Brennpunkt internationaler Warenhandel – Praxisbeispiel SFC KOENIG

Brennpunkt internationaler Warenhandel – Praxisbeispiel SFC KOENIG

Grenzen mühelos zu passieren, ist das Ziel des internationalen Warenhandels. Das ist in den vergangenen Jahren jedoch komplexer geworden. Unternehmen unterliegen steigenden Anforderungen, die sich aus Normen, gesetzlichen Vorgaben oder Vertragswerken ergeben. Ein Beispiel aus der Praxis.

Von Stefan Schibli, Teamleader Supply Chain Management bei SFC KOENIG

International tätige Unternehmen unterliegen steigenden Anforderungen, die sich unter Umständen täglich wandeln können. Weltpolitische Umbrüche können sich still und schleichend oder abrupt und laut vollziehen. Man denke an die aktuelle Coronakrise oder auch an die Politik der USA gegenüber China, die sich in den letzten drei Jahren in verblüffendem Tempo gewandelt hat.

Auch technische Normen sind nicht gottgegeben und unterliegen einem Wandel sowie zollrechtlichen Vorgaben. Verstösse gegen anzuwendende Vorschriften können zu finanziellen Einbussen führen und das Risiko einer strafrechtlichen Verurteilung steht im Raum.

Historischer Rückgang im Export und Import
Für ein kleines, rohstoffarmes Land wie die Schweiz ist die Internationalisierung unerlässlich, um das Wohlstandsniveau zu erhalten. Die Schweizer Exportwirtschaft scheint sich zwar vom Coronaschock einigermassen erholt zu haben, verdaut ist dieser aber noch längst nicht. Im vergangenen zweiten Quartal wies der schweizerische Aussenhandel einen historischen Rückgang aus. Die Ausfuhren gingen um 11 Prozent zurück und die Einfuhren gar um 16 Prozent. Es handelt sich um einen historischen Rückgang im Export und Import. Gerade als Schweizer Unternehmen ist es daher wichtig, die konkreten substanziellen Risiken realistisch einzuschätzen und geeignete schlanke Prozesse sowie eine passende, effiziente Organisation zu gestalten.

Dazu muss das Unternehmen in einem ersten Schritt risikobehaftete Themen identifizieren. Die Herangehensweise an die verschiedenen komplexen Themen ist nicht einfach, da das Unternehmen Massnahmen von Behörden ausgesetzt ist und auch kritische Sachverhalte geprüft werden müssen, die bisher nur wenig Aufmerksamkeit in der unternehmerischen Compliance genossen haben. Oft ist dazu externe Unterstützung nötig, da das Fachwissen im Unternehmen (noch) nicht oder zu wenig existiert. Nahezu alle Unternehmensbereiche sind von der Internationalisierung betroffen. Längst sind auch Beschaffungsstrategien und Einkaufsverträge und national tätige Zulieferanten in den Fokus der internationalen Absatzkette geraten. Doch nicht nur Beschaffungsstrategie, Lieferantenwahl und die entsprechenden Produktionsstandorte, sondern auch der Warenursprung und damit einhergehende Zollabgaben beeinflussen den Verkaufspreis von Produkten.

Zusammenarbeit und Evaluation von Zoll- und Logistikpartnern
Auch unser Unternehmen, als global tätiger Hersteller und Anbieter von Dichtungslösungen und Durchflusssteuerungen, ist stark exportorientiert und die Importe nehmen laufend zu. Als Teamleader Supply Chain Management muss ich mir einen Überblick über relevante Risiken und Zusammenhänge verschaffen, dies in Zeiten, wo sich internationale Spielregeln ständig verändern. Die Zusammenarbeit und Evaluation
von Zoll- und Logistikpartnern rückt daher immer wieder in den Fokus. Dank dem Wissen zu Freihandelsabkommen, Warenursprung oder Güterkontrollgesetz können wir relevante Aussenhandels-Stammdaten für Lieferanten- oder Kundenanfragen definieren und erfassen. In der Coronakrise haben mir meine Kenntnisse im Bereich Transportrecht gezielt geholfen, die stark volatilen Transportpreise besser zu managen. Aber auch die Durchleuchtung von internationalen Kaufverträgen, die Vertrautheit mit den internationalen Rahmenbedingungen sowie das fokussierte Wissen zu Zollrecht und Zollverfahren ermöglichen unserem Unternehmen Kostenersparnisse.

Sicherstellung der Ursprungsnachweise
Die Importe von Halbfabrikaten und die Anzahl der Lieferanten aus dem Ausland nehmen in unserem Unternehmen stetig zu. Als Schweizer Unternehmen zählt Europa zu unseren grössten Absatzmärkten. Die Sicherstellung der Ursprungsnachweise ist matchentscheidend für zukünftige Exporte. Bisher konzentrierte sich das Fachwissen hinsichtlich Zollthemen, Warenursprung oder Güterkontrollgesetz mehrheitlich innerhalb des Supply Chain Managements. Stetige Veränderungen der Vorgaben innerhalb der Schweiz sowie in den Einkaufund Absatzländern zwingen uns dazu, das Verständnis für diese Themen innerhalb des Unternehmens weiter «auszurollen» und zu festigen. Die Coronakrise hat uns gezeigt, dass sich Beschaffungsmärkte, Absatzmärkte und Transportlösungen sehr schnell in eine negative Richtung verändern können. Die künftigen Auswirkungen auf unsere Beschaffungsmärkte sind aktuell schwer zu prognostizieren – und es wird uns einiges an Flexibilität abverlangen, um jederzeit eine Lieferbereitschaft für unsere Kunden gewährleisten zu können.

Beim Aufbau von Lieferanten ist der reine Einkaufpreis schon länger nicht mehr das ausschlaggebende Argument. Es müssen auch die geografischen Aspekte und die damit verbundenen Einfuhrbedingungen und Transportkanäle stärker berücksichtigt werden. Nur durch eine übergreifende Betrachtung der Gesamtkosten und Rahmenbedingungen von der Beschaffung bis hin zum Absatzmarkt kann ein maximaler Nutzen für Kunden und Unternehmen geschaffen werden.


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