Bundesökonomen rechnen im Winter mit Wachstumsdelle

Bundesökonomen rechnen im Winter mit Wachstumsdelle
(Bild: Schlierner / Adobe Stock)

Bern – Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft haben sich vor dem Jahreswechsel eingetrübt: Die Engpässe in den globalen Lieferketten sowie die sich zuspitzende Coronalage dürften der hiesigen Wirtschaft zusetzen. Die Ökonomen des Bundes senken die Konjunkturprognose fürs Jahr 2022.

Im Winterhalbjahr sei in der Schweiz mit einer deutlichen Abschwächung des Wirtschaftswachstums zu rechnen, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnertag in seiner vierteljährlichen Konjunkturprognose mit. In der Folge werde sich das Wachstum aber dank Aufholeffekten beim privaten Konsum wieder beleben und sich weiterhin auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau bewegen, entwarnen sie sogleich.

Fürs Gesamtjahr 2022 rechnen die Experten des Bundes neu mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandproduktes (BIP) zum Vorjahr von 3,2 Prozent nachdem im September noch ein Plus von 3,6 Prozent erwartet worden war. Damit sind sie optimistischer als andere Ökonomen: Beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse etwa oder auch bei der Raiffeisen erwarten die Fachleute nur ein Wachstum von 2,5 Prozent.

Auch die erstmals vom Seco für das Jahr 2023 veröffentlichte BIP-Prognose liegt mit +1,7 Prozent im «Konkurrenzvergleich» am oberen Ende der Schätzungsbandbreite.

Corona-Unsicherheit dämpft
Sorgen bereiten den Bundesökonomen vor allem globale Liefer- und Kapazitätsengpässe, die kräftige Preisanstiege auslösen und der Industrie das Leben erschweren. Zudem habe sich die Unsicherheit rund um die Coronapandemie akzentuiert, heisst es.

Um den starken Anstieg der Coronainfektionen und die Überlastung der Spitäler aufzuhalten, haben die Regierungen in Europa teils strenge Massnahmen ergriffen. Österreich etwa ist noch bis Sonntag in einem landesweiten Lockdown. Die Schweiz hat bislang auf so harte Massnahmen verzichtet. Und solange dies so bleibe und es zu keinen breitflächigen Betriebsschliessungen komme, werde die Erholung auch nicht zum Stillstand kommen, erklärte das Seco.

Die Unsicherheit bleibe aber mit der neuen Virusvariante Omikron sehr hoch. Zudem sei nicht auszuschliessen, dass eine Immobilienkrise in China mit starken Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft die Weltkonjunktur erheblich belasten könnte.

Leichte Aufwärtsrevision für 2021
Für das bald zu Ende gehende Jahr hat die Expertengruppe des Bundes die BIP-Prognose leicht erhöht. Der Wirtschaft geholfen hätten die bis Jahresmitte vollzogenen Corona-Lockerungen. Neu rechnen die Bundesökonomen für 2021 mit einem Wachstum von 3,5 Prozent. Vor drei Monaten hatte die Prognose noch auf plus 3,4 Prozent gelautet.

Ähnlich fällt die Revision beim um Sportgrossanlässe bereinigten BIP aus: Dort wird für 2021 mit einem etwas kräftigeren Plus von 3,3 Prozent (September: +3,2%) gerechnet. Weil Sportverbände wie Fifa, Uefa oder IOC ihren Hauptsitz in der Schweiz haben, wirken sich grosse Sportereignisse wegen der hohen Lizenzeinnahmen auf das hiesige BIP aus.

Höhere Inflation erwartet
Die Prognosen zur Arbeitslosenquote tastet das Seco für 2021 nicht an. Die Ökonomen erwarten im Jahresdurchschnitt nach wie vor eine Quote von 3,0 Prozent. Mit der weiteren Wirtschaftserholung soll sich die Quote dann im 2022 auf 2,4 Prozent (2,7%) und im 2023 auf 2,3 Prozent zurückbilden.

Bei der Inflation hob das Seco die Erwartungen auf Basis des Landesindex der Konsumentenpreise für 2021 auf +0,6 Prozent (Sept. +0,5%) und für 2022 auf +1,1 Prozent (+0,8%) an. Steigende Energiepreise und ein Preisanstieg bei Vorleistungsgütern seien dafür entscheidend, heisst es. Den Höhepunkt des Preisanstiegs sieht das Seco im angelaufenen Winterhalbjahr. (awp/mc/ps)

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