ABB mit durchzogenem vierten Quartal

Ulrich Spiesshofer
ABB-CEO Ulrich Spiesshofer. (Foto: ABB)

Zürich – Der Industriekonzern ABB hat im vierten Quartal 2017 im Vergleich zu den Vorquartalen einen Dämpfer erlitten. So gingen Auftragseingang und Umsatz auf vergleichbarer Basis ebenso zurück wie der Gewinn und die operative Marge. Gleichwohl zeigt sich das Unternehmen für das laufende Jahr zuversichtlich und verspricht die Rückkehr auf den Wachstumspfad. In Marktkreisen wird dies aber auch erwartet, 2018 werde «das Jahr der Wahrheit», hiess es unter anderem.

Der Auftragseingang minderte sich im vierten Quartal auf vergleichbarer, das heisst um Währungs- und Portfolioeinflüsse bereinigter Basis um 3% auf 8,49 Mrd USD, während beim Umsatz ein Minus von 1% auf 9,28 Mrd resultierte. CEO Ulrich Spiesshofer legte beim Auftragseingang aber den Fokus auf die Basisaufträge bis maximal 15 Mio USD, welche mit einem Plus von 9% im Schlussquartal zum vierten Mal in Folge zugelegt haben. «Das Momentum im Eingang der Basisaufträge hat sich in jedem Quartal verstärkt», so Spiesshofer an der Bilanzmedienkonferenz. Und bei den Grossaufträgen sei eine gewisse Volatilität normal.

Der Betriebsgewinn auf Stufe EBITA reduzierte sich währungsbereinigt um 7% auf 1’021 Mio und die EBITA-Marge um 80 Basispunkte auf 10,9%. Nach der Ankündigung von Sonderkosten im Dezember kommt der Gewinnrückgang allerdings nicht überraschend.

Gewinnrückgang wegen Sonderfaktoren
Zurückzuführen ist der Rückgang insbesondere auf Belastungen in Höhe von rund 140 Mio USD aus den EPC-Geschäften. ABB hatte kurz vor Weihnachten mitgeteilt, verschiedene EPC-Aktivitäten (Engineering, Procurement, Construction) auszulagern und dadurch das Risiko als Generalunternehmer zu minimieren. Der negative Effekt auf die Marge aus dieser Auslagerung erreichte 150 Basispunkte. Belastet war das Ergebnis aber auch durch Volumeneffekte, Rohstoffpreise sowie Investitionen in das künftige Wachstum.

Entsprechend bildete sich auch der Reingewinn in US-Dollar um 8% auf 393 Mio zurück. Dieser wurde nebst den erwähnten EPC-Effekten von höheren Restrukturierungskosten, Veräusserungsverlusten sowie durch Wechselkurseffekte gedrückt.

Im Gesamtjahr 2017 stagnierte der Bestellungseingang bei 33,39 Mrd, während der Umsatz minim auf 34,31 Mrd anzog. Der Betriebsgewinn verzeichnete ebenfalls ein kleines Minus von 2% und erreichte 4,13 Mrd USD bei einer Marge von 12,1%. Der Reingewinn legte dagegen um 17% auf 2,21 Mrd zu, was sich für die Aktionäre in einer um 2 Rappen auf 0,78 CHF erhöhten Dividende auszahlen soll.

CEO mit 2017 zufrieden – Markt weniger
«Wir haben im vergangenen Jahr ABB verschlankt und verstärkt», fasste Spiesshofer das Jahr 2017 zusammen und zeigte sich insgesamt zufrieden. Das als Übergang apostrophierte Jahr sei nun aber abgeschlossen, nun gelte es nach vorne zu schauen. Und da zeigte sich der Konzern zum Jahresbeginn weniger vorsichtig als noch in den Jahren zuvor.

«Wir sind im Ausblick positiver als bisher», bestätigte er. «Wir gehen davon aus, dass wir im laufenden Jahr sowohl den Umsatz als auch den Gewinn steigern werden.» Eine konkrete Wachstumsprognose wollte er aber wie üblich nicht abgeben. «Alle unsere Zielmärkte bewegen sich mindestens seitwärts oder nach oben», begründete er seine Zuversicht. Die Steuerreform in den USA dürfte zudem den Energiesektor und die Industrie stützen, so seine Einschätzung.

In Marktkreisen wurden die Resultate ungnädig aufgenommen und die Aktie verlor bis Handelsende 6,7% auf 23,07 CHF. Das vierte Quartal sei nach den Hoffnungsschimmern in den Quartalen davor wieder eine Enttäuschung, hiess es. Und dass der Ausblick optimistischer geworden ist, wird zur Kenntnis genommen. «Wenn man in dem aktuell fast auf dem ganzen Globus positiven wirtschaftlichen Umfeld als Industriegesellschaft keine steigenden Volumen und Gewinne zeigen kann, wann denn sonst?», schreibt dazu beispielsweise die Neue Helvetische Bank. Sie bezeichnet das Jahr 2018 als «Jahr der Wahrheit». (awp/mc/ps)

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