Berset blickt mit Sorge auf mutierte Coronavirus-Variante – vorerst keine neuen Massnahmen

Alain Berset
Gesundheitsminister Alain Beret. (Screenshot)

Basel – In Basel ist am Montag im Beisein von Bundesrat Alain Berset in der Messe Basel das erste Corona-Impfzentrum der Schweiz eröffnet worden. Berset äusserte sich „verhalten optimistisch“ zur gegenwärtigen Entwicklung, aber auch mit Sorge zur aktuellen Mutation des Coronavirus.

Er könne aber noch nicht abschliessend sagen, wie wirkungsvoll die vom Bund verfügten Massnahmen gewesen seien, so Berset weiter. Es sei nach den Festtagen mit weniger Testresultaten schwierig, die Situation einzuschätzen. Er glaube aber, dass sie sich mit der nötigen Disziplin meistern lassen, sagte er an einem Point de Presse nach einem Rundgang durch das Basler Impfzentrum.

Über 10’000 Neuansteckungen
Gemäss den vom BAG vorgelegten Zahlen haben sich in den letzten 96 Stunden 10’087 Personen mit dem Coronavirus angesteckt. Insgesamt wurden knapp 83’000 Tests durchgeführt, was eine Positivitätsrate von 12,2 Prozent ergibt. Das BAG vermeldete zudem 244 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. 482 zusätzliche Personen wurden hospitalisiert.

Keine weiteren Massnahmen in dieser Woche zu erwarten
Mit Sorgen steht Berset der in Grossbritannien erstmals nachgewiesenen Mutation des Coronavirus gegenüber. Bekannt sei, dass diese sich um einiges ansteckender sei als bislang bekannte Versionen des Virus, so Berset. Man wisse aber noch sehr wenig über diese Mutation. Der Bund habe nach Anhörung der Kantone sehr schnell reagiert und die Flugverbindungen zu den britischen Inseln einstellen lassen.

Wenn man die Ausbreitung dieses mutierten Erregers nicht in Griff bekomme, bräuchte es eine Verschärfung der Massnahmen, so Berset weiter. Über mögliche neue Massnahmen mochte er sich nicht äussern. Er gehe aber nicht davon aus, dass der Bundesrat noch in dieser Woche neue Massnahmen beschliessen werde – auszuschliessen sei in dieser Zeit voller Überraschungen allerdings nichts.

Angesprochen auf die vielen britischen Touristen, die sich in Verbier (VS) der verfügten Quarantäne entzogen hätten, sagte Berset: „Da ist nicht alles perfekt gelaufen.“ Der Bund sei aber für den Vollzug der Massnahmen nicht zuständig.

Flickenteppich in der Nordwestschweiz
Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) äusserte sich zurückhaltend über den erneuten Massnahmen-Flickenteppich in den Nordwestschweizer Kantonen. Er sei von den in den Kantonen Aargau und Solothurn verfügten Schliessung von Einkaufsgeschäften, die nicht dem dringenden täglichen Bedarf dienten, überrascht worden.

Man werde in Basel-Stadt die Entwicklung über die Feiertage aufmerksam beobachten und danach allenfalls weitere Massnahmen beschliessen, sagte Engelberger.

Erstes Impfzentrum der Schweiz
Die Eröffnung des Impfzentrums bezeichnete Engelberger als wichtigen Schritt zur Bewältigung der Covid-19-Krise. Aber es sei noch Geduld gefragt. Er selber werde sich bei der Impfung an die Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Impffragen halten und als gesunde Nicht-Risikoperson noch zuwarten. Gleich äusserte sich auch Berset.

Daniel Uebersax von der Basler Firma Meconex AG, die das Zentrum betreibt, sagte, dass in Basel theoretisch 2000 Impfungen pro Tag verabreicht werden könnten. Der Mangel an zur Verfügung stehendem Impfstoff setze hier aber noch Grenzen.

Enorm hohe Nachfrage
In einer ersten Phase werden in Basel bis 30. Dezember 1900 Impfdosen für Personen ab 65 Jahren abgegeben. Die vor einer Woche ausgeschriebenen Termine waren innert kürzester Zeit ausgebucht. Die Nachfrage nach Impfterminen sei enorm, sagte Engelberger. Berset wertete den Ansturm angesichts der angestrebten grösstmöglichen Durchimpfung der Bevölkerung als gutes Zeichen.

In einer zweiten Phase vom 4. bis 13. Januar dürfen sich gemäss den nachgereichten Empfehlungen der Kommission für Impffragen nur Menschen ab 75 Jahren impfen lassen. Für diesen Zeitraum stellt der Kanton 3000 Impfdosen zur Verfügung. Auch für diese Impfungen sind bereits sämtliche Termine vergeben.

Die Direktorin des Bundesamts für Gesundheit, Anne Lévy, stellte noch für den kommenden Januar die Bereitstellung eines elektronischen Impfausweises in Aussicht. In diesem könnten dann auch andere Impfungen registriert werden. (awp/mc/pg)

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