BKW kauft Alpiq AEK-Beteiligung ab

Suzanne Thoma
BKW-CEO Suzanne Thoma. (Foto: BKW)

Bern – Der Berner Energiekonzern BKW stockt die Beteiligung an der Solothurner Energieversorgerin AEK auf und wird so zur starken Mehrheitsaktionärin. Er hat von verschiedenen wichtigen Aktionären AEK-Anteile zugekauft, wobei das grösste Paket vom Stromkonzern Alpiq stammt. Dieser braucht Mittel, um die hohe Schuldenlast weiter abzubauen.

Insgesamt hat die BKW ein Paket im Umfang von 53,6% übernommen und hält damit künftig über 93% an der AEK, wie es in der Mitteilung vom Donnerstag heisst. Übernommen wird zum einen der von Alpiq gehaltene 38,7%-Anteil. Zusätzlich gehen auch die Beteiligung der EBM (Genossenschaft Elektra Birseck, Münchenstein) mit 4,4%, der EBL (Genossenschaft Elektra Baselland, Liestal) mit 2,7% und der Toff AG mit 7,3% an BKW über. Dazu kommt noch ein knappes halbes Prozent von weiteren Aktionären aus dem Streubesitz.

Zum Kaufpreis macht die BKW keine Angaben. Sie hat dazu mit den beteiligten Parteien Stillschweigen vereinbart. Zudem bedarf der Abschluss noch der Zustimmung der Wettbewerbskommission Weko. Die BKW ist seit 1928 an der AEK beteiligt und hielt zuletzt einen Anteil in Höhe von 39,5%.

AEK soll im Raum Solothurn verankert bleiben
«Die AEK ist ein Unternehmen, das erfolgreich am Markt unterwegs und gut geführt ist», wird BKW-CEO Suzanne Thoma zitiert. Man werde das Geschäft der AEK im Rahmen der neuen Besitzstruktur weiterentwickeln und die Gesellschaft zu einer integrierten Energiedienstleisterin mit starker regionaler Verankerung ausbauen.

Dabei profitierten beide Unternehmen vom Zusammenrücken, gibt sich BKW überzeugt. Den AEK-Kunden eröffne sich ein umfassenderes Angebot und den Mitarbeitenden sichere es die Zukunft. Die BKW ihrerseits profitiere von den Stärken der AEK wie zum Beispiel dem Contracting-Geschäft. Da geht es um die Planung, Finanzierung und Installation von Wärmeverbund- oder Fernwärmeprojekten sowie deren Betrieb und Unterhalt. Zudem produziere eine AEK Tochter mit Sitz in Balsthal Holzpellets.

Die AEK soll weiterhin stark in der Region Solothurn verankert bleiben. Sie zählt am Jurasüdfuss rund 40’000 Kunden. 2015 erzielte sie einen Gewinn von 11,5 Mio CHF und wies ein Eigenkapital von 175 Mio aus.

Alpiq baut um
Alpiq will derweil mit den aus dem Verkauf frei werdenden Mitteln die Nettoverschuldung weiter reduzieren und so die Bilanz stärken, wie es in der Mitteilung der Gruppe heisst. Der Konzern steckt in einer Phase des Umbaus. Vor diesem Hintergrund hatte Alpiq auch den Verkauf der AEK-Beteiligung einer Prüfung unterzogen.

Der Umbau werde konsequent fortgesetzt, verspricht Alpiq. Oberste Priorität habe dabei die Sicherstellung der Kapitalmarktfähigkeit. Mit der bereits kommunizierten Öffnung des Wasserkraftportfolios für neue Investoren will Alpiq künftig auch weniger von den tiefen Grosshandelspreisen abhängig sein. Zusätzlich würden weitere Devestitionsmöglichkeiten nicht strategischer Beteiligungen geprüft und Kosten gesenkt.

Alpiq, die im Jahr 2015 einen Reinverlust von 830 Mio CHF erlitten hatte, verkaufte im März bereits seine 11,8%-Beteiligung an der Romande Energie Commerce, dem grössten Westschweizer Stromversorger, an die bestehenden Aktionäre.

Keine Überraschung
Die Transaktion stelle keine Überraschung dar, schliesslich habe Alpiq diesen in Aussicht gestellt, schreibt ZKB-Analyst Sven Bucher. Für die BKW, welche bereits zusammen mit der Alpiq für die Stromlieferung zuständig war, dürften sich derweil Synergien ergeben. Zudem baue sie mit AEK das regulierte und damit stabilere Geschäft aus. Den Verkaufspreis für die gesamten 53,6% schätzt der Analyst auf 100 bis 150 Mio CHF.

Im Gegenzug brauche Alpiq die Mittel, um die im Vergleich zur Ertragskraft hohe Verschuldung abzubauen, so der Kommentar weiter. Als nächstes könnte AVAG in Olten, an der Alpiq knapp 97% hält, verkauft werden. Hier erwartet Bucher einen Erlös von klar über 200 Mio. (awp/mc/pg)

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