Aryzta-VRP-Kandidat Schmid ebnet Jordi den Weg – oder einem möglichen Käufer

Aryzta-VRP-Kandidat Schmid ebnet Jordi den Weg – oder einem möglichen Käufer
Andreas Schmid kandidiert nicht mehr für das Verwaltungsratspräsidium bei Aryzta. (Foto: Steiner AG)

Zürich – Neue Wende im Machtkampf um Aryzta: Der vom Tiefkühlgipfeli-Bäcker aufgestellte Kandidat für das Verwaltungsratspräsidium, Andreas Schmid, räumt kurz vor der ausserordentlichen GV das Feld. Beobachter sehen damit den Weg frei entweder für eine Übernahme oder einen Umbau unter dem Ex-Hiestand-Chef Urs Jordi.

Schmid wäre am morgigen Mittwoch gegen den von einer Investorengruppe portierten Jordi angetreten. Er begründete den Rückzug mit den jüngsten Entwicklungen: Er habe sich als Kandidat für den Verwaltungsrat einer unabhängigen Firma oder eines Unternehmens mit starken industriellen Interessen zur Verfügung gestellt, wird er in einer Aryzta-Mitteilung vom Dienstag zitiert. Nach den jüngsten Entwicklungen sei klar geworden, dass diese Lösung nicht länger eine Option sei.

Am Donnerstagabend hatten Aryzta und die Investmentfirma Elliott des US-Milliardärs Paul Singer bestätigt, Übernahmeverhandlungen zu führen. Singer ist bekannt als aggressiver Investor. Unter anderem hat er bereits den Kurznachrichtendienst Twitter und den Pharmakonzern Bayer ins Visier genommen.

Turnaround statt Verkauf
Schmid hatte sich derweil schon früher dafür ausgesprochen, den hierzulande für seine Hiestand-Gipfeli bekannten Backwarenkonzern unternehmerisch weiterzuentwickeln. „Ein schneller Verkauf steht nicht im Vordergrund“, sagte der Ex-Chef des Schokoladenriesen Barry Callebaut und Verwaltungsrat mehrerer Firmen in einem Ende August veröffentlichten Gespräch mit der „Bilanz“.

Dem bestehenden Verwaltungsrat unter dem abtretenden Iren Gary McGann wurde schon damals nachgesagt, mit Hochdruck einen Käufer für Aryzta zu suchen. Mitte Juli gab er bekannt, im Rahmen einer angestossenen Strategieprüfung unaufgeforderte Interessensbekundungen für eine Übernahme erhalten zu haben und diese zu prüfen.

Zuvor hat eine Investorengruppe kräftig Druck aufgesetzt: Die Gruppe um den aktivistischen Fonds Veraison und der Beteiligungsgesellschaft Cobas will Aryzta mit drei eigenen Vertretern im Verwaltungsrat umbauen. Der Konzern ist bereits seit längerem finanziell angeschlagen, zudem ist er durch die Corona-Pandemie gebeutelt worden.

Um Aryzta wieder auf Erfolgskurs zu bringen, setzt die Investorengruppe auf Branchenexperten vor allem aus der goldigen Hiestand-Ära. Unter anderem soll nach ihrem Willen der ehemalige Hiestand-Chef Urs Jordi das Verwaltungsratspräsidium übernehmen.

Auch Jordi hat sich allgemein gegen einen Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. Dennoch machte die Investorengruppe klar, dass sie ein Angebot von Elliott anschauen würde: Auch der neu zusammengesetzte Verwaltungsrat habe die Pflicht, konkrete Kaufangebote sorgfältig zu prüfen und zu analysieren, was langfristig im besten Interesse des Unternehmens und aller Aktionäre sei, teilte Veraison nach Bekanntwerden der Übernahmeverhandlungen mit.

Börse honoriert Verzicht
Jordi bleibt nun der einzige Kandidat für das Verwaltungsratspräsidium. Das kommt bei Beobachtern gut an. Damit entfalle ein Unsicherheitsfaktor, kommentierte etwa die ZKB. Sonst hätte die Gefahr bestanden, dass es zu einem potenziell zerstrittenen Verwaltungsrat gekommen wäre.

Sein Rückzug ebne nun den Weg für zwei Szenarien: Entweder eine Übernahme von Aryzta durch Elliott oder einen anderen Interessenten. Oder dann bestehe die Aussicht auf einen mittelfristigen Turnaround unter Führung von Jordi. Beide Szenarien würden weiteres Kurspotenzial bergen.

Implizit sei das Signal, dass eine Übernahme realistischer sei, schrieb Baader Helvea. Dennoch sei die Visibilität vor der morgigen GV gering. Am Ende dürfte auch der gebotene Preis bei einem allfälligen Angebot entscheidend sein. Die ZKB geht dabei von mindestens einem Franken pro Aktie aus.

An der Börse legen die Aryzta-Aktien am Dienstagmorgen um 2,6 Prozent auf 73,95 Rappen zu. Zwischenzeitlich erreichten sie bei 75,85 Rappen den höchsten Stand seit dem Ausbruch der Coronakrise. Seit Jahresbeginn kumuliert sich das Minus allerdings immer noch auf über 30 Prozent. (awp/mc/ps)

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