Aussenhandel: Hoher Franken drückt auf Exporte

Zürich – Im Schweizer Aussenhandel macht sich der starke Franken im stärker bemerkbar. Nominal ist er im Juni 2011 deutlich in die Minuszone gerutscht, und auch die Preise der Exportgüter waren stark rückläufig. Die Exporte gingen gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,2% (real: +3,1%) auf 15,8 Mrd CHF zurück, die Importe um 9,6% (real: -4,3%) auf 14,1 Mrd CHF.

Allerdings zählte der Berichtsmonat gleich zwei Arbeitstage (Auffahrt/Pfingsten im Juni) weniger als der Vorjahresmonat, wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) am Donnerstag mitteilte. Arbeitstagbereinigt stagnierten die Ausfuhren (+0,4%; real: +12,8%) und die Einfuhren sanken um 1,3% (real: 5,0 %). Nicht zuletzt wegen den fehlenden zwei Arbeitstagen hätten alle Branchen einen Absatzrückgang erlitten – mit Ausnahme der Uhrenindustrie.

Preise von Exportgütern wesentlich tiefer
Die Preise der Exportgüter verringerten sich laut EZV um hohe 10,9%, während jene der Importwaren um 5,6% sanken. Unter Ausschluss der Pharmasparte betrug der Preisabschlag ausfuhrseitig 5,0% (real: -3,3%) und einfuhrseitig 6,9% (real: -2,9%). Die Entwicklung schlug sich im einem gegenüber Vorjahr um 5,9% höheren Überschuss von 1,75 Mrd CHF in der Handelsbilanz nieder. Im Halbjahr beläuft sich der Handelsbilanzsaldo laut EZV auf 11,60 Mrd CHF (+18,9%). In den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben dabei die Exporte um 4,3% angezogen und die Importe um 2,7%. Im zweiten Jahresviertel habe sich jedoch das Wachstum in beiden Verkehrsrichtungen sichtbar verlangsamt, zudem seien die Preise der ausgeführten Güter deutlich gesunken. Die kräftigsten Impulse kamen nach Angaben der EVZ aus Asien, während die Nachfrage aus Europa beinahe stagniert hat.

Uhrenindustrie deutlich im Plus
Nur drei der zehn Exportbranchen vermochten ihren Auslandumsatz gegenüber der Vorjahresperiode zu steigern. Am deutlichsten gelang dies der Uhrenindustrie, die gleich ein Fünftel mehr absetzen konnte. Die Metallindustrie exportierte immerhin fast 10% und die Maschinen- und Elektroindustrie 8% mehr als vor Jahresfrist. Die Metallindustrie wuchs in allen Subgruppen zwischen 5 und 17%. Durchzogener präsentiere sich hingegen das Bild bei der Maschinen- und Elektronikindustrie. Hier stand dem kräftigen Plus in den Sparten Textil- und Metallbearbeitungsmaschinen (+38 bzw. +32%) ein deutliches Minus bei den Handwerkzeug- und Kraftmaschinen gegenüber. Knapp unter dem Vorjahresniveau lagen die Auslieferungen von Präzisionsinstrumenten sowie jene der Kunststoffindustrie.

Nahrungs- und Genussmittelindustrie: Ausfuhren rückläufig

Um rund 2% niedriger fiel der Auslandabsatz der Textil- und der Chemischen Industrie sowie der Nahrungs- und Genussmittelindustrie aus. Letztgenannte schrieb – ausser beim Kaffee (+15,7%) – in allen Sparten einen Rückgang. Bei der Chemischen Industrie stiegen einzig die Ausfuhren von Immunologischen Produkten. Am deutlichsten sanken die Lieferungen von Roh- und Grundstoffen sowie von pharmazeutischen Wirkstoffen. Die Exporte der Bekleidungsindustrie sowie der Papier- und Grafische Industrie verringerten sich um 3,4 bzw. 5,7%.

Absatz nach Europa praktisch unverändert
Im ersten Halbjahr exportierte die Schweiz – mit Ausnahme nach Afrika – in alle Regionen mehr Güter. Am stärksten war die Zunahme in Asien (+14,4%). Zwischen 5 und 8% erhöhten sich die Ausfuhren nach Ozeanien sowie Latein- und Nordamerika. In Europa bzw. der EU nahm der Absatz um lediglich 0,9% zu. Bei den einzelnen Ländern stach Irland hervor; hier wuchsen die Ausfuhren gleich um die Hälfte. Die Exporte nach China und in die Vereinigten Arabischen Emirate erhöhten sich den EZV-Angaben um 42 bzw. 37%, während jene nach Indien um drei Zehntel zulegten.  (awp/mc/upd/ps)

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