Arbeit statt Rente: IV-Stellen gerüstet

Rollstuhl

Bereits jetzt kann die IV jedes Jahr rund 2’300 Renten aufheben, weil Rentner wieder arbeiten.

Bern – Tausende IV-Rentnerinnen und -Rentner sollen wieder arbeiten. Die Invalidenversicherung (IV) erhält mit der IV-Revision 6a neue Instrumente, um Rentner und auch Arbeitgeber eng zu begleiten und zu unterstützen. Am 1. Januar 2012 treten die Neuerungen in Kraft. Das Ziel ist gesetzt: Bis 2018 sollen 17’000 Rentnerinnen und Rentner wieder in den Arbeitsmarkt zurückfinden oder ihre Erwerbstätigkeit ausbauen können.

Unterstützt werden sie von den kantonalen IV-Stellen. Die IV kann nach eigenen Angaben schon heute jedes Jahr rund 2’300 Renten aufheben, weil Rentner wieder arbeiten.

Enge Begleitung
Das Ziel der IV-Revision 6a sei ehrgeizig, aber zu erreichen, sagt Corinne Zbären-Lutz, Geschäftsführerin der IV-Stellen-Konferenz (IVKS). Ein Weg dazu ist der Arbeitsversuch: Arbeitgeber können Personen bis zu sechs Monate lang ohne Arbeitsverhältnis testen. Vorgesehen sind sodann Beiträge für die Integration im Betrieb, Zuschüsse an Arbeitgeber in der Einarbeitungszeit, finanzielle Sicherheiten für beide Seiten, Information, Beratung und ein gutes Netzwerk von IV-Stellen und Arbeitgebern in deren Kanton.

„Sehr wichtig für den Erfolg ist eine enge Begleitung“, betont Zbären. Doch: „Es ist die Wirtschaft, die die Stellen schafft.“ Die Pflege von Kontakten sei wichtig. Die Berner IV-Stelle plant deshalb Anlässe für Arbeitgeber und will auch an Gewerbemessen präsent sein, wie es auf Anfrage hiess. Betriebe sollen informiert und dazu motiviert werden, es mit einer von der IV-Stelle betreuten Person zu versuchen.

Arbeitsmarkt entscheidend

Die Zürcher IV-Stelle verweist auf ihre Zusammenarbeit mit regionalen Arbeitgeberverbänden und Behindertenorganisationen. Der Ausbau des Arbeitgebernetzwerks sei wichtig, sagt Daniela Aloisi, Leiterin Kommunikation. Aus Sicht der Betriebe ist das Ziel der Wiedereingliederung ambitiös. „Entscheidend ist auch der Arbeitsmarkt“, gibt Roland Müller, Geschäftsleitungsmitglied des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes und zuständig für Sozialpolitik und Sozialversicherungen, zu bedenken. Würden generell weniger Menschen eingestellt, treffe das auch IV-Rentner.

Arbeitgeber, IV-Stellen und das Bundesamt für Sozialversicherungen informierten und informieren laut Müller die Betriebe gemeinsam über Neuerungen und Massnahmen. „Es geht darum, die Beteiligten zueinander finden zu lassen und zu zeigen, dass ein guter Teil der Risiken bei der Anstellung eines IV-Bezügers nicht mehr besteht.“

Vorurteile abbauen
Eine Herausforderung ist laut Zbären, dass viele Rentnerinnen und Rentner schon längere Zeit nicht mehr im Arbeitsmarkt sind. „Es müssen also auch Vorurteile abgebaut werden, und die Arbeitgeber müssen noch aktiver über die neuen Eingliederungsinstrumente informieren.“ Die Zürcher IV-Stelle will Langzeit-Renten verhindern: „Wir bleiben mit den Kunden nach der Zusprache der Rente im Kontakt“, führt Aloisi dazu aus. Weil viele Renten aus psychischen Gründen zugesprochenen, hat die Stelle Eingliederungsberater und Job Coaches eingestellt.

Personell sind die IV-Stellen für ihre neuen Aufgaben gerüstet. Die 200 vom Bund landesweit zugestandenen zusätzlichen Vollzeitstellen sind nach Angaben von Zbären mehrheitlich besetzt.

Jährliche Entlastung von 119 Mio Franken

Die vermehrte Wiedereingliederung soll die Rechnung der hoch verschuldeten IV jährlich im Durchschnitt um 119 Millionen Franken entlasten. Die Behindertenverbände verzichteten auf ein Referendum. Im Visier haben sie vor allem die im Parlament hängige zweite Etappe, die weitere Einsparungen bringen soll. (awp/mc/ps)

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