ENSI hält Schweizer AKW für erdbebensicher

AKW Mühleberg
AKW Mühleberg.

Das ENSI hält auch das AKW Mühleberg für erdbebensicher.

Brugg AG – Die Schweizer Atomkraftwerke werden mit einem Erdbeben fertig. Zu dem Schluss kommt das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI). Alle fünf Anlagen könnten in Betrieb bleiben, sagte ENSI-Direktor Hans Wanner am Montag vor den Medien in Brugg AG. Das ENSI hatte den Nachweis verlangt, dass die AKW-Betreiber unter anderem ein Erdbeben beherrschen können, wie es alle 10’000 Jahre vorkommen könnte. Es akzeptiert die Erdbebennachweise von allen vier AKW-Betreibern.

Kritik übte die Aufsichtsbehörde an der Betreiberin des AKW Gösgen. Diese habe die Unterlagen mehrmals überarbeiten müssen, sagte Georg Schwarz, Leiter des ENSI-Aufsichtsbereichs Kernkraftwerke. Es sei nicht das erste Mal, dass die Unterlagen der Anlage nicht der notwendigen Qualität entsprachen.

Kein Einzelfall
Die vom ENSI identifizierten Mängel in der Analyse der Erdbebenfestigkeit der Betreiber seien «leider kein Einzelfall». Das ENSI habe mehrmals Nachforderungen stellen und zusätzlich eigene Berechnungen anstellen müssen, sagte Schwarz. Bereits im Rahmen der Periodischen Sicherheitsüberprüfung 2008 und dem Nachweis der Beherrschung des 10’000-jährlichen Hochwassers 2011 habe die Gösgen-Betreiberin Analysen eingereicht, die unvollständig dokumentiert und/oder von ungenügender technischer Qualität gewesen seien. Im Aufsichtsbericht 2009 habe die Betreiberin aufgrund ähnlicher Defizite lediglich das Prädikat «ausreichend» erhalten.

Wohlensee-Staudamm bei Mühleberg mit wenig Reserven
Beim Wohlensee-Staudamm vor dem AKW Mühleberg im Kanton Bern sei geprüft worden, ob die Struktur der Anlage erhalten bleibe oder ins Gleiten komme und sich verschiebe, sagte Schwarz. Es bestehe bei jeder Staumauer auch die Gefahr, dass sie kippe oder Risse bekomme. Das Bundesamt für Energie (BFE) habe die Eingaben des Energiekonzerns BKW für die Stauanlagen Mühleberg, Schiffenen und Rossens geprüft. Die Stauanlage Mühleberg halte einem extremen Erdbeben stand. Es seien jedoch «nicht besonders viele Reserven da», hielt Schwarz fest.

Konsequenzen der Fukushima-Atomkatastrophe
Die Aufsichtsbehörde ENSI hatte die Nachweise zur Sicherheit bei extremen Erdbeben als Konsequenz der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima verlangt. Die fünf Schweizer Atomkraftwerke müssen nun bis Ende 2013 nachweisen, dass sie ausreichend gegen Störfälle geschützt sind, die durch extreme Wetterbedingungen ausgelöst werden. Die geforderten Nachweise sind eine Konsequenz des Schweizer Länderberichtes zum EU-Stresstest. Das ENSI war zum Schluss gekommen, dass nachvollziehbare Gefährdungsanalysen für extreme Wetterbedingungen und zugehörige Nachweise der Beherrschung nicht durchgehend vorhanden sind. (awp/mc/upd/ps)

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