeschaut.

Am späten Vormittag verzeichnen ABB ein Minus von 1,2% auf 21,29 CHF (SMI +0,6%). (awp/mc/upd/ps)

 

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