Buchpreisbindung: Befürworter starten Abstimmungskampf

Buchpreisbindung: Befürworter starten Abstimmungskampf

Bern – «Ja zum Buch mit Preisbindung»: Unter diesem Slogan haben am Donnerstag Buchhändler, Autoren und Verleger den Abstimmungskampf für die Wiedereinführung der Buchpreisbindung eröffnet. Sie werden unterstützt von Politikern und der Stiftung für Konsumentenschutz.

Ein Ja in der Eidg. Abstimmung vom 11. März stärke Buchhandlungen und Verlage, sichere die kulturelle Vielfalt, fördere Schweizer Literatur und senke die Preisunterschiede zum Ausland ohne einen einzigen Steuerfranken, argumentierten die Befürworter an einer Medienkonferenz in Bern. Die Preisbindung sei ein einfaches Lenkungsinstrument, um die Buchvielfalt zu sichern: Durch einen auf Inhalt, Qualität und Preis ausgerichteten Wettbewerb würden auch in Zukunft Werke kleinerer Schweizer Verlage und (noch) unbekannter Autoren publiziert und fänden über ein gutes Buchhandlungsnetz den Weg zu den Lesern.

«Bibliodiversität» gefährdet
«Ohne irgendwelche Regulierung ist die ‹Bibliodiversität› in der Schweiz massiv gefährdet, sagte Pascal Vandenberghe, Direktor der Westschweizer Buchhandlungsgruppe Payot: «Eine vielfältige Buchproduktion nämlich, die über ein breites Buchhandelsnetz den Konsumenten zu einem fairen Preis angeboten wird.» Die Frage sei folgende, sagte Marianne Sax, Präsidentin des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands (SBVV) und Inhaberin einer kleinen Buchhandlung in Frauenfeld: «Wollen wir den traditionellen, engagierten Buchhandel behalten, oder wollen wir diesen sausen lassen?»

Günstigere Bücher für alle?

Die Buchpreisbindung halte die Bücherpreise über das gesamte Buchsortiment tief – nicht nur für wenige Bestseller in Discountern, halten die Befürworter weiter fest. Mit der Einführung der Preisbindung würden die in den letzten Monaten als Folge des tiefen Euros gesenkten Listenpreise – also die von den Verlagen empfohlenen Preise – für alle Händler verbindlich. Damit würden bei Einführung der Preisbindung zu einem fairen Preis die Preisunterschiede zum Ausland kleiner. «Anders als die Gegner behaupten, bringt die Preisbindung günstigere Bücher für alle», sagte Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands.

Hohe Preise und Monokultur
Die Erfahrungen aus der Romandie oder auch England zeigten, dass der deregulierte Buchmarkt nicht für Qualität und Vielfalt sorge, sondern für hohe Preise und Monokultur, sagen die Befürworter der Preisbindung. Rabattschlachten auf wenigen Massentiteln stünden stark überhöhten Preisen beim restlichen Sortiment gegenüber. Massives Buchhandels- und Verlagssterben führe zu kultureller Verarmung. In England, wo es seit 1995 keine Preisbindung mehr gibt, seien die Folgen fatal, sagte Gurli Jensen, Inhaberin der Buchhandlung zum Zytglogge, Bern: «Allein in den letzten sechs Jahren ist die Hälfte aller Buchhandlungen eingegangen, fast 600 Städte sind ohne eine einzige Buchhandlung.»

Gut gefüllte Kriegskasse

Die Autorinnen und Autoren, Buchhändler und Verleger aller Landesteile werden von Vertretern von BDP, CVP, FDP, Grünen, SP und SVP unterstützt. Für ein Ja am 11. März werben auch die Stiftung für Konsumentenschutz SKS, der Verband der Autorinnen und Autoren AdS, Swips (Swiss Independent Publishers) und andere. Sie lassen sich die Abstimmungskampagne in der Deutschschweiz ungefähr eine halbe Million Franken kosten, in der Romandie etwa 300’000 Franken. Mit viel bescheideneren Mitteln wird die Kampagne im Tessin geführt.

Gegner: Verlierer sind die Konsumenten
Das Parlament hatte im Frühling 2011 die Wiedereinführung der Buchpreisbindung beschlossen – vier Jahre nach ihrer Abschaffung. Ein Komitee unter der Führung der Jungparteien von FDP und SVP ergriff das Referendum gegen das Gesetz. Die Verlierer bei fixen Buchpreisen seien die Konsumenten, argumentiert die Allianz gegen die Buchpreisbindung. Zu ihr gehören Jungfreisinnige, FDP, Junge SVP, SVP, Grünliberale, Piratenpartei, Konsumentenforum sowie Wirtschaftsverbände. Die Migros mit ihrer Grossbuchhandlung Ex Libris unterstützte die Unterschriftensammlung finanziell. (awp/mc/upd/ps)

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