BAK Basel: Zentralschweiz bleibt Wachstumsleader

Konjunktur Schweiz

Basel – Die Weltwirtschaft präsentiert sich im Frühsommer 2012 in fragiler Verfassung. Grösstes Sorgenkind bleibt die Eurozone, wo die Staatsschuldenkrise wieder verstärkt in das Blickfeld der Wirtschaftsakteure geraten ist. Angesichts dieses schwierigen Umfelds sind die Perspektiven der Schweizer Regionen und Branchen für das zweite Halbjahr 2012 nur bescheiden. Da das Winterhalbjahr jedoch dank der robusten Binnennachfrage überraschend gut verlaufen ist, hat BAKBASEL die Schweizer BIP-Prognose für das Jahr 2012 im Juni von +0.7 auf +1.5 Prozent erhöht.

Trotz der eingetrübten Aussichten ist daher für das Gesamtjahr 2012 auch bei vielen Branchen und den Schweizer Regionen von einer höheren Dynamik auszugehen, als noch im April erwartet. Die gute Performance des Jahres 2011 wird jedoch zumeist nicht mehr erreicht. Auf regionaler Ebene dürfte die Zentralschweiz sowohl 2012 als auch 2013 mit einem BIP-Wachstum von mehr als 2 Prozent die wachstumsstärkste Region bleiben – bei den Branchen führt die Uhrenindustrie weiterhin die Wachstumstabelle an (2012: +3.6%; 2013: +3.5%). Stark von den Entwicklungen in der Eurozone abhängige Branchen wie der Tourismus, die Banken oder die Investitionsgüterindustrie müssen hingegen derzeit niedrige bzw. sogar negative Wachstumsraten verkraften.

Zentralschweiz profitiert von Grossprojekten und günstigen Standortbedingungen  
Die Doppelbelastung aus Frankenstärke und Eurokrise führt im laufenden Jahr in allen Schweizer Regionen gegenüber 2011 zu einer Wachstumsverlangsamung. In den meisten Regionen liegt die Dynamik dabei recht nahe am Schweizer Durchschnitt von 1.5 Prozent; einzig die Zentralschweiz ragt mit einem Wachstum des regionalen Bruttoinlandsprodukts von über 2 Prozent heraus. Die Region Zürich/Aargau dürfte hingegen im Jahr 2012 mit 1.2 Prozent das schwächste Wachstum aller Regionen verzeichnen. Der Hauptgrund hierfür ist die schwache Performance des Finanzsektors.

Auch im Jahr 2013 wird sich die Region Zürich/Aargau mit einem Wachstum von 1.5 Prozent leicht unterhalb des gesamtschweizerischen Durchschnitts bewegen. Wachstumsleader bleibt mit einer Zunahme des regionalen Bruttoinlandsproduktes von 2.1 Prozent die Zentralschweiz. Die übrigen Regionen dürften im Bereich zwischen +1.3 Prozent (Espace Mittelland, Ostschweiz) bis +1.9 Prozent (Bassin Lémanique) liegen. Die überdurchschnittliche Entwicklung der Zentralschweiz ist vor allem aktuellen Tourismus-Grossprojekten, einem ausgewogenen Branchenmix sowie günstigen Standortbedingungen zu verdanken. Letzteres belegt auch der BAK Taxation Index 2012, bei dem die vertretenen Zentralschweizer Kantone allesamt Spitzenresultate erzielen und sich somit im internationalen Standortwettbewerb als steuerlich ausgesprochen wettbewerbsfähig erweisen.1

Eurokrise trifft vor allem Tourismus, Banken und Investitionsgüter
Die Auswirkungen der Eurokrise und der Frankenstärke spiegeln sich in einem sehr heterogenen Branchenausblick wider. Vor allem Branchen, die stark von der Nachfrage aus dem Euroraum abhängig sind, stehen in den kommenden Monaten vor anhaltend grossen Herausforderungen. Einen Rückgang der Wertschöpfung in Höhe von 3.5 Prozent wird 2012 der Tourismus zu verkraften haben. Dieses Minus ist zu grossen Teilen auf den Einbruch der Hotelübernachtungen von Gästen aus Westeuropa zurückzuführen. Erst 2013 dürfte der Schweizer Tourismussektor dank Nachholeffekten wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren können (+2.1%).

Stark abhängig von Exporten in die Eurozone sind auch die Investitionsgüterbranchen, in denen 2012 insgesamt nur mit einem verhaltenen Wertschöpfungsplus von 0.4 Prozent gerechnet wird. Die Schweizer Banken haben neben der europäischen Schuldenkrise auch mit einem unsicheren regulatorischen Umfeld zu kämpfen – BAKBASEL prognostiziert hier sowohl für das laufende als auch für das kommende Jahr eine Stagnation der Wertschöpfung.

Daneben gibt es aber auch exportorientierte Branchen, die sich erfolgreich gegen die Eurokrise stemmen. An erster Stelle ist hier die Uhrenindustrie zu nennen, die 2012 und 2013 jeweils um etwa 3.5 Prozent expandieren dürfte. Die Uhrenhersteller sind hervorragend auf den Wachstumsmärkten Asiens positioniert und können sich dank ihrer hochqualitativen Produkte weitgehend dem Preiswettbewerb entziehen. Auch die chemisch-pharmazeutische Industrie dürfte 2012 aufgrund geringer Konjunkturabhängigkeit (Pharma) bzw. frühzyklischer Produkte (chemische Rohstoffe) ein robustes Wertschöpfungswachstum von 1.8 Prozent erreichen können (2013: +2.1%), wenngleich der starke Franken im Chemie-/Pharmabereich weiterhin für einen hohen Margendruck sorgt.

Dynamische Bauwirtschaft
Auf binnenwirtschaftlicher Seite zeigt sich vor allem die Bauwirtschaft dynamisch. BAKBASEL erwartet hier in den Jahren 2012 und 2013 jeweils ein Wertschöpfungswachstum von rund 2 Prozent. Dem Schweizer Bausektor kommt vor allem die anhaltend hohe Zuwanderung zugute. Ähnliches gilt im Verbund mit der robusten Konsumentenstimmung für die konsumnahen Bereiche wie den Schweizer Detailhandel. Allerdings sinken hier die Preise aufgrund des starken Frankens weiterhin schneller als die Nachfrage zulegt, so dass sich die wertmässigen Umsätze trotz anziehender Nachfrage auch 2012 rückläufig entwickeln werden.

Eine ausführliche Darstellung der Prognosen findet sich in der BAKBASEL Publikation «CH-Plus – Analysen und Prognosen für die Schweizer Volkswirtschaft».  (BAK BASEL/mc/ps)

1 Für weiterführende Informationen vgl. Ergebnisse des BAK Taxation Index 2012 auf www.bakbasel.com -> Taxation.

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