BAKBASEL senkt Prognose für BIP-Wachstum 2012

Weltwirtschaft Entwicklung

Zürich – Das Wirtschaftsforschungsinstitut BAKBASEL erwartet, dass der Schweizer Wirtschaft ein schwieriger Winter bevorsteht. Deshalb senkt das Institut seine Prognose für das BIP-Wachstum 2012 auf 0,4% nach bisher 0,8%. Dabei sei für das das Winterhalbjahr 2011/2012 von einer leicht rezessiven Entwicklung auszugehen, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag.

Ab dem zweiten Halbjahr werde die Konjunktur in der Schweiz wieder anziehen, so dass im Jahr 2013 eine in etwa dem Potenzialwachstum entsprechende Wachstumsrate von 1,7% resultieren werde, heisst es weiter. Dies sei jedoch zu wenig, um nach der kräftigen Delle 2012 die wieder steigende Arbeitslosigkeit abzubauen. Deshalb rechnet das BAKBASEL damit, dass bis zum Jahresende 2012 die Arbeitslosenquote auf 3,6% steigen wird und im Jahresdurchschnitt 2013 auf diesem Niveau verharrt.

Euro-Krise belastet globales Umfeld
Vor allem die nach wie vor anhaltende Euro-Schuldenkrise zeichnet verantwortlich für diese Prognosereduktion. So habe sich die Schuldenkrise sich in den letzten Monaten weiter verschärft und sei zu einer erheblichen Bedrohung für die globale Wirtschaft geworden. Im Basisszenario von BAKBASEL wird zwar davon ausgegangen, dass die politische Lösungskompetenz ausreicht, grosse Euroländer vor ähnlichen Entwicklungen wie in Griechenland abzuschirmen.

Winterhalbjahr mit rezessiver Entwicklung
Aber auch unter dieser Annahme müsse für die Eurozone im Winterhalbjahr 2011/2012 mit einer rezessiven Entwicklung gerechnet werden, schreibt das Institut in der Mitteilung weiter. Neben der in vielen Ländern sehr restriktiven Fiskalpolitik hemmen vor allem die zunehmend zögerliche Kreditvergabe der Euro-Geschäftsbanken und das allgemein hohe Misstrauen der Wirtschaftsakteure die realwirtschaftlichen Aktivitäten.

Erholung im zweiten Halbjahr 2012
Unter der Annahme, dass eine Eskalation der Euro-Krise vermieden werden könne, sollte sich die europäische Realwirtschaft ab dem zweiten Halbjahr 2012 allmählich erholen. Aufgrund der vielfältigen und anhaltenden Belastungsfaktoren geht das BAKBASEL jedoch davon aus, dass sich die ab dem zweiten Halbjahr 2012 erwartete konjunkturelle Besserung nicht in einem kräftigen zyklischen Umschwung äussert, sondern in einer zunächst noch sehr zaghaften Erholung, welche erst zum Jahresende 2012 verstärkt Fahrt aufnehmen wird.

Keine Hilfe aus den USA und China
Zudem ist auch aus den USA keine mitziehende Dynamik zu erwarten, welche die globale Wirtschaft stützen werde, auch wenn die konjunkturelle Lage in Übersee deutlich gefestigter erscheine als in der Eurozone. Das gilt vor allem vor dem Hintergrund der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit, der bisher kaum vorangeschrittenen Erholung des Immobilienmarktes und den lähmenden politischen Auseinandersetzungen im Zuge der anstehenden Präsidentschaftswahl.

Erschwerend komme hinzu, dass auch der bisherige weltwirtschaftliche Erholungsmotor China stärker an Zugkraft zu verlieren scheint, als bisher erwartet.

Schweizer Konjunktur schwächst sich weiter ab
Das herausfordernde globale Umfeld stelle die Schweizer Wirtschaftsakteure und Geldpolitik vor grosse Herausforderungen. Zwar habe sich die preisliche Wettbewerbssituation der Schweizer Exportwirtschaft mit der am 6.September 2011 eingeführten SNB-Mindestgrenze etwas entschärft, auf dem aktuellen Niveau sei der Franken aber immer noch sehr hoch bewertet und stelle die Rentabilität vieler Exportbereiche in Frage.

Anhebung der Mindestgrenze erwartet
Auch steht der Schweizer Exportwirtschaft die schwierigste Phase erst noch bevor: So wird die bis anhin immer noch recht rege Mengenkonjunktur mit der globalen Abkühlung ins Negative kehren und die Auslastung der Produktionskapazitäten absenken. Jedoch geht das BAKBASEL davon aus, dass die geschilderten aussenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen der SNB erlauben, die Mindestgrenze im Winterhalbjahr 2012 auf 1,25 CHF/EUR anzuheben.

Leichte Deflation im Jahr 2012
Bei der Entwicklung der Konsumentenpreise geht das BAKBASEL von einer leicht deflationären Entwicklung aus. So dürften die Konsumentenpreise im Jahresschnitt 2012 um 0,2% zurückgehen. Aufgrund des schwachen wirtschaftlichen Umfelds sollten auch die Ölpreise (Brent Crude) im Jahresdurchschnitt 2012 leicht unter die Marke von 100 USD/Barrel fallen. Gegenüber dem Jahr 2011 bedeute dies einen Rückgang von rund 12%. Damit kommt der stärkste Preistreiber der letzten Monate nicht mehr zum Tragen. Mit der erfolgten Herabsetzung des hypothekarischen Referenzzinssatzes ist in den kommenden Monaten auch seitens der Mietausgaben ein reduzierter Impuls auf die Teuerung zu erwarten, heisst es weiter.

Gestärkte Kaufkraft
Jedoch würden die rückläufigen Teuerungsraten die Kaufkraft der Schweizer Konsumenten stärken und ein Gegengewicht zur deutlich gesunkenen Konsumentenstimmung bilden. Auch werde der private Konsum durch die immer noch sehr rege Einwanderung gestützt. Dass in der Schweiz trotz der angekündigten Entlassungen immer noch zahlreiche Stellen geschaffen werden, machten nicht zuletzt die hohen Einwanderungszahlen von August und September 2011 deutlich. In der Summe der genannten Faktoren erwartet BAKBASEL von den privaten Konsumausgaben auch im trüben Umfeld der kommenden Monate leicht positive Impulse für die Schweizer Konjunktur. Das gleiche gilt für die Bauwirtschaft, wo sich der Wohnungsbau zu neuen Rekordhöhen aufschwingt. (awp/mc/pg)

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