ABB dank Sondereffekten mit Gewinnsprung

Björn Rosengren
ABB-CEO Björn Rosengren. (Bild: ABB)

Zürich – Der Industriekonzern ABB hat im dritten Quartal 2020 weniger umgesetzt und auf operativer Ebene auch weniger verdient. Der per Mitte Jahr abgeschlossene Verkauf der Stromnetzsparte liess allerdings die Kasse klingeln.

So hat sich der Konzerngewinn auf 4,53 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorjahresquartal beinahe verachtfacht. Allerdings spielen hier verschiedene Sondereffekte mit hinein. Einerseits ist hier der Gewinn der nicht fortgeführten Aktivitäten in Höhe von 5,0 Milliarden US-Dollar enthalten.

Dieser umfasst einen Vorsteuerbuchgewinn von 5,3 Milliarden aus dem Power Grids-Verkauf sowie den Ertragssteueraufwand im Zusammenhang mit der Veräusserung, wie ABB am Freitag mitteilte. Andererseits kommen nicht operative Pensionsaufwendungen in Höhe von 343 Millionen US-Dollar hinzu.

Das Ergebnis aus der Geschäftstätigkeit von ABB fiel indes mit 71 Millionen US-Dollar um Einiges bescheidener aus. Dieses beinhaltet eine Goodwill-Wertminderung von knapp 311 Millionen und Belastungen über 203 Millionen wegen geänderter Verpflichtungen im Zusammenhang mit verkauften Unternehmensteilen.

Höhere Marge dank Elektrifizierung
Der operative Betriebsgewinn (EBITA) reduzierte sich um 2 Prozent auf 787 Millionen US-Dollar, wobei die entsprechende Marge um 30 Basispunkte auf 12,0 Prozent gesteigert werden konnte. Besser als im Vorjahr fiel die Marge im Geschäftsbereich Elektrifizierung aus, wogegen die anderen drei Bereiche vor allem wegen des rückläufigen Umsatzes auch eine tiefere Marge als im Vorjahr erwirtschafteten.

Der Umsatz des Konzerns ging denn auch sowohl in US-Dollar als auch bereinigt um Währungs- und Portfolioeinflüsse um 4 Prozent auf 6,58 Milliarden US-Dollar zurück. Das Tempo des Abschwungs hat sich damit gegenüber dem zweiten Quartal verlangsamt, als auf bereinigter Basis ein Umsatzminus von 10 Prozent resultierte.

Ähnlich sieht die Situation mit Blick auf den Auftragseingang aus. Dieser lag mit 6,11 Milliarden organisch gesehen um 8 Prozent unter dem Vorjahresquartal, im zweiten Quartal waren es noch -14 Prozent. Im Vergleich mit den Prognosen hat sich ABB mehrheitlich besser geschlagen als erwartet.

China als Lichtblick
Dennoch blieb das Geschäftsumfeld auch im dritten Quartal herausfordernd, wie ABB umschrieb. Die Nachfrage habe sich gegenüber dem Vorjahresquartal in allen Regionen abgeschwächt, auch wenn sich die kräftige Erholung in China insbesondere im Bereich Robotik positiv auf die Auftragslage ausgewirkt habe.

Die positive Entwicklung im kurzzyklischen Produktgeschäft wurde durch rückläufige Grossaufträge und die anhaltenden Einschränkungen im Servicegeschäft aufgehoben. Zudem wurden die operativen Margen durch Belastungen im Nichtkerngeschäft und einen Verlust im Geschäftsbereich Industrieautomation im Zusammenhang mit einem Projekt in Südafrika beeinträchtigt.

Die Corona-Pandemie habe auch im dritten Quartal den Umsatz in allen Geschäftsbereichen beeinträchtigt, liess sich CEO Björn Rosengren in der Mitteilung zitieren. Gleichzeitig sei die zugrunde liegende Performance jedoch stark ausgefallen, auch dank der laufenden Massnahmen zur Kostensenkung.

„Der Geschäftsbereich Antriebstechnik verzeichnete einen robusten Leistungsausweis. Die Geschäftsbereiche Robotik und Industrieautomation erholen sich dagegen langsamer“, so Rosengren. Ausserdem sieht sich ABB „auf gutem Weg“, die jährlichen Nettoeinsparungen von 500 Millionen US-Dollar im Rahmen des Vereinfachungsprogramms ABB-OS schneller als geplant zu realisieren.

Geschäftslage bleibt angespannt
Mit Blick nach vorne hiess es, dass die Auswirkungen von Covid den kurzfristigen Ausblick in vielen Absatzmärkten belasteten, insbesondere in der Öl- und Gasindustrie, der konventionellen Stromerzeugung, der Automobil- und Schifffahrtsindustrie sowie dem Haus- und Gebäudesektor.

Für das vierte Quartal rechnet ABB damit, dass die Auftrags- und Umsatzwachstumsraten gegenüber der Vorjahresperiode schwierig bleiben und dass die Umsatzwachstumsrate sequentiell abnimmt. Die operativen Margen dürften gegenüber der Vorjahresperiode dagegen voraussichtlich wachsen. Ausserdem stellt das Unternehmen für das Gesamtjahr einen „robusten Cashflow“ in Aussicht.

An der Börsen gaben die ABB-Aktien vor allem wegen des zurückhaltenden Ausblicks nach. Sie verloren 1,7 Prozent. (awp/mc/pg)

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