Arbeitslosenquote sinkt im September auf 3,2 Prozent

Arbeitslosenquote sinkt im September auf 3,2 Prozent

Bern – Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz hat im September überraschend abgenommen. Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt habe sich nach dem Corona-Einbruch „deutlich belebt“, begründen die Experten des Bundes diese Entwicklung.

Die Arbeitslosenquote sank gegenüber dem Vormonat auf 3,2 von 3,3 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag mitteilte. Um saisonale Faktoren bereinigte nahm die Arbeitslosigkeit ebenfalls ab, und zwar auf 3,3 von 3,4 Prozent.

Der Rückgang ist eine Überraschung, da viele Wirtschaftszweige unter den Folgen der Coronakrise leiden. Ökonomen hatten die Arbeitslosenquote im Vorfeld denn auch unisono gleichbleibend oder höher erwartet.

„Es wird wieder angestellt“
Die Zahl der gemeldeten Jobs liege nur leicht unter dem Vorjahreswert, als Corona noch kein Thema war, sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, an einer Telefonkonferenz.

Für ihn steht daher fest: „Es wird wieder Personal gesucht und es wird wieder angestellt.“ Die Dynamik des Arbeitsmarktes habe sich deutlich belebt. Es stünden deshalb auch Zwischenlösungen zur Verfügung, welche an Arbeitslose vermittelt werden könnten.

Davon profitierten im September insbesondere jüngere Arbeitslose. Die Quote bei den 15- bis 24-Jährigen verringerte sich gegenüber dem Vormonat nämlich auf 3,6 von 3,9 Prozent, nachdem im Vormonat noch ein deutlicher Anstieg resultiert hatte.

Ein Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit im Juli und August ist üblich, weil in diesen Monaten viele Lehrlinge auf den Arbeitsmarkt kommen. Danach flacht die Quote üblicherweise wieder ab. Es sei zu hoffen, dass dieses „übliche Muster“ sich nun trotz Corona fortsetze, so Zürcher.

Corona-Effekt im Vorjahresvergleich
Die gesamte Zahl der Arbeitslosen lag im September gleichwohl massiv höher als im September vor einem Jahr. Die Quote hatte damals – also in der Vor-Corona-Zeit – noch bei rekordtiefen 2,1 Prozent gelegen und die Zahl der Arbeitslosen bei unter 100’000.

„Das war damals wahrscheinlich die ultimative Sockelarbeitslosigkeit“, sagte Zürcher. Im September 2020 waren nun 148’560 Personen bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos gemeldet.

Zürcher relativiert diesen Anstieg innert Jahresfrist gleichwohl. Die aktuelle Quote sei keineswegs „noch nie dagewesen“. Tatsächlich lag die Quote zum Beispiel im September 2009, also im Nachgang zur Finanzmarktkrise, bei 3,9 Prozent und damit deutlich über dem aktuellen Niveau.

Das Seco geht davon aus, dass im Jahresschnitt 2020 eine Quote von unter 3,5 Prozent erreicht werden wird. Denn nach wie vor gebe es keine Anzeichen für eine anrollende Massenentlassungs-Welle, so Zürcher.

Zudem seien die aktuellen Arbeitslosenzahlen auch durch einen regulatorischen Effekt aus der Corona-Zeit in die Höhe getrieben worden. Konkret wurden Langzeitarbeitslose vorübergehend nicht ausgesteuert. Davon hätten rund 15’000 Personen profitiert, sagte Zürcher. Diese fallen nun nach und nach aus der Statistik, auch wenn sie keinen neuen Job finden.

Kurzarbeit nimmt weiter ab
Ein weiteres positives Signal vom Arbeitsmarkt ist die abnehmende Kurzarbeit. Offiziell liegen allerdings erst die Werte für den Juli vor. Damals waren laut den Angaben knapp 350’000 Personen von der Kurzarbeit betroffen nach rund einer halben Million im Juni. Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise im April waren es 1,3 Millionen gewesen.

Laut einer Schätzung des Seco hätte die Arbeitslosenquote ohne das Instrument der Kurzarbeit in der Krise auf über 20 Prozent steigen können. Gekostet hat die Kurzarbeit bislang im Jahresverlauf 7,3 Milliarden Franken, wie Zürcher weiter sagte.

Der Amtsleiter verneinte im übrigen, dass es wegen der Kurzarbeit nun zu einem falschen Strukturerhalt kommt. Es gebe nämlich allmählich wieder eine Verlagerung zu den traditionellen Kurzarbeit-Branchen Uhren und Maschinenindustrie, die unter der schleppenden internationalen Konjunktur leiden und wo sich der Strukturerhalt daher lohne. Zudem meinte Zürcher: „Nur wegen der Kurzarbeitszeitentschädigung alleine überlebt keine marode Firma.“ (awp/mc/ps)

Seco

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